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80 Jahre MA 48: Vom Kriegsschutt zur modernen Abfallwirtschaft

Wiener Müllabfuhr feiert Jubiläum mit stolzer Klimabilanz

5. März 2026 um 12:11
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Die MA 48 wird 80 Jahre alt. Aus dem Trümmerräumer von 1946 wurde Europas Vorreiter in der Abfallwirtschaft.

Am 1. März 1946 begann die Geschichte einer der bekanntesten Wiener Magistratsabteilungen: Die MA 48 startete ihre Arbeit für ein sauberes Wien. Was damals mit der mühsamen Beseitigung von Kriegsschutt begann, hat sich zu einem europäischen Vorzeigeprojekt in der Abfallwirtschaft entwickelt. Heute feiert die "48er" ihr 80-jähriges Bestehen – und kann auf eine beeindruckende Erfolgsgeschichte zurückblicken.

Von den Trümmern des Krieges zur modernen Kreislaufwirtschaft

Die Anfänge der MA 48 waren geprägt von enormen Herausforderungen. Wien lag 1946 buchstäblich in Trümmern, und die erste große Aufgabe bestand darin, rund 850.000 Kubikmeter Kriegsschutt zerbombter Gebäude und etwa 200.000 Kubikmeter Mist von den Straßen zu räumen. Die Müllabfuhr war in den letzten Kriegsjahren völlig zum Erliegen gekommen, und die Infrastruktur für Straßenreinigung und Müllbeseitigung war praktisch nicht vorhanden.

"Die Ausgangssituation war dramatisch", erklärt Josef Thon, der heutige Abteilungsleiter der MA 48. "Nur elf Fahrzeuge waren damals einsatzbereit, alle drei Großgaragen waren beschädigt oder besetzt, zahlreiche Mistkübel, Krampen und Schaufeln zerstört. Von Anfang an waren Improvisationsgabe und Innovationstalent gefragt."

Unter Bürgermeister Theodor Körner wurde die "Magistratsabteilung 48 - Fuhrwerksbetrieb und Straßenpflege" gegründet. Bereits damals war die Abteilung für Müllabfuhr, Straßenreinigung, Winterdienst, öffentliche Toiletten und den städtischen Fuhrpark verantwortlich. Mit den Jahren kamen kontinuierlich neue Aufgaben hinzu: Fahrzeugbeschaffung für den gesamten Magistrat, Abfallberatung, Abfallverwertung, Abfallbehandlung, Abschleppdienst, WasteWatcher und das Zentrale Fundservice.

Klimaschutz durch intelligente Abfallwirtschaft

Heute ist Wien stolz auf seine Abfallwirtschaft, die als europäisches Vorbild gilt. "Diese intelligente und klimafreundliche Abfallwirtschaft spart in Wien jährlich rund 330.000 Tonnen CO2 ein, das kann sich sehen lassen", betont Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky. Die Stadt hat die gesamte Entsorgungskette in ihrer Hand und kümmert sich um das Müllaufkommen aus den Haushalten selbst – und das innerhalb der Stadtgrenzen.

Das System reicht von der Sammlung von Restmüll und Altstoffen über die thermische Verwertung bis zur Aufbereitung, Kompostierung und Deponierung der Verbrennungsrückstände. Die thermische Abfallverwertung erfolgt in drei Müllverbrennungsanlagen, die Energie und Strom für die Wienerinnen und Wiener erzeugen. In der Lobau steht Europas größtes Kompostwerk, die Deponie Rautenweg gilt als Vorbild in Sachen Klimaschutz, und eine Biogasanlage produziert umweltfreundliches Biogas.

"Die Wienerinnen und Wiener können sicher sein, dass die 48er aus ihren Abfällen das Beste macht", erklärt Czernohorszky. Für die Zukunft setzt die Stadt auf Kreislaufwirtschaft und "Zero Waste" – mit dem Ziel, möglichst alle Ressourcen aus den Abfällen im Kreislauf zu führen, damit im besten Fall nichts mehr übrigbleibt.

Vom "Mistbuam" zum beliebten 48er

Bemerkenswert ist auch der Imagewandel, den die Müllabfuhr in den vergangenen Jahrzehnten durchlaufen hat. Waren die Mitarbeiter vor 80 Jahren noch möglichst unsichtbar und mit negativem Image behaftet, prägen die 48er heute das Wiener Stadtbild mit ihrer Arbeit, ihrem charakteristischen Orange und ihrem typischen Wiener Schmäh.

"Meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind stolz, bei der 48er zu arbeiten", betont Abteilungsleiter Thon. "Und ohne das Mittun der Wienerinnen und Wiener ginge ohnehin nichts. Danke für die gemeinsame Arbeit beim Mülltrennen und bei der Sauberkeit!"

Bürgermeister Michael Ludwig hebt die Bedeutung des Teams hervor: "Das Erfolgsmodell für ein sauberes, lebenswertes Wien ist seit damals Teamarbeit, Flexibilität und Innovation. Bis heute leisten die rund 3.100 48er-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter einen wesentlichen Beitrag für eine saubere Stadt und damit für hohe Lebensqualität. Sauberkeit, gutes Abfallmanagement und Sicherheit gehen dabei Hand in Hand."

Vielfältige Aufgaben und moderner Service

Die heutige MA 48 ist weit mehr als nur Müllabfuhr. Mit rund 3.100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zählt sie zu den größten Magistratsabteilungen der Bundeshauptstadt. Das Spektrum der Tätigkeiten ist beeindruckend breit: Von Müllauflegern und Straßenkehrern über Lenker und WasteWatcher bis hin zu Mitarbeitern in Werkstätten, Abfallbehandlungsanlagen, der Abschleppgruppe und dem Fundservice.

Moderne kundenfreundliche Mistplätze, neue WC-Anlagen, die WasteWatcher, der 48er-Tandler und viele weitere Services runden das Angebot ab. Das Sauberkeitsangebot der Stadt umfasst 475.000 Restmüll- und Altstoffbehälter, 21.000 Papierkörbe, 3.900 Hundekotsackerlspender, 1.200 freistehende Aschenrohre, 13 Mistplätze und 4.400 öffentliche Standorte für die getrennte Sammlung.

Innovation und Zukunftsorientierung

Die Wiener Abfallwirtschaft gilt europaweit als Vorreiter und Aushängeschild. Neben den klassischen Aufgaben betreibt die MA 48 heute eine Biogasanlage, die Deponie Rautenweg und ist für den gesamten Fuhrpark der Stadt Wien verantwortlich. Der 48er-Tandler, die Abfallberatung und das Zentrale Fundservice zeigen, wie vielfältig die Dienstleistungen geworden sind.

Die orangen 48er leisten mit ihrem breiten Leistungsportfolio einen wichtigen Beitrag zu Klimaschutz, Kreislaufwirtschaft und Daseinsvorsorge. Von der einfachen Müllentsorgung in Ziegelgruben der Nachkriegszeit hat sich die Abteilung zu einem hochmodernen Dienstleister entwickelt, der Ressourcenschonung und getrennte Müllsammlung genauso im Fokus hat wie innovative Recycling-Methoden.

Blick in die Zukunft

Nach 80 Jahren erfolgreicher Arbeit blickt die MA 48 optimistisch in die Zukunft. Die Herausforderungen haben sich gewandelt: Statt Kriegsschutt zu beseitigen, geht es heute um Klimaschutz, Ressourcenschonung und die Umsetzung der Kreislaufwirtschaft. Die Vision "Zero Waste" – bei der möglichst alle Ressourcen aus den Abfällen im Kreislauf geführt werden – ist das große Ziel für die kommenden Jahre.

"Wir packen an" – dieser Slogan, mit dem die MA 48 ihr Jubiläum feiert, zeigt, dass der Grundgedanke seit der Gründung 1946 unverändert geblieben ist. Ob beim Wegräumen von Kriegsschutt oder bei der modernen Abfallwirtschaft: Die Wiener 48er stehen für Anpacken, Innovation und Servicebewusstsein.

Die Geschichte der MA 48 ist auch eine Geschichte Wiens selbst – vom zerstörten Nachkriegs-Wien zur modernen, lebenswerten Millionenstadt. Dass Wien heute regelmäßig als eine der lebenswertesten Städte der Welt ausgezeichnet wird, ist auch ein Verdienst der 48er, die täglich für Sauberkeit und Ordnung sorgen. In den nächsten 80 Jahren werden neue Herausforderungen warten – die 48er sind bereit, sie anzupacken.

Schlagworte

#MA 48#Wien#Abfallwirtschaft#Klimaschutz#Kreislaufwirtschaft

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