Material-Fokus und Balkan-Erinnerungen prägen das Ausstellungsprogramm
Das MuseumsQuartier Wien zeigt ab Februar 2026 zwei vielschichtige Ausstellungen zu Architektur-Materialien und persönlicher Geschichte.
Das MuseumsQuartier Wien präsentiert ab 26. Februar 2026 zwei außergewöhnliche Ausstellungen im MQ Freiraum, die unterschiedlicher nicht sein könnten und doch gemeinsam ein faszinierendes Spannungsfeld zwischen materiellem Bauen und persönlicher Erinnerung aufspannen.
"We build houses. We take them apart" – dieser provokante Untertitel der Gruppenausstellung "THE MATERIAL SHOW" bringt auf den Punkt, worum es geht: um den endlosen Kreislauf von Aufbau und Abriss, der unsere Städte prägt. Zwölf österreichische und internationale Künstler:innen widmen sich den Grundmaterialien unserer gebauten Umwelt: Beton, Stein, Holz, Metall und Glas.
Die Ausstellung entstand aus den langjährigen Recherchen des Künstlers Andreas Fogarasi, der gemeinsam mit MQ-Chefkuratorin Astrid Peterle kuratierte. "Bauen und Zerstören sind keine Gegensätze, sondern zwei Seiten derselben Kulturtechnik", erklärt MQ-Direktorin Bettina Leidl das Konzept. "Ressourcen sind endlich. Böden sind umkämpft. Städte werden verdichtet. Gleichzeitig stehen Gebäude leer."
Die Ausstellung reagiert auf konkrete urbane Entwicklungen in Wien. Ein prägnantes Beispiel ist der gigantische Rohbau auf der Mariahilfer Straße, der einem der größten Unternehmenskonkurse der österreichischen Geschichte zum Opfer fiel und nun wieder abgerissen wird. Solche Entwicklungen verdeutlichen die Vergänglichkeit und gleichzeitige Notwendigkeit von Bauprojekten.
Besonders relevant erscheint die Thematik im historischen Kontext des MuseumsQuartiers selbst. Das Gebäude spiegelt über 300 Jahre Wandel und Veränderung wider und befindet sich auch heute in stetiger Transformation – mit dem geplanten Neubau des Hauses der Geschichte Österreich und der Begrünung der Innenhöfe.
Zu den beteiligten Künstler:innen zählen Lara Almarcegui, Hannes Böck, Cäcilia Brown, Werner Feiersinger, Andreas Fogarasi, Daria Koltsova, LITTLE WARSAW, Markéta Othová, Bianca Pedrina, Nick Relph, Iris Touliatou und Christoph Weber. Sie alle verbindet das Interesse an Materialien, die oft erst dann wahrgenommen werden, wenn sie nicht mehr funktionieren oder bereits ruiniert sind.
Parallel zur "Material Show" präsentiert das MQ die erste institutionelle Einzelausstellung von Milica Živković in Wien. "The Roots of Small Fires" vereint neu geschaffene Arbeiten, die aus dem komplexen Zusammenspiel persönlicher Erfahrungen und der politischen Realität des Balkans nach den Jugoslawienkriegen entstanden sind.
Die silbern schimmernden Stoffe in Živkovićs Werkserie "Spectacles of Survival" spielen auf die pompöse Ästhetik des Musikstils "Turbo-Folk" an. Dieser wird häufig mit Nationalismus und den Jugoslawienkriegen in Verbindung gebracht und prägte als "Hintergrundgeräusch" die Kindheitserinnerungen der Künstlerin. Auf den Stoffen finden sich abstrakte, wurzelähnliche Formen, die wie Gesten der Ver- und Entwurzelung wirken.
Das Licht der im Ausstellungstitel genannten "small fires" erscheint als Spiegelung vieler kleiner Brennpunkte – ein Symbol für eine Region und eine Welt in Aufruhr. Die Besucher:innen bewegen sich durch eine "Bühne des Erinnerns", einen Ort an der Schwelle zwischen Vergangenheit und Zukunft.
Die Ausstellung wurde durch das UNIQA SEE FUTURE Foundation Mentorship Program für Bildende Künstler:innen realisiert, in Zusammenarbeit mit der Künstlerin und Mentorin Šejla Kamerić, Nomad – Croatian Office for Contemporary Art, Nomarts – Kunstverein zur Schaffung von Kunstsammlungen sowie dem MuseumsQuartier Wien.
Ein Großteil der präsentierten Arbeiten entstand während Živkovićs zweimonatigem Aufenthalt als MQ Artist-in-Residence in Wien. Diese internationale Vernetzung unterstreicht die Bedeutung kultureller Brücken zwischen den Ländern Südosteuropas und Österreich.
Beide Ausstellungen laden dazu ein, gewohnte Sichtweisen zu hinterfragen. Während "THE MATERIAL SHOW" die Aufmerksamkeit auf architektonisch wie gesellschaftlich Notwendiges lenkt, das nicht als selbstverständlich betrachtet werden sollte, ermöglicht "The Roots of Small Fires" einen intimen Einblick in die Verarbeitung kollektiver Traumata durch Kunst.
Die parallele Präsentation beider Ausstellungen schafft einen interessanten Dialog zwischen dem Materiellen und dem Emotionalen, zwischen dem Konstruktiven und dem Destruktiven, zwischen dem Kollektiven und dem Persönlichen. In Zeiten vermehrter Krisen und Umwälzungen bieten beide Schauen wichtige Denkanstöße für den Umgang mit unserer gebauten und erlebten Umwelt.
Die Eröffnung beider Ausstellungen findet am 25. Februar 2026 um 19 Uhr statt. Die Schauen sind bis 31. Mai 2026 zu sehen. Vertiefende Informationen zu allen beteiligten Künstler:innen sind in begleitenden Ausstellungsbroschüren zusammengestellt.