Meilenstein beim größten Kanalbauprojekt Wiens - über 2,2 Kilometer Tunnel bereits fertiggestellt
Die Tunnelbohrmaschine hat bereits ein Viertel der neun Kilometer langen Strecke geschafft und wird nun im Serviceschacht bei Schönbrunn gewartet.
Das größte Kanalbauprojekt in der Geschichte Wiens erreicht einen wichtigen Meilenstein: Die Tunnelbohrmaschine "Krümel" hat bereits 2.225 Meter des geplanten neun Kilometer langen Wiental-Kanals fertiggestellt. Mehr als 11.000 einzelne Tunnelbausteine wurden dabei verbaut - ein sichtbarer Fortschritt für das Mammutprojekt, das den Wienfluss künftig vor Verunreinigungen schützen soll.
"Krümel" macht nun eine verdiente Pause im Serviceschacht Schlossallee - mit direktem Blick auf das Schloss Schönbrunn. In dem 22 Meter tiefen, 13 Meter langen und 7 Meter breiten Schacht erhält die Tunnelbohrmaschine eine umfassende Wartung, die Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky augenzwinkernd mit einem Zahnarzttermin vergleicht.
Das "Gebiss" der Maschine wird gereinigt, verschlissene Zähne werden erneuert und Schweißnähte geprüft. Nach wenigen Tagen ist "Krümel" wieder fit für die nächsten Kilometer Richtung Westen. Dabei verlässt die Bohrmaschine den 15. Bezirk und setzt ihre Fahrt im 14. Bezirk fort.
"Im Wiental entsteht das größte Kanalbauprojekt in der Geschichte von Wien Kanal", betont Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky. "Mit dem neuen Wiental-Kanal schützen wir den Wienfluss vor Verunreinigungen. Bis 2028 werden alle bestehenden Kanäle der angrenzenden Bezirke an den neuen Wiental-Kanal angeschlossen sein und das Kanalnetz bei Starkregen entlasten."
Der neue Kanal wird die bestehende Röhre von der Urania bis zum Ernst-Arnold-Park um rund neun Kilometer verlängern und damit die Wasserqualität des Wienflusses verbessern sowie die Betriebssicherheit des Kanalnetzes bei Starkregen erhöhen.
Die bisherigen Bauarbeiten waren alles andere als einfach. Wechselnde geologische Verhältnisse, beengte Platzverhältnisse an der Oberfläche und zahlreiche unterirdische Leitungs- und Bauwerksquerungen stellten das Team vor große Herausforderungen.
Im laufenden Westvortrieb vom Gaudenzdorfer Gürtel nach Auhof wurden bereits 1.854 Tunnelringe gesetzt - das entspricht mehr als 11.000 einzelnen Tunnelbausteinen, den sogenannten Tübbingen. "Tunnelbau in der Stadt ist für alle Beteiligten, von der Planung bis zum Bau, eine enorme Aufgabe", erklärt Czernohorszky. "Der Bau dieses ersten Abschnitts war eine echte Herausforderung, aber das Team hat sie mit Präzision und technischer Expertise gemeistert."
Auch die Bezirksvorstehungen zeigen sich zufrieden mit dem Projektfortschritt. Michaela Schüchner, Bezirksvorsteherin von Penzing und Tunnelpatin, freut sich über die bisherigen Erfolge: "Der Wiental-Kanal ist von zentraler Bedeutung für Penzing und alle angrenzenden Bezirke. Als Tunnelpatin und Bezirksvorsteherin freue ich mich doppelt, dass die Bauarbeiten bislang gut vorangegangen sind."
Dietmar Baurecht, Bezirksvorsteher des 15. Bezirks, ist erleichtert: "Ich bin froh, dass sich Krümel trotz hartem Boden in unserem Bezirk nicht die Zähne ausgebissen hat. Der Wiental-Kanal bedeutet vor allem eines: weniger Belastung oben, dafür mehr Sicherheit unten."
Während "Krümel" gewartet wird, bereitet sich das Team bereits auf den nächsten anspruchsvollen Abschnitt vor. Von der Schlossallee bis zur Kennedybrücke wartet eine besondere Herausforderung: Zwischen Philippsgasse und Gyrowetzgasse verläuft die Bohrung in nur 3 Meter seitlichem Abstand zu den Häusern.
"Die geringen Abstände zu den Häusern erfordern eine penible Vorbereitung", erklärt Andreas Ilmer, Direktor von Wien Kanal. Alle betroffenen Gebäude werden im Vorfeld sorgfältig begutachtet, Sachverständige fotografieren und vermessen Risse und bringen Vermessungspunkte an, die während der Arbeiten überwacht werden.
Um die Sicherheit zu gewährleisten, wurden entlang der Strecke umfangreiche Untersuchungen durchgeführt:
Zusätzlich zu den bestehenden zehn Bodenproben wurden zwei weitere Untersuchungen durchgeführt. Die Ergebnisse ergänzen das Wissen aus dem Baugrundkataster der Stadt Wien, in dem die Ergebnisse von rund 65.000 Probebohrungen dokumentiert sind.
Parallel zur Hauptbohrung laufen verschiedene Begleitarbeiten:
Eine gute Nachricht für die Anrainer: Der Großteil der Arbeiten verläuft unterirdisch. Oberirdische Einschränkungen sind begrenzt und werden rechtzeitig bekanntgegeben. Allerdings können Bohrgeräusche hörbar sein, da sich der Schall bei geringem Abstand zwischen Tunnelbohrmaschine und Keller überträgt.
Die Vortriebsgeschwindigkeit liegt bei mehreren Metern pro Tag, sodass die Maschine in ein bis zwei Tagen an einem Haus vorbei ist. Eine Ombudsstelle informiert vor Ort bei Bedarf kurzfristig und persönlich über aktuelle Entwicklungen.
Interessierte können sich im Infocenter "Über Unten" am Gaudenzdorfer Gürtel (Nähe U4 Margaretengürtel) über das Projekt informieren. Dort werden Modelle, Visualisierungen und laufende Updates zum Wiental-Kanal präsentiert.
Für Anrainer steht eine Info-Hotline (+43 664 158 48 69) zur Verfügung, auch per E-Mail ([email protected]) können Fragen gestellt werden.
Wien Kanal betreibt Österreichs größtes Kanalnetz mit mehr als 2.500 Kilometer Leitungen. Täglich werden rund eine halbe Milliarde Liter Abwasser sicher und umweltgerecht zur Kläranlage transportiert. Der Wiental-Kanal ist ein wichtiger Baustein zur Verbesserung der Infrastruktur und des Umweltschutzes in der Bundeshauptstadt.
Mit "Krümels" Wartung und der sorgfältigen Vorbereitung auf den nächsten Bauabschnitt setzt Wien ein starkes Zeichen für nachhaltigen Umweltschutz und moderne Infrastruktur. Das Projekt zeigt, wie technische Innovation und umweltbewusstes Handeln Hand in Hand gehen können.