Wien ist bekannt für seine reiche Geschichte und seine lebendige Kultur. Doch was passiert, wenn Geschichte nicht nur erzählt, sondern erlebbar gemacht wird? Genau das hat sich die Stadt Wien mit ihrem Projekt „Geschichte(n) Wiens“ zum Ziel gesetzt. Mit einem Gesamtbudget von 800.000 Euro fördert di
Wien ist bekannt für seine reiche Geschichte und seine lebendige Kultur. Doch was passiert, wenn Geschichte nicht nur erzählt, sondern erlebbar gemacht wird? Genau das hat sich die Stadt Wien mit ihrem Projekt „Geschichte(n) Wiens“ zum Ziel gesetzt. Mit einem Gesamtbudget von 800.000 Euro fördert die Stadt neun innovative Projekte, die sich der Erinnerungskultur widmen. Doch was steckt hinter diesen Projekten und warum sind sie gerade jetzt so wichtig?
Erinnerungskultur ist ein Begriff, der sich auf die Art und Weise bezieht, wie Gesellschaften sich an ihre Vergangenheit erinnern und wie sie diese Erinnerungen bewahren und weitergeben. In einer Zeit, in der demokratische Werte weltweit unter Druck geraten, ist es umso wichtiger, sich der eigenen Geschichte bewusst zu sein. „Geschichte(n) Wiens“ ist ein Projekt, das genau diese Aufgabe übernimmt und dabei innovative Wege beschreitet.
Eines der herausragenden Projekte ist das Stationentheater „widerSTADT“, das vom Theater der Unterdrückten Wien, auch bekannt als Kollektiv Phehnix, ins Leben gerufen wurde. Dieses immersive Theaterstück entführt seine Zuschauer in die Zeit des Austrofaschismus und macht Geschichte auf eine einzigartige Weise erlebbar. Die Aufführungen finden an historischen Orten wie dem Matteottihof und dem Herweghhof statt, die selbst Zeugen der Geschichte sind. Diese Gemeindebauten aus der Zeit des Roten Wien dienen als Kulisse für das Stück, das sich mit den dunklen Kapiteln der österreichischen Geschichte auseinandersetzt.
Das Theaterstück ist nicht nur eine Aufführung, sondern ein interaktives Erlebnis, das speziell für Schüler konzipiert wurde. Es kombiniert szenische Darstellungen mit Diskussionen und Workshops zu Themen wie Zivilcourage und demokratischem Miteinander.
Der Austrofaschismus war ein autoritäres Regime, das von 1933 bis 1938 in Österreich herrschte. Es war geprägt von einer starken zentralistischen Regierung, der Unterdrückung politischer Gegner und der Einschränkung demokratischer Freiheiten. Diese Zeit wird oft als eine der dunkelsten Kapitel in der österreichischen Geschichte betrachtet. Projekte wie „widerSTADT“ helfen dabei, die Erinnerung an diese Zeit lebendig zu halten und die Lehren daraus für die Gegenwart zu ziehen.
Doch „widerSTADT“ ist nicht das einzige Projekt, das im Rahmen von „Geschichte(n) Wiens“ gefördert wird. Ein weiteres bemerkenswertes Projekt ist „Resonanz & Widerstand“, das sich mit der Geschichte der sogenannten „Schlurfs“ beschäftigt. Diese Gruppe von Jugendlichen widersetzte sich während der NS-Zeit den gesellschaftlichen Normen und repräsentierte eine Gegenkultur, die bis heute fasziniert.
Ein weiteres Projekt, das Aufmerksamkeit verdient, ist „Ruth Klüger und Ceija Stojka – Auf dem Galgenplatz blüht jetzt der Flieder“. Diese Ausstellung widmet sich den traumatischen Erfahrungen zweier Überlebender der nationalsozialistischen Verfolgung, die ihre Erlebnisse in ihrer Lyrik verarbeitet haben.
Die Stadt Wien spielt eine zentrale Rolle bei der Förderung dieser Projekte. Mit ihrer Kulturstrategie 2030 hat sie sich das Ziel gesetzt, zeitgemäße Formate der Erinnerungskultur zu unterstützen und damit einen Beitrag zum Erhalt der demokratischen Werte zu leisten. Die Kultur- und Wissenschaftsstadträtin Veronica Kaup-Hasler betont die Wichtigkeit dieser Projekte: „Überall auf der Welt gerät die Demokratie unter Druck. Das mahnt uns, die Erinnerung an die Zeit des Faschismus lebendig zu halten.“
Die Projekte von „Geschichte(n) Wiens“ sind nicht nur ein Rückblick auf die Vergangenheit, sondern auch ein Ausblick auf die Zukunft. Sie zeigen, wie wichtig es ist, sich mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen und daraus zu lernen. Die Stadt Wien plant, diese Initiative weiter auszubauen und noch mehr Projekte zu fördern, die sich mit der Erinnerungskultur beschäftigen.
Ein weiteres Projekt, das in den kommenden Jahren Aufmerksamkeit erregen wird, ist „Wien. Krankensaal 1945“. Dieses Projekt untersucht die bisher unerschlossenen Patient*innenakten der Psychiatrischen Klinik des Wiener AKH aus dem Jahr 1945 und will die kollektive Zerrissenheit zwischen Opfer- und Täterrolle veranschaulichen.
Die Projekte von „Geschichte(n) Wiens“ sind ein wichtiger Beitrag zur Erinnerungskultur und zur Stärkung der Demokratie. Sie zeigen, dass Geschichte nicht nur in Büchern existiert, sondern lebendig und erfahrbar gemacht werden kann. In einer Zeit, in der demokratische Werte weltweit unter Druck geraten, sind solche Initiativen wichtiger denn je. Sie erinnern uns daran, dass Demokratie kein Selbstverständnis ist, sondern jeden Tag aufs Neue erkämpft und verteidigt werden muss.