Ein Kunstereignis der besonderen Art erwartet die Besucher des mumok Museums in Wien: Die Künstlerin Kazuna Taguchi, die seit 2013 in der österreichischen Hauptstadt lebt, präsentiert ihre erste museale Einzelausstellung außerhalb Japans. Ihre Werke entführen die Betrachter in eine Welt zwischen Mal
Ein Kunstereignis der besonderen Art erwartet die Besucher des mumok Museums in Wien: Die Künstlerin Kazuna Taguchi, die seit 2013 in der österreichischen Hauptstadt lebt, präsentiert ihre erste museale Einzelausstellung außerhalb Japans. Ihre Werke entführen die Betrachter in eine Welt zwischen Malerei und Fotografie, in der Körperfragmente, Gesten und Blicke in der surrealistischen Tradition der Darstellung weiblicher Körper stehen.
Kazuna Taguchis Kunst ist geprägt von einem faszinierenden Spiel aus Erscheinung und Verschwinden. Ihre Bilder, zusammengesetzt aus unterschiedlichsten Quellen, durchdringen verschiedenste Zeitebenen und Erzählräume. Die Figuren, die sie erschafft, befinden sich in einem Schwebezustand, der Momente des Phantastischen heraufbeschwört. Diese Technik fesselt den Betrachter und lässt ihn in eine Traumwelt eintauchen, die sowohl vertraut als auch fremd erscheint.
Taguchi, geboren 1979 in Tokio, hat sich seit ihrer Übersiedlung nach Wien einen Namen in der internationalen Kunstszene gemacht. Ihre Werke entstehen am Übergang von Malerei und Fotografie und reflektieren die historischen Diskurse beider Medien. Dabei schöpft sie aus einem kollektiven Bildgedächtnis, das anonyme, massenmedial verbreitete Bilder, historische Kunstwerke und Fotografien aus ihrem privaten Umfeld vereint. Diese vielfältigen Einflüsse werden von der Künstlerin immer wieder neu überarbeitet, medial übersetzt und kombiniert.
Die Ausstellung im mumok ist in einer eigens entworfenen Architektur präsentiert, die an eine musikalische Partitur erinnert. Fünf kleine, in Serie geschaltete Raumkompartimente führen die Besucher durch zwei unterschiedliche Werkgruppen. Der Zyklus „The Eyes of Eurydice“, entstanden seit 2019, ist Taguchis umfangreichstes Werk. In Anlehnung an die mythologische Figur Eurydike, die von Orpheus nicht aus der Unterwelt befreit werden konnte, erscheinen weibliche Gesichter und Körperfragmente in unendlichen Grauabstufungen phantomhafter Natur.
Die Serie „In Anticipation“, 2025 entwickelt, bezieht sich auf die Spatial Concepts, Expectations des italienischen Malers Lucio Fontana. Fontanas revolutionärer Ansatz bestand darin, durch Schnitte in die Bildoberfläche eine Verbindung zwischen dem zweidimensionalen Bildraum und dem unendlichen Raum zu schaffen. Taguchi greift diese Idee auf und erforscht, was zwischen diesen Grenzen entstehen kann. Ihre Werke sind eine Hommage an Fontanas Visionen und ein Ausdruck ihrer eigenen künstlerischen Philosophie.
Heike Eipeldauer, die Kuratorin der Ausstellung, beschreibt die geisterhafte Distanz, die von Taguchis Fotografien ausgeht, als Zeugnis ihrer widerständigen Auseinandersetzung mit der Gegenwart. Diese ist geprägt von visuellen Rückkoppelungsschleifen und der ständigen Arbeit am digitalen „Selbst“. Taguchis Werke sind nicht nur Kunstwerke, sondern auch Reflexionen über die Art und Weise, wie wir Bilder wahrnehmen und interpretieren.
Die Ausstellung ist mehr als nur eine Präsentation von Kunstwerken. Sie ist ein Statement zur aktuellen Gesellschaft und ihren Herausforderungen. In einer Welt, die von digitalen Medien und visuellen Eindrücken geprägt ist, fordert Taguchi die Betrachter auf, innezuhalten und die Tiefe ihrer Werke zu erkunden. Die Ausstellung bietet einen Raum für Reflexion und Entdeckung, der sowohl intellektuell als auch emotional ansprechend ist.
Obwohl die feierliche Eröffnung aus Respekt vor den Opfern der schrecklichen Gewalttat in Graz abgesagt wurde, ist die Ausstellung ein Muss für Kunstliebhaber. Die Besucher haben die Möglichkeit, die Werke von Kazuna Taguchi in einer intimen und eindrucksvollen Umgebung zu erleben.
Die Ausstellung von Kazuna Taguchi im mumok ist nicht nur ein Highlight der Wiener Kunstszene, sondern auch ein Ausblick auf die Zukunft der Kunstwelt. Ihre Werke, die zwischen Malerei und Fotografie oszillieren, eröffnen neue Perspektiven und inspirieren Künstler und Kunstliebhaber gleichermaßen. Taguchis einzigartige Herangehensweise an die Kunst spiegelt die Komplexität und Vielfalt der modernen Gesellschaft wider und lädt dazu ein, die Grenzen des Bekannten zu überschreiten.
Für weitere Informationen zur Ausstellung und zur Künstlerin besuchen Sie die offizielle Webseite des mumok unter mumok.at.