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WK-Zeitungen dominieren Entscheider-Markt: Jeder dritte liest sie

19. März 2026 um 10:11
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Während viele Printmedien um ihre Existenz kämpfen, feiern die Wirtschaftskammer-Zeitungen einen spektakulären Erfolg: Mit 33,6 Prozent Lesern pro Ausgabe erreichen sie bei Entscheidungsträgern ein...

Während viele Printmedien um ihre Existenz kämpfen, feiern die Wirtschaftskammer-Zeitungen einen spektakulären Erfolg: Mit 33,6 Prozent Lesern pro Ausgabe erreichen sie bei Entscheidungsträgern einen absoluten Spitzenwert. Das bedeutet konkret: Jeder dritte Entscheidungsträger in österreichischen Unternehmen greift regelmäßig zu einer WK-Zeitung. Diese beeindruckenden Zahlen stammen aus der aktuellen Leseranalyse Entscheidungsträger (LAE) 2025, die das renommierte IFES-Institut durchgeführt hat.

Wirtschaftskammer-Zeitungen trotzen dem Mediensterben

In einer Zeit, in der täglich über das Zeitungssterben berichtet wird und selbst etablierte Medienhäuser um ihre Zukunft bangen, schwimmen die WK-Zeitungen erfolgreich gegen den Strom. Die Cross-Media-Reichweite, die sowohl Print- als auch E-Paper-Leser erfasst, stieg sogar von 40,3 Prozent im Jahr 2023 auf beachtliche 45,3 Prozent in der aktuellen Erhebung. Das entspricht einer Steigerung um fünf Prozentpunkte – ein Wert, der in der heutigen Medienlandschaft einer kleinen Sensation gleichkommt.

Zum Vergleich: Der direkte Konkurrent "Gewinn" erreicht lediglich 25,5 Prozent Cross-Media-Reichweite, "trendPremium" kommt auf 20,8 Prozent. Diese Zahlen verdeutlichen die dominante Position der WK-Zeitungen im österreichischen Wirtschaftsmedien-Segment. Die Leseranalyse Entscheidungsträger gilt als wichtigste Währung für Werbekunden, die gezielt Führungskräfte ansprechen wollen.

Was bedeutet "Leser pro Ausgabe" genau?

Der Begriff "Leser pro Ausgabe" (LpA) ist ein zentraler Messwert in der Medienanalyse und beschreibt, wie viele Personen eine durchschnittliche Zeitungsausgabe tatsächlich lesen. Dabei wird nicht nur der Käufer oder Abonnent gezählt, sondern alle Personen, die Zugang zu dieser Ausgabe haben – sei es am Arbeitsplatz, in der Familie oder durch Weitergabe. Ein LpA-Wert von 33,6 Prozent bedeutet somit, dass mehr als jeder dritte Entscheidungsträger in Österreich regelmäßig eine WK-Zeitung zur Hand nimmt. Dieser Wert ist besonders aussagekräftig, da er die tatsächliche Nutzung und nicht nur die Auflage widerspiegelt.

Die Cross-Media-Reichweite (CMR) hingegen erfasst die Gesamtreichweite über alle Kanäle hinweg. Sie berücksichtigt sowohl die klassische Printausgabe als auch digitale Varianten wie E-Paper oder Online-Auftritte. In einer zunehmend digitalisierten Welt ist dieser Wert entscheidend, da er zeigt, wie gut ein Medium den Medienwandel bewältigt und seine Leserschaft über verschiedene Plattformen hinweg erreicht.

Detailanalyse: Führungskräfte bevorzugen WK-Zeitungen deutlich

Besonders beeindruckend sind die Detailergebnisse der Studie, die eine klare Präferenz von Führungskräften für die WK-Zeitungen belegen. Bei den Alleinentscheidern – also jenen Personen, die in ihrem Bereich vollständig eigenständig Entscheidungen treffen – erreichen die WK-Zeitungen in allen wichtigen Geschäftsbereichen Spitzenwerte. Im Bereich EDV/IT liegt der LpA bei 44,2 Prozent, bei Finanzentscheidungen bei 43 Prozent.

Diese Zahlen sind wirtschaftlich hochrelevant, da sie zeigen, wer die Meinungsführer in österreichischen Unternehmen erreicht. Alleinentscheider für Verwaltung und Organisation lesen zu 42,8 Prozent die WK-Zeitungen, jene für Vertrieb, Marketing und Kommunikation zu 42,6 Prozent. Selbst in den traditionell technikorientierten Bereichen Produktion, Material und Logistik erreichen die WK-Zeitungen 42,2 Prozent der Entscheidungsträger.

Hierarchie-Effekt: Je höher die Position, desto mehr WK-Zeitungs-Leser

Ein interessantes Phänomen zeigt sich bei der Analyse nach Hierarchieebenen: In der ersten Führungsebene – also bei Geschäftsführern, Vorständen und Direktoren – liegt der LpA bei beachtlichen 41,1 Prozent. In der zweiten Führungsebene sinkt dieser Wert auf 25,7 Prozent. Dieser Unterschied von mehr als 15 Prozentpunkten verdeutlicht, dass die WK-Zeitungen besonders bei den obersten Entscheidungsträgern eine hohe Akzeptanz genießen.

Noch deutlicher wird dieser Trend bei der zeitlichen Entwicklung: Während der LpA bei Geschäftsführern, Vorständen und Direktoren von 34,8 Prozent im Jahr 2023 auf 39,1 Prozent im Jahr 2025 stieg, blieb er in anderen Hierarchieebenen weitgehend stabil. Das zeigt, dass die WK-Zeitungen ihre Position gerade bei den wichtigsten Meinungsführern weiter ausbauen konnten.

Überraschung: Junge Führungskräfte lesen mehr Print

Gegen alle Trends in der Medienlandschaft zeigt die Studie ein überraschendes Phänomen: Gerade junge Entscheidungsträger bis 39 Jahren greifen besonders gern zu den WK-Zeitungen. Mit einem LpA von 38 Prozent liegt diese Altersgruppe deutlich über dem Durchschnitt und sogar über der Gruppe der 40- bis 49-Jährigen, die nur 29 Prozent erreicht.

Dieses Ergebnis steht im krassen Gegensatz zum allgemeinen Medienkonsum, wo jüngere Zielgruppen primär digitale Kanäle bevorzugen. Medienexperten erklären dieses Phänomen mit dem besonderen Charakter von Wirtschaftsmedien: Junge Führungskräfte nutzen die WK-Zeitungen als wichtige Informationsquelle für ihre berufliche Entwicklung und als Networking-Tool. Das Lesen der WK-Zeitung wird in vielen Unternehmen als Zeichen für Engagement und Brancheninteresse gewertet.

Informationsnutzen übertrifft andere Printmedien

Neben den reinen Reichweitenzahlen wurde auch der subjektiv empfundene Informationsnutzen erhoben. Auch hier schneiden die WK-Zeitungen überdurchschnittlich ab und erreichen Werte, die über denen anderer Printmedien liegen. Dies bedeutet, dass die Leser nicht nur die Zeitungen zur Hand nehmen, sondern diese auch als besonders wertvoll für ihre berufliche Tätigkeit einschätzen.

Der hohe Informationsnutzen erklärt sich durch die spezielle Ausrichtung der WK-Zeitungen: Sie bieten nicht nur allgemeine Wirtschaftsnachrichten, sondern fokussieren sich auf regionale Entwicklungen, Branchentrends und praktische Informationen für Unternehmer. Themen wie Fördermöglichkeiten, rechtliche Änderungen oder neue Geschäftschancen werden gezielt aufbereitet und sind für die Leser direkt verwertbar.

Die neun regionalen Ausgaben im Überblick

Das Erfolgsgeheimnis der WK-Zeitungen liegt auch in ihrer regionalen Struktur. Mit neun verschiedenen Ausgaben decken sie alle österreichischen Bundesländer ab und können so lokale Besonderheiten und regionale Wirtschaftsentwicklungen gezielt ansprechen. Die Gesamtauflage beträgt beeindruckende 559.400 Exemplare, womit die WK-Zeitungen zu den reichweitenstärksten Medien Österreichs gehören.

Die "Wiener Wirtschaft" führt mit 112.400 Exemplaren, gefolgt von "Wirtschaft NÖ" mit 99.000 und der "Steirischen Wirtschaft" mit 97.600 Exemplaren. Die "Oberösterreichische Wirtschaft" erreicht 80.000 Exemplare, während die "Tiroler Wirtschaft" 52.200 Exemplare druckt. Die kleineren Bundesländer sind mit der "Salzburger Wirtschaft" (40.000), der "Kärntner Wirtschaft" (39.000), "Die Wirtschaft" in Vorarlberg (21.500) und "Burgenlands Wirtschaft" (17.700) vertreten.

Regionale Verankerung als Erfolgsfaktor

Diese regionale Aufteilung ermöglicht es den WK-Zeitungen, sehr spezifisch auf die Bedürfnisse der lokalen Wirtschaft einzugehen. Während überregionale Wirtschaftsmedien oft nur die großen Trends abbilden können, berichten die WK-Zeitungen über mittelständische Unternehmen, lokale Erfolgsgeschichten und regionale Herausforderungen. Für einen Tiroler Hotelier sind beispielsweise die aktuellen Entwicklungen im Tourismus seiner Region weitaus relevanter als abstrakte Börsenberichte aus Frankfurt oder New York.

Die hohen Auflagenzahlen der einzelnen regionalen Ausgaben zeigen auch, dass die österreichische Wirtschaft trotz Globalisierung stark regional geprägt bleibt. Geschäftsführer und Unternehmer orientieren sich primär an ihrem lokalen Umfeld und den dortigen Netzwerken. Die WK-Zeitungen haben es geschafft, diese regionalen Strukturen optimal zu bedienen und sich als unverzichtbare Informationsquelle zu etablieren.

Vergleich mit anderen Wirtschaftsmedien

Im direkten Vergleich mit anderen österreichischen Wirtschaftsmedien zeigen die WK-Zeitungen ihre überlegene Marktposition deutlich. Das Magazin "Gewinn", das sich als führendes österreichisches Wirtschaftsmagazin positioniert, erreicht bei den Lesern pro Ausgabe nur 17,4 Prozent – weniger als die Hälfte des WK-Zeitungs-Wertes. "trendPremium" kommt sogar nur auf 13,1 Prozent LpA.

Diese Zahlen verdeutlichen die besondere Stellung der WK-Zeitungen im österreichischen Medienmarkt. Während andere Wirtschaftsmedien oft um die Aufmerksamkeit einer breiten Öffentlichkeit kämpfen, haben sich die WK-Zeitungen erfolgreich als das Medium der Wahl für Entscheidungsträger etabliert. Sie profitieren dabei von der Glaubwürdigkeit und dem Vertrauen, das die Wirtschaftskammern in der österreichischen Unternehmerschaft genießen.

Internationale Perspektive: Deutschland und Schweiz

Im Vergleich zu Deutschland und der Schweiz zeigt sich die besondere Struktur des österreichischen Wirtschaftsmedienmarktes. Während in Deutschland Magazine wie "manager magazin" oder "Wirtschaftswoche" dominieren und in der Schweiz die "Handelszeitung" marktführend ist, hat Österreich mit den WK-Zeitungen ein einzigartiges Modell entwickelt. Die enge Verzahnung von Wirtschaftskammern und Medien gibt es in dieser Form weder in Deutschland noch in der Schweiz.

Diese Besonderheit erklärt auch den außergewöhnlichen Erfolg der WK-Zeitungen: Sie sind nicht nur Informationsmedium, sondern auch Teil des institutionellen Gefüges der österreichischen Wirtschaft. Unternehmer sehen sie nicht als externes Medium, sondern als Sprachrohr ihrer eigenen Interessensvertretung.

Auswirkungen auf die Medienlandschaft

Der Erfolg der WK-Zeitungen hat weitreichende Auswirkungen auf die gesamte österreichische Medienlandschaft. Für Werbekunden, die Entscheidungsträger erreichen wollen, führt kein Weg an den WK-Zeitungen vorbei. Diese dominante Position verschafft dem WK-Zeitungsring erhebliche wirtschaftliche Vorteile und ermöglicht es, auch in schwierigen Zeiten für die Printmedien stabile Geschäftszahlen zu erzielen.

Gleichzeitig setzen die Ergebnisse andere Wirtschaftsmedien unter Druck. Magazine wie "Gewinn" oder "trend" müssen sich fragen, wie sie ihre Reichweite bei Entscheidungsträgern steigern können. Viele setzen dabei verstärkt auf digitale Strategien oder Veranstaltungsformate, um sich von den WK-Zeitungen zu differenzieren.

Konsequenzen für Verlage und Medienunternehmen

Die LAE-Ergebnisse zeigen auch, dass spezialisierte Medien mit klarer Zielgruppenorientierung bessere Überlebenschancen haben als Allround-Publikationen. Während viele Tageszeitungen mit sinkenden Auflagen kämpfen, können die WK-Zeitungen ihre Position sogar ausbauen. Diese Entwicklung könnte andere Verlage dazu ermutigen, ebenfalls stärker auf Nischenmärkte und spezielle Zielgruppen zu setzen.

Für die österreichische Medienvielfalt bedeutet der Erfolg der WK-Zeitungen jedoch auch eine gewisse Konzentration der Meinungsbildung. Wenn ein Großteil der Wirtschaftselite dieselben Medien konsumiert, kann das zu einer Verengung der Diskussion führen. Kritiker sehen darin eine potenzielle Gefahr für die demokratische Meinungsbildung in wirtschaftspolitischen Fragen.

Zukunftsperspektiven und Herausforderungen

Trotz der aktuell sehr positiven Zahlen stehen auch die WK-Zeitungen vor Herausforderungen. Der allgemeine Trend zur Digitalisierung wird sich langfristig auch auf diese Medien auswirken. Die Frage ist, ob es gelingt, die starke Position in der Printwelt erfolgreich ins Digitale zu übertragen. Erste Schritte sind mit den E-Paper-Ausgaben bereits getan, aber die Konkurrenz durch reine Online-Medien wird zunehmen.

Ein weiterer Aspekt ist die demografische Entwicklung. Auch wenn die aktuellen Zahlen bei jungen Führungskräften positiv sind, könnte sich das Leseverhalten zukünftiger Generationen grundlegend ändern. Die WK-Zeitungen müssen daher kontinuierlich ihre Formate und Inhalte überprüfen und anpassen.

Chancen durch Digitalisierung

Gleichzeitig bietet die Digitalisierung auch neue Möglichkeiten. Personalisierte Inhalte, interaktive Formate und direktere Kommunikation mit den Lesern könnten die Bindung noch weiter stärken. Die WK-Zeitungen könnten ihre regionalen Stärken durch digitale Tools noch besser ausspielen und beispielsweise lokale Business-Netzwerke online verknüpfen.

Die Integration von Social Media, Podcasts oder Video-Content könnte neue Zielgruppen erschließen und die Reichweite weiter steigern. Wichtig wird dabei sein, die bewährte Qualität und Glaubwürdigkeit auch in neuen Formaten beizubehalten.

Die aktuellen LAE-Ergebnisse bestätigen eindrucksvoll die Strategie der WK-Zeitungen und zeigen, dass auch in einer digitalisierten Welt spezialisierte Printmedien erfolgreich sein können. Mit 33,6 Prozent Lesern pro Ausgabe haben sie sich als unverzichtbare Informationsquelle für Österreichs Entscheidungsträger etabliert. Ob sie diese Position auch langfristig halten können, wird davon abhängen, wie erfolgreich der Spagat zwischen bewährter Tradition und notwendiger Innovation gelingt. Die Basis dafür ist jedenfalls hervorragend: Eine treue, einflussreiche Leserschaft und eine starke regionale Verankerung sind in der heutigen Medienlandschaft Gold wert.

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