VÖPE präsentiert Lösungsansätze für Baubranche und Bodenschutz
Vorfertigung wird zur Notwendigkeit, Bodenschutz beginnt bei kompakter Stadtplanung - VÖPE zeigt Wege für nachhaltige Projektentwicklung auf.
Die österreichische Baubranche steht vor grundlegenden Herausforderungen: Fachkräftemangel, steigende Umweltanforderungen und die Debatte um Bodenversiegelung prägen die Diskussion. Die VÖPE – Vereinigung Österreichischer Projektentwickler – hat nun konkrete Lösungsansätze präsentiert, die zeigen sollen, wie die Branche diesen Herausforderungen begegnen kann.
"Vorfertigung beim Bauen wird zur ökonomischen und ökologischen Notwendigkeit", betonte Roman Fritz-Salamon, Direktionsleitung Integrative Hochbau Gewerke bei der STRABAG AG und Vertreter des VÖPE-Ausschusses Bauen, bei einem Pressegespräch in Wien. Die Verlagerung der Wertschöpfung von der Baustelle in Industrieproduktionen ermögliche es, fertige Bauteile schnell und mit minimalen Emissionen zusammenzubauen.
Diese Entwicklung sei nicht nur eine Antwort auf den Fachkräftemangel, sondern auch auf die Notwendigkeit kürzerer Realisierungszeiten und verstärkten Umweltschutzes. "Das System der Vorfertigung sollte in die gesamte Wertschöpfungskette eingebunden werden, so dass Standards geschaffen werden und der Bauprozess entsprechend angepasst werden kann", so Fritz-Salamon.
Die VÖPE identifiziert mehrere wesentliche Entwicklungsfelder für die Zukunft der Baubranche:
Dabei betont Fritz-Salamon, dass trotz Vorfertigung eine flexible Architektur möglich bleiben müsse. "Wir reden nicht von einer Serienfertigung", stellt er klar. Das Ziel sei vielmehr eine schnellere Realisierung, bessere Arbeitsumgebungen und eine Steigerung von Leistungsfähigkeit und Effizienz.
Ein weiterer zentraler Punkt der VÖPE-Präsentation war das Thema Bodenversiegelung. Sabine Müller, VÖPE-Vorständin und Vorständin der Wien 3420 Development AG, die aktuell die Seestadt Aspern entwickelt, präsentierte die Arbeit des VÖPE-Ausschusses Nachhaltigkeit zu diesem kontrovers diskutierten Thema.
"Die Debatte über Bodenversiegelung braucht Klarheit statt Schlagworte", betonte Müller. Der Ausschuss habe sich der Versachlichung des Themas angenommen, da Begriffe wie "Bodenversiegelung", "Flächenverbrauch" oder "Bebauungspotenzial" oft unterschiedlich interpretiert und verwendet würden.
Um eine gemeinsame Grundlage zu schaffen, hat der VÖPE-Ausschuss Nachhaltigkeit ein umfassendes Glossar mit 99 Begriffen von A wie Acker-Grünland bis Z wie Zwischennutzung erarbeitet. Dieses soll helfen, bekannte Begrifflichkeiten in Erinnerung zu rufen und neue, möglicherweise unbekannte oder unklar verwendete Begrifflichkeiten klar zu definieren.
Die VÖPE identifiziert drei wesentliche Handlungsfelder:
"Wir Projektentwickler gestalten die Strukturen unserer Lebensräume maßgeblich mit", erklärte VÖPE-Präsident Andreas Köttl. "Mit jeder Quartiersentwicklung, jedem Wohn- oder Gewerbeprojekt werden langfristige Weichen für räumliche, soziale, wirtschaftliche und ökologische Entwicklungen gestellt."
Die Verantwortung gehe dabei weit über Bebauungsdichte, Nutzungsmischung, Freiraumgestaltung und Erschließung hinaus. Bauweise, Energieeffizienz und Flächennutzung beeinflussten maßgeblich den ökologischen Fußabdruck von Projekten.
Die VÖPE arbeitet in fünf Ausschüssen an Lösungen für drängende Branchenthemen: Bauen, Corporate Strategy, Nachhaltigkeit, Recht und Finanzierung sowie Wohnen. Diese Gremien, die mehrmals pro Jahr tagen, sind breit repräsentiert, multidiszipliniert zusammengesetzt und divers besetzt.
"In den fünf VÖPE-Ausschüssen sitzen die besten Köpfe der Branche und arbeiten faktenbasiert und zukunftsorientiert an Lösungen", so Köttl. Die Ergebnisse würden nicht nur in die Mitgliedsunternehmen getragen, sondern auch an politische Entscheidungsträger herangetragen.
Als Beispiel für erfolgreiche Lobbyarbeit nannte Köttl die jüngste Ankündigung der Bundesregierung, UVP-Verfahren zu vereinfachen. "Dafür haben wir uns viele Jahre eingesetzt", betonte der VÖPE-Präsident. Dies zeige, dass die faktenbasierte Arbeit der Ausschüsse auch in der Politik Gehör finde.
Die Vereinigung sieht sich als wichtigen Akteur in der Gestaltung der österreichischen Bau- und Immobilienlandschaft. Durch die Expertise ihrer Mitgliedsunternehmen und die strukturierte Arbeit in den Ausschüssen will die VÖPE weiterhin praxisnahe Lösungen für die Herausforderungen der Branche entwickeln.
"Entscheidend ist nicht nur, wie viel gebaut wird, sondern wie und wo", fasste Sabine Müller die Position der VÖPE zusammen. "Wachstum muss kompakt gebündelt werden – denn nur eine kompakte Stadt ist eine nachhaltige Stadt."
Mit diesem Ansatz positioniert sich die Vereinigung klar in der Debatte um nachhaltiges Bauen und Stadtentwicklung. Die präsentierten Lösungsansätze zeigen, dass die österreichische Projektentwicklungsbranche bereit ist, Verantwortung für eine nachhaltige Zukunft zu übernehmen und dabei gleichzeitig wirtschaftlich erfolgreich zu bleiben.