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Niederösterreichs Landesrätinnen feiern 115 Jahre Frauentag

Teschl-Hofmeister und Prischl setzen auf Selbstbestimmung und Sicherheit

5. März 2026 um 13:42
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Zum Internationalen Frauentag betonen zwei NÖ-Landesrätinnen die Bedeutung wirtschaftlicher Unabhängigkeit und digitaler Herausforderungen.

Am 8. März 2024 begingen Millionen von Frauen weltweit den Internationalen Frauentag. In Niederösterreich nahmen die Landesrätinnen Christiane Teschl-Hofmeister und Eva Prischl diesen Anlass zum Anlass, um bei einer Pressekonferenz im Landhaus St. Pölten auf wichtige Meilensteine der Gleichberechtigung zurückzublicken und aktuelle Herausforderungen zu beleuchten.

Zwei bedeutende Jubiläen prägen das Jahr 2024

"Wir blicken auf zwei Jubiläen zurück, die viel mit den Rechten der Frauen zu tun haben", erklärte Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister zu Beginn der Pressekonferenz. Zum einen feiert der Internationale Frauentag sein 115-jähriges Bestehen, zum anderen jährt sich die wegweisende Familienrechtsreform zum 50. Mal.

Diese Reform von 1974 markierte einen fundamentalen Wandel in der österreichischen Rechtsprechung. Erstmals wurden Frauen rechtlich gleichgestellt und das Partnerschaftlichkeitsprinzip in der Ehe eingeführt. "Diese Familienrechtsreform hat die Lebensrealität vieler Frauen grundlegend verändert", betonte Teschl-Hofmeister. Dennoch bleibe der Wunsch nach Selbstbestimmung, Sicherheit und größerem Handlungsspielraum für viele Frauen weiterhin aktuell.

"Frauenrecht auf Selbstbestimmung" als Leitmotiv

Anlässlich der beiden Jubiläen hat das Land Niederösterreich das Jahr 2024 unter ein besonderes Motto gestellt: "Frauenrecht auf Selbstbestimmung". Dieses Leitmotiv soll den Fokus auf Respekt und die Reduzierung finanzieller sowie wirtschaftlicher Abhängigkeiten lenken.

Die Statistiken verdeutlichen den gesellschaftlichen Wandel der vergangenen fünf Jahrzehnte eindrucksvoll: Während 1975 noch 586 Eheschließungen in Niederösterreich verzeichnet wurden, waren es 2024 nur noch 503. Auch die Geburtenrate hat sich dramatisch verändert: Bekamen Frauen in den 1970er Jahren durchschnittlich 2,3 Kinder, sind es heute nur noch 1,3. Gleichzeitig stieg das Durchschnittsalter bei der ersten Geburt von 23 auf 30 Jahre.

Konkrete Unterstützungsmaßnahmen des Landes

Niederösterreich setzt auf verschiedene Initiativen, um Frauen in ihrer Selbstständigkeit zu stärken. Teschl-Hofmeister verwies auf konkrete Projekte wie die "Geldheldinnen"-Initiative, den Zukunftsfonds LEA und den Finanzführerschein. Diese Programme zielen darauf ab, Frauen finanzielle Bildung zu vermitteln und ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit zu fördern.

Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Präventionsarbeit. Die kürzlich gestartete Kampagne "Check den Respekt" macht auf digitale Radikalisierung und die sogenannte "Manosphere" aufmerksam – ein Phänomen, das traditionelle Geschlechterrollen verstärkt und Frauen diskriminiert.

Tabuthemen ansprechen

Auch bisher tabuisierte Themen wie die Menopause rücken verstärkt in den Fokus. Spezielle Veranstaltungsreihen sollen Frauen informieren und ihnen Unterstützung bieten. "Gleichstellung ist kein Selbstläufer", mahnte Teschl-Hofmeister und betonte, dass Töchter die gleichen Chancen und Rechte haben müssten wie Söhne.

Digitale Herausforderungen im Fokus

Landesrätin Eva Prischl stellte die aktuellen Herausforderungen der Digitalisierung in den Mittelpunkt ihrer Ausführungen. "115 Jahre Internationaler Frauentag bedeutet 115 Jahre Kampf der Frauen für Engagement, für Mut, für Ausdauer", erklärte sie. Gleichstellung sei kein einmaliger Erfolg, sondern müsse täglich neu verteidigt und weiterentwickelt werden.

Besonders problematisch sieht Prischl die Verfestigung alter Rollenbilder in digitalen Algorithmen: "Wenn sich alte Rollenbilder und Vorurteile in Algorithmen einschleichen, wird die Diskriminierung digital verlängert." Diese neue Form der Benachteiligung erfordere verstärkte Aufmerksamkeit und Gegenmaßnahmen.

Sicherheit durch wirtschaftliche Unabhängigkeit

"Für mich bedeutet Frauenpolitik vor allem eines: Sicherheit. Und Sicherheit ist wirtschaftliche Unabhängigkeit", fasste Prischl ihre politische Philosophie zusammen. Um dieses Ziel zu erreichen, müsse die Lohnschere zwischen Männern und Frauen weiter geschlossen werden.

Prischl verwies dabei auf das berühmte Zitat der früheren Frauenministerin Johanna Dohnal: "Wir brauchen keine weibliche Zukunft, sondern eine menschliche." Diese Vision einer gerechten Gesellschaft für alle Menschen unabhängig vom Geschlecht bleibe weiterhin aktuell.

Gewaltschutz als gesellschaftliche Aufgabe

Ein zentraler Baustein der niederösterreichischen Frauenpolitik ist der Schutz vor Gewalt. Der Nationale Aktionsplan gegen Gewalt an Frauen setzt verstärkt auf Prävention. Das Prinzip "Nur Ja heißt Ja!" und der Ausbau von Gewaltambulanzen sind wichtige Säulen dieser Strategie.

Die Zahlen unterstreichen die Notwendigkeit dieser Maßnahmen: 194 Frauen und 195 Kinder fanden im Vorjahr in den sechs niederösterreichischen Frauenhäusern Schutz. Zusätzlich konnten 24 Frauen und 27 Kinder in Übergangswohnungen Sicherheit finden. "Der Auftrag ist klar: Jede Frau, die Schutz sucht, muss ihn auch bekommen", betonte Prischl.

Frauengesundheit im Wandel

Ein weiterer wichtiger Aspekt der modernen Frauenpolitik ist die Gesundheitsversorgung. "Frauen wurden in der Medizin und in der Forschung viel zu lange nur mitgedacht, statt mitgemeint", kritisierte Prischl. Initiativen wie Viedonna, die sich für eigene Frauenprimärversorgungseinheiten einsetzt, zeigten die Bedeutung spezialisierter Angebote.

Das Land führt bereits Gespräche mit der Österreichischen Gesundheitskasse, um die Versorgung zu verbessern. Ziel ist es, frauenspezifische Gesundheitsbedürfnisse besser zu berücksichtigen und entsprechende Behandlungsangebote zu schaffen.

Beratungsstellen als wichtige Stützen

Elisabeth Cinatl, Vorsitzende des Netzwerks österreichischer Frauen- und Mädchenberatungsstellen, ergänzte die politischen Ausführungen um praktische Erfahrungen. Sie würdigte die Familienrechtsreform als Meilenstein, mahnte aber gleichzeitig: "Dennoch haben wir die Gleichstellung noch nicht erreicht."

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Frauen leisten 43 Prozent mehr Sorgearbeit als Männer, nur 16 Prozent der Väter gehen in Karenz. Diese ungleiche Verteilung von Care-Arbeit hat weitreichende Folgen für die finanzielle Situation von Frauen.

Altersarmut als weibliches Phänomen

Besonders dramatisch zeigt sich die Ungleichheit bei der Altersversorgung: Jede fünfte Frau ab 65 Jahren ist von Altersarmut oder Armutsgefährdung betroffen. Diese Situation entsteht hauptsächlich durch Teilzeitarbeit oder Erwerbsunterbrechungen, die oft der Kinderbetreuung oder Pflege von Angehörigen geschuldet sind.

Die Beratungsstellen spielen eine wichtige Rolle dabei, Frauen über ihre Rechte aufzuklären und sie bei der Durchsetzung ihrer Ansprüche zu unterstützen. Sie bieten nicht nur rechtliche Beratung, sondern auch psychosoziale Unterstützung in schwierigen Lebenssituationen.

Ausblick: Mut zur Unabhängigkeit

"Gleichstellung ist kein Luxus, sie ist eine Frage der Gerechtigkeit", fasste Landesrätin Prischl die Bedeutung der aktuellen Herausforderungen zusammen. Ihr Appell richtet sich direkt an die Frauen: "Es ist mir wichtig, Frauen Mut zu machen, Mut, unabhängig zu sein."

Der Weg zur vollständigen Gleichberechtigung ist noch nicht beendet. Die beiden Jubiläen – 115 Jahre Internationaler Frauentag und 50 Jahre Familienrechtsreform – zeigen sowohl die bereits erreichten Fortschritte als auch die noch bestehenden Herausforderungen auf.

Niederösterreich setzt dabei auf einen ganzheitlichen Ansatz: Von der frühkindlichen Bildung über berufliche Förderung bis hin zum Schutz vor Gewalt und einer besseren Gesundheitsversorgung. Das Ziel bleibt eine Gesellschaft, in der alle Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht die gleichen Chancen und Rechte haben.

Die Arbeit geht weiter – jeden Tag aufs Neue, wie die beiden Landesrätinnen betonten. Denn Gleichberechtigung ist ein fortlaufender Prozess, der die Aufmerksamkeit und das Engagement der gesamten Gesellschaft erfordert.

Schlagworte

#Frauentag#Niederösterreich#Gleichberechtigung#Teschl-Hofmeister#Prischl

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