Die österreichische Sozialpartnerschaft trauert um einen ihrer Großen. Am 25. Juni 2025 gab die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) den Tod von Rainer Wimmer bekannt, dem langjährigen Vorsitzenden der Produktionsgewerkschaft PRO-GE. Wimmer, der als harter, aber fairer Verhandler bekannt war, hinterlä
Die österreichische Sozialpartnerschaft trauert um einen ihrer Großen. Am 25. Juni 2025 gab die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) den Tod von Rainer Wimmer bekannt, dem langjährigen Vorsitzenden der Produktionsgewerkschaft PRO-GE. Wimmer, der als harter, aber fairer Verhandler bekannt war, hinterlässt eine Lücke, die schwer zu füllen sein wird. Doch wer war dieser Mann, der die Verhandlungen der Industriekollektivverträge über ein Jahrzehnt lang prägte?
Rainer Wimmer, der am 24. Juni 2025 nach kurzer, schwerer Krankheit verstarb, war mehr als nur ein Gewerkschafter. Er war eine treibende Kraft in der österreichischen Industriepolitik und ein geschickter Verhandler, der stets die Interessen der Arbeitnehmer im Blick hatte. Als erster Bundesvorsitzender der 2009 gegründeten Produktionsgewerkschaft PRO-GE setzte er sich unermüdlich für faire Arbeitsbedingungen ein.
Die Gründung der PRO-GE im November 2009 markierte einen Wendepunkt in der österreichischen Gewerkschaftslandschaft. Diese Gewerkschaft entstand aus dem Zusammenschluss mehrerer kleinerer Gewerkschaften und bot den Arbeitnehmern der Metall- und Produktionsbranchen eine stärkere Stimme. Unter Wimmers Führung nahm PRO-GE eine zentrale Rolle in den jährlichen Kollektivvertragsverhandlungen ein, die oft die Weichen für die gesamte Industrie stellten.
Wimmer war bekannt für seine Fähigkeit, auch in den härtesten Verhandlungen einen kühlen Kopf zu bewahren. Seine Handschlagqualität und sein Gespür für den richtigen Zeitpunkt, um einen Kompromiss zu erzielen, waren legendär. „Rainer Wimmer war ein harter Verhandler, aber stets fair“, erinnern sich seine langjährigen Verhandlungspartner. Besonders in den Kollektivvertragsverhandlungen der Metallindustrie, die oft als besonders anspruchsvoll gelten, zeigte sich sein Verhandlungsgeschick.
Unter Wimmers Leitung wurde das sogenannte Zeitkontenmodell entwickelt, das eine flexible Arbeitszeitgestaltung ermöglichte. Dieses Modell war ein Meilenstein in der Weiterentwicklung der Flexibilisierungsbestimmungen und brachte sowohl den Arbeitnehmern als auch den Unternehmen Vorteile. Es erlaubte eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben für die Beschäftigten und half den Unternehmen, auf konjunkturelle Schwankungen zu reagieren.
Die österreichische Sozialpartnerschaft ist ein einzigartiges System der Zusammenarbeit zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretern. Sie spielt eine zentrale Rolle in der Gestaltung der wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen des Landes. Wimmer war ein überzeugter Verfechter dieses Systems und trug maßgeblich zu dessen Erfolg bei.
Um die Bedeutung der Sozialpartnerschaft zu verstehen, lohnt ein Blick in die Geschichte. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Österreich bestrebt, ein System zu schaffen, das wirtschaftliche Stabilität und sozialen Frieden gewährleistet. Die Sozialpartnerschaft, die auf Konsens und Kompromiss setzt, wurde zu einem Eckpfeiler dieser Strategie. Im Laufe der Jahre hat sie sich als effektives Mittel zur Konfliktlösung und zur Förderung des sozialen Zusammenhalts erwiesen.
Wimmers Einfluss auf die österreichische Industriepolitik ist nicht zu unterschätzen. Seine Fähigkeit, in schwierigen Zeiten pragmatische Lösungen zu finden, half der Industrie, Krisen zu überstehen und gestärkt daraus hervorzugehen. Ein Beispiel dafür ist sein Einsatz während der Corona-Pandemie, als er maßgeblich an der Erarbeitung von Maßnahmen beteiligt war, die Arbeitsplätze sicherten und die wirtschaftliche Stabilität förderten.
Abseits der Verhandlungen setzte sich Wimmer als Industriesprecher der SPÖ im Parlament für eine gesicherte Gasversorgung ein. Diese war insbesondere während der Energiekrisen von entscheidender Bedeutung. Seine Bemühungen trugen dazu bei, die Energieversorgung für Industrie und Haushalte zu stabilisieren und die Abhängigkeit von unsicheren Energiequellen zu reduzieren.
Der Tod von Rainer Wimmer wirft Fragen über die Zukunft der Sozialpartnerschaft auf. Wer wird seine Rolle übernehmen? Wie wird sich die Dynamik der Kollektivvertragsverhandlungen verändern? Experten sind sich einig, dass Wimmers Nachfolger vor großen Herausforderungen stehen wird. „Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ändern sich ständig, und es wird entscheidend sein, dass die Sozialpartnerschaft auch in Zukunft handlungsfähig bleibt“, sagt ein Experte.
Die Gewerkschaften stehen vor der Aufgabe, sich an die sich verändernden Bedingungen anzupassen. Dies erfordert nicht nur Verhandlungsgeschick, sondern auch Innovationsbereitschaft und die Fähigkeit, neue Lösungsansätze zu entwickeln. Die Herausforderungen der Digitalisierung und der Klimakrise werden in den kommenden Jahren eine zentrale Rolle spielen.
Die Trauer um Rainer Wimmer ist groß. Sein Tod ist ein Verlust für die gesamte österreichische Gewerkschaftsbewegung. Doch sein Vermächtnis lebt weiter. Die von ihm initiierten Reformen und seine unermüdliche Arbeit für die Arbeitnehmer werden auch in Zukunft Bestand haben. „Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Familie, seinen Weggefährten sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der österreichischen Gewerkschaftsbewegung“, so die Worte der WKÖ.
Rainer Wimmer wird als einer der Großen der österreichischen Sozialpartnerschaft in Erinnerung bleiben. Sein Lebenswerk ist ein eindrucksvolles Zeugnis für die Kraft des Dialogs und des Kompromisses in einer Zeit, die oft von Konflikten geprägt ist. Möge er in Frieden ruhen.