Wien – Der Equal-Pension-Day steht vor der Tür, und mit ihm ein Thema, das seit Jahren für hitzige Debatten sorgt: die klaffende Pensionsschere zwischen Männern und Frauen. Am 19. September lädt der Wiener Pensionistenverband (PVÖ-Wien) zur Podiumsdiskussion ins Amtshaus in der Brigittenau ein, um genau diese Problematik zu beleuchten und Lösungen zu diskutieren.
Die Bedeutung des Equal-Pension-Days
Der Equal-Pension-Day markiert den Tag, an dem Männer bereits das Pensionsvolumen erreicht haben, für das Frauen noch bis Jahresende arbeiten müssen. Diese symbolische Grenze soll das Bewusstsein für die ungleiche Verteilung der Renten zwischen den Geschlechtern schärfen. Aber warum gibt es diese Ungleichheit überhaupt?
Ursachen der Pensionsschere
Die Ursachen der Pensionsschere sind vielschichtig. Ein Hauptgrund ist die Teilzeitfalle, in der viele Frauen aufgrund von familiären Verpflichtungen stecken. Diese Verpflichtungen, auch bekannt als Care-Arbeit, umfassen die Betreuung von Kindern und die Pflege von Angehörigen. Obwohl diese Arbeit von unschätzbarem Wert ist, wird sie in der Regel nicht bezahlt und führt zu geringeren Rentenansprüchen.
Ein weiterer Faktor ist die Lohnlücke, die sogenannte Gender Pay Gap. Frauen verdienen im Durchschnitt weniger als Männer, was sich direkt auf die Höhe ihrer Rente auswirkt. Laut einer Studie der Statistik Austria liegt der Gender Pay Gap in Österreich bei rund 19,9 Prozent. Diese Lücke zieht sich durch das gesamte Berufsleben und wird im Alter besonders spürbar.
Die Rolle der Politik
Politische Maßnahmen zur Schließung der Pensionslücke sind dringend erforderlich. Die Diskussionsteilnehmerinnen der Podiumsdiskussion betonten die Notwendigkeit von Reformen, die auf Lohntransparenz und die Anerkennung von Care-Arbeit abzielen. Ein Vorschlag ist die Streichung der zehn schlechtesten Jahre bei der Pensionsberechnung, um Frauen zu entlasten, die aufgrund von Kinderbetreuung oder Pflegezeiten weniger gearbeitet haben.
Vergleich mit anderen Bundesländern
Interessanterweise schneidet Wien im Vergleich zu anderen österreichischen Bundesländern beim Equal-Pension-Day besser ab. Dies liegt an der unterschiedlichen Wirtschaftsstruktur der Hauptstadt, die mehr Beschäftigungsmöglichkeiten für Frauen bietet. Dennoch ist der Weg zur Gleichstellung noch lang, wie Michaela Sramek, die Landesgeschäftsführerin des PVÖ Wien, betont: „Wir sind zwar Vorzugsschüler, aber das ist noch kein Festtag.“
Auswirkungen auf die Bürger
Für viele Frauen bedeutet die Pensionsschere ein Leben in Altersarmut. Die niedrigen Renten zwingen viele, auch im Alter noch arbeiten zu müssen, um über die Runden zu kommen. Dies betrifft vor allem Frauen, die in Branchen mit niedrigen Löhnen oder in Teilzeit gearbeitet haben.
Eine Teilnehmerin der Podiumsdiskussion fasste es treffend zusammen: „Die berufliche Zukunft endet nicht mit der Pension, sondern sollte die Pension gezielt miteinbeziehen.“ Damit wird die Notwendigkeit betont, frühzeitig für das Alter vorzusorgen und sich nicht allein auf die staatliche Rente zu verlassen.
Ein Blick in die Zukunft
Die Zukunftsaussichten sind sowohl herausfordernd als auch vielversprechend. Während sich die Beschäftigungsquote der Frauen langfristig erhöhen muss, um die Pensionsschere zu schließen, sind auch gesellschaftliche Veränderungen notwendig. Die Diskussionsteilnehmerinnen fordern mehr Selbstbewusstsein und Kampfgeist von Frauen, um sich für gut bezahlte Berufe zu entscheiden und höhere Gehaltsforderungen zu stellen.
Experten sind sich einig, dass die Lösung des Problems in einer Kombination aus politischen Maßnahmen und gesellschaftlichem Wandel liegt. Die Einführung von Maßnahmen zur Förderung der Lohntransparenz und zur Anerkennung von Care-Arbeit könnte einen wichtigen Schritt darstellen.
Fazit
Der Equal-Pension-Day sollte nicht nur ein Tag der Reflexion, sondern auch ein Tag des Handelns sein. Die Pensionsschere zwischen Männern und Frauen ist ein komplexes Problem, das tief in den gesellschaftlichen Strukturen verwurzelt ist. Nur durch gemeinsame Anstrengungen von Politik, Gesellschaft und Wirtschaft kann eine gerechte Lösung gefunden werden.
Die Diskussion im Amtshaus in der Brigittenau ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber es bedarf noch vieler weiterer, um das Ziel der Gleichstellung zu erreichen. Die Worte von Ilse Fitzbauer, einer der Diskussionsteilnehmerinnen, geben Hoffnung: „Altersarmut muss man als junge Frau und mit Jungen bekämpfen.“