Am 25. November 2025 veröffentlichte das Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) eine aufschlussreiche Studie, die die Verteilung der Einnahmen aus dem Lebensmittelverkauf in Österreich beleuchtet. Nur vier von 100 Euro, die Konsumenten für Lebensmittel ausgeben, erreichen die heimischen bäuerlichen Fa
Am 25. November 2025 veröffentlichte das Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) eine aufschlussreiche Studie, die die Verteilung der Einnahmen aus dem Lebensmittelverkauf in Österreich beleuchtet. Nur vier von 100 Euro, die Konsumenten für Lebensmittel ausgeben, erreichen die heimischen bäuerlichen Familienbetriebe. Diese Erkenntnis hat weitreichende Implikationen für die Landwirtschaft und die Preisgestaltung in der Lebensmittelkette.
Die Landwirtschaft ist ein essenzieller Bestandteil der Lebensmittelproduktion, doch die aktuelle WIFO-Studie zeigt, dass sie am wenigsten von den steigenden Lebensmittelpreisen profitiert. Der Großteil der Einnahmen wird durch andere Kostenblöcke wie Energie, Löhne, Transport und Handel absorbiert. Diese Entwicklung wirft ein Schlaglicht auf die Herausforderungen, denen österreichische Bauern gegenüberstehen.
Historisch gesehen haben sich die Lebensmittelpreise in Österreich über die Jahre hinweg kontinuierlich verändert. In den 1980er Jahren war der Anteil der Agrarrohstoffe am Endverbraucherpreis wesentlich höher. Mit der Globalisierung und der zunehmenden Industrialisierung der Landwirtschaft hat sich der Fokus jedoch verschoben. Heute bestimmen Handelsketten und Verarbeitungsindustrien die Preisgestaltung maßgeblich.
Im Vergleich zu anderen Ländern wie Deutschland und der Schweiz zeigt sich ein ähnliches Bild. Auch dort sind die Agrarrohstoffpreise nur ein kleiner Teil der gesamten Lebensmittelkosten. In der Schweiz etwa, wo die landwirtschaftliche Produktion stark subventioniert wird, erhalten Bauern einen etwas höheren Anteil, doch die Grundproblematik bleibt bestehen.
Für die österreichischen Konsumenten bedeutet dies, dass ein Großteil der Ausgaben für Lebensmittel nicht den Bauern zugutekommt, sondern in anderen Bereichen der Wertschöpfungskette verbleibt. Dies hat direkte Auswirkungen auf die Preisgestaltung und die Verfügbarkeit von regionalen Produkten. Wenn die landwirtschaftlichen Betriebe nicht ausreichend entlohnt werden, könnte dies langfristig die Versorgung mit heimischen Lebensmitteln gefährden.
Ein konkretes Beispiel bietet der Weizenmehlmarkt. Der Anteil des Rohstoffs Mahlweizen am Endverbraucherpreis ist laut WIFO von knapp 30 Prozent im Jahr 2022 auf unter 20 Prozent gesunken. Diese Verschiebung zeigt, wie stark externe Faktoren die Preisgestaltung beeinflussen.
Die WIFO-Analyse zeigt, dass der Index der Agrarrohstoffpreise bereits wieder unter dem Niveau von 2022 liegt, während der Verbraucherpreisindex für Lebensmittel deutlich höher bleibt. Dies deutet darauf hin, dass andere Faktoren wie Importkosten und Energiepreise eine größere Rolle spielen. Laut der Studie tragen vor allem importierte Produkte wie Kakao, Kaffee und Südfrüchte zur aktuellen Teuerung bei.
Die Zukunftsperspektive für die österreichische Landwirtschaft ist herausfordernd. Ohne faire Rahmenbedingungen und eine gerechte Verteilung der Einnahmen entlang der Lebensmittelkette könnten viele Betriebe in ihrer Existenz gefährdet sein. Eine transparente Preisgestaltung und eine ehrliche Diskussion über den Wert von Lebensmitteln sind notwendig, um die Versorgung mit hochwertigen heimischen Produkten sicherzustellen.
Experten wie Bauernbund-Präsident Georg Strasser fordern mehr Preistransparenz und eine faire Abgeltung der Leistungen der bäuerlichen Familienbetriebe. Nur so kann die Landwirtschaft nachhaltig gestärkt werden.
Die WIFO-Studie verdeutlicht die Notwendigkeit, die Wertschöpfungskette der Lebensmittelproduktion in Österreich kritisch zu hinterfragen. Konsumenten, Politik und Wirtschaft sind gleichermaßen gefordert, nachhaltige Lösungen zu finden, die sowohl den Bauern als auch den Verbrauchern zugutekommen. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Diskussionen entwickeln und welche Maßnahmen ergriffen werden, um die Situation zu verbessern.
Für weiterführende Informationen zur WIFO-Studie und deren Implikationen besuchen Sie bitte die vollständige Pressemitteilung des Bauernbundes Österreich.