Inmitten der malerischen Landschaft der Buckligen Welt, im Dreiländereck Niederösterreich, Burgenland und Steiermark, liegt das beschauliche Hochneukirchen-Gschaidt. Ein Ort, der auf den ersten Blick so friedlich wirkt, dass man kaum glauben mag, dass er einst vor einem kulturellen Desaster stand: d
Inmitten der malerischen Landschaft der Buckligen Welt, im Dreiländereck Niederösterreich, Burgenland und Steiermark, liegt das beschauliche Hochneukirchen-Gschaidt. Ein Ort, der auf den ersten Blick so friedlich wirkt, dass man kaum glauben mag, dass er einst vor einem kulturellen Desaster stand: dem Verlust seines letzten Wirtshauses. Doch die Bewohner haben es geschafft, gegen alle Widrigkeiten ein neues Kapitel zu schreiben – ein Kapitel, das nicht nur die Gemeinschaft stärkte, sondern auch eine Blaupause für andere Gemeinden darstellt.
Mit etwa 1600 Einwohnern schien Hochneukirchen-Gschaidt immer ein Ort zu sein, der seine Traditionen lebte. Doch kurz vor der Pandemie, als der letzte Pächter des Gemeindewirtshauses seinen Schlüssel abgab, schien es, als würde ein Stück der Identität des Ortes verloren gehen. Ein Wirtshaus ist nicht nur ein Ort, an dem man isst und trinkt. Es ist ein sozialer Knotenpunkt, ein Ort der Begegnung und der Kultur.
In Österreich haben Wirtshäuser eine lange Tradition. Sie sind nicht nur Orte des Genusses, sondern auch Zentren des sozialen Lebens. Historisch gesehen waren sie oft die Orte, an denen wichtige Entscheidungen getroffen wurden, wo man Neuigkeiten austauschte und Gemeinschaft pflegte. Der Verlust eines solchen Ortes kann daher weitreichende Folgen für die soziale Struktur eines Dorfes haben.
Doch Hochneukirchen-Gschaidt wäre nicht Hochneukirchen-Gschaidt, wenn es nicht eine kreative Lösung gefunden hätte. Mit Unterstützung von Bürgermeister Thomas Heissenberger und professioneller Prozessbegleitung entstand die Idee einer Genossenschaft. Die Bürger selbst wurden die Betreiber ihres Wirtshauses.
Eine Genossenschaft ist eine Vereinigung von Personen, die sich freiwillig zusammengeschlossen haben, um gemeinsame wirtschaftliche, soziale oder kulturelle Bedürfnisse zu erfüllen. Dabei stehen demokratische Prinzipien im Vordergrund: Jedes Mitglied hat eine Stimme, unabhängig von der Höhe seiner finanziellen Beteiligung.
Diese Struktur stellte sicher, dass das Wirtshaus „s’Hutwisch“ nicht nur ein wirtschaftlicher Erfolg wurde, sondern auch ein kultureller und sozialer Anker der Gemeinde blieb.
Bürgermeister Heissenberger übernahm eine Doppelrolle, indem er sowohl als Bürgermeister als auch als Obmann der Genossenschaft agierte. Diese Position ermöglichte es ihm, die Interessen der Gemeinde effektiv mit denen der Genossenschaft zu verknüpfen. „Der Betrieb eines Wirtshauses ist nicht Gemeindesache“, sagte Heissenberger, „aber die Unterstützung der Bürger ist es.“
Der wirtschaftliche Erfolg des Wirtshauses basiert auf einer klaren Trennung der Aufgaben. Die Gemeinde fungierte als Vermieter, während die Genossenschaft als Pächter die operativen Entscheidungen traf. Diese klare Rollenverteilung minimierte Konflikte und schuf eine solide Basis für den Erfolg.
Das Projekt in Hochneukirchen-Gschaidt könnte als Vorbild für andere Gemeinden dienen, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Die Kombination aus bürgerlichem Engagement und professioneller Unterstützung hat gezeigt, dass auch kleine Gemeinden große Erfolge erzielen können, wenn sie zusammenhalten.
Ein fiktiver Experte für ländliche Entwicklung kommentiert: „Dieses Projekt zeigt, wie wichtig es ist, dass Gemeinden sich selbst ermächtigen. Die Genossenschaft ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie kollektives Handeln das soziale Gefüge stärken kann.“
In vielen anderen Regionen Österreichs stehen Wirtshäuser vor dem Aus. Steigende Betriebskosten, der Mangel an qualifiziertem Personal und die Konkurrenz durch größere Gastronomiebetriebe setzen den traditionellen Gasthäusern zu. Doch die Genossenschaft in Hochneukirchen-Gschaidt zeigt, dass es Alternativen gibt.
„s’Hutwisch“ ist mehr als nur ein Ort zum Essen. Es ist ein Ort des Austauschs und der Begegnung. Hier werden Geburtstage, Taufen und Erstkommunionen gefeiert. Es ist ein Ort, an dem Traditionen gelebt und weitergegeben werden.
Hochneukirchen-Gschaidt hat mit der Gründung der Genossenschaft ein Zeichen gesetzt. Ein Zeichen dafür, dass Gemeinschaft und Zusammenhalt auch in schwierigen Zeiten Lösungen bieten können. Für die Zukunft plant die Gemeinde, dieses Modell weiter auszubauen und möglicherweise auch auf andere Bereiche zu übertragen. „Wir haben gezeigt, dass wir nicht nur reden, sondern auch handeln können“, so Bürgermeister Heissenberger.
Weitere Informationen und die vollständige Geschichte finden Sie im Originalartikel des Österreichischen Gemeindebundes.