Am 10. September 2025, dem Welttag der Suizidprävention, rief Gudrun Kugler, Menschenrechtssprecherin der ÖVP, zu einer verstärkten Suizidprävention auf. Unter dem Motto 'Assistenz zum Leben statt Assistenz zum Sterben' wurde die mediale Berichterstattung über das öffentliche Sterben von Niki Glatta
Am 10. September 2025, dem Welttag der Suizidprävention, rief Gudrun Kugler, Menschenrechtssprecherin der ÖVP, zu einer verstärkten Suizidprävention auf. Unter dem Motto 'Assistenz zum Leben statt Assistenz zum Sterben' wurde die mediale Berichterstattung über das öffentliche Sterben von Niki Glattauer als medienethisch problematisch eingestuft. Kugler betonte, dass Journalisten eine enorme Verantwortung tragen, insbesondere wenn es um Themen wie Leben und Tod geht.
Assistierter Suizid ist ein kontroverses Thema, das emotional aufgeladen und mit ethischen sowie rechtlichen Fragestellungen verknüpft ist. In Österreich wurde die Praxis 2022 nach einem Urteil des Verfassungsgerichtshofs legalisiert, unterliegt jedoch strengen Auflagen. Doch Kugler warnt davor, dass die 'Salonfähigkeit' des assistierten Suizids die Hemmschwelle herabsetzt und den Druck auf Betroffene erhöht, diese Option zu wählen, um Angehörigen nicht zur Last zu fallen.
Die Beispiele der Niederlande und Belgiens zeigen, dass die Grenzen des assistierten Suizids und der Euthanasie über die Jahre immer weiter ausgeweitet wurden. Anfangs nur für unheilbar Kranke vorgesehen, wurden die Kriterien schrittweise gelockert, was zu einer gesellschaftlichen Akzeptanz dieser Praktiken führte. Diese Entwicklung wird von Kugler und anderen Kritikern als eine Erosion der gesellschaftlichen Solidarität gesehen.
Die mediale Begleitung des Sterbens von Niki Glattauer hat eine Debatte über die Rolle der Medien entfacht. Während einige die Offenheit begrüßen, sehen andere die Gefahr der Nachahmung und die Bagatellisierung eines so ernsten Themas. Medienethiker warnen, dass die Art und Weise, wie über Suizid berichtet wird, unmittelbare Auswirkungen auf gefährdete Personen haben kann.
Jährlich sterben weltweit über 700.000 Menschen durch Suizid. In Österreich sind es dreimal so viele wie Verkehrstote. Diese erschreckenden Zahlen verdeutlichen die Dringlichkeit der Suizidprävention. Experten fordern mehr Investitionen in psychologische Betreuung und soziale Unterstützungssysteme, um Menschen in Krisensituationen besser zu helfen.
In der Diskussion um assistierten Suizid und Suizidprävention kommen auch viele Experten zu Wort. Ein niederländischer Experte betonte, dass ein bedeutender Teil des Leidens darin besteht, dass Patienten sich als Last für ihre Angehörigen empfinden. Ein weiterer Experte aus Österreich erklärte, dass der Wunsch nach Sterbehilfe oft nur der Wunsch nach der Beendigung eines menschenunwürdigen Zustandes sei.
Die ÖVP fordert eine stärkere Zusammenarbeit aller relevanten Akteure, um eine Gesellschaft zu schaffen, in der Menschen 'an der Hand, nicht durch die Hand eines anderen' sterben. Dies bedeutet, dass die Hospiz- und Palliativmedizin gestärkt und die Stimmen der Hoffnung und Solidarität lauter werden müssen. Der Ausbau von Unterstützungsangeboten steht dabei im Vordergrund.
Für den einzelnen Bürger bedeutet dies, dass mehr Hilfsangebote und Anlaufstellen geschaffen werden sollen, um in Krisensituationen Unterstützung zu erhalten. Zudem wird erwartet, dass die mediale Berichterstattung sensibler gestaltet wird, um die Nachahmungsgefahr zu minimieren.
Die Diskussion ist noch lange nicht beendet und wird sicherlich in den kommenden Jahren weiter an Brisanz gewinnen. Die Herausforderung besteht darin, den Spagat zwischen Selbstbestimmung und Schutz der Schwächsten zu meistern.