Evaluierungsbericht zeigt: Förderung wirkt, aber Mittel werden knapp
Der Digitaltransformationsfonds unterstützt österreichische Medien erfolgreich beim digitalen Wandel, doch das Budget ist fast erschöpft.
Die österreichische Medienlandschaft befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Während traditionelle Werbeerlöse schwinden, müssen Verlage gleichzeitig in digitale Angebote investieren, um ihre Zukunft zu sichern. Ein aktueller Evaluierungsbericht des Berliner Beratungsunternehmens Goldmedia, der heute von der RTR Medien präsentiert wurde, zeigt nun: Der Fonds zur Förderung der digitalen Transformation leistet dabei wichtige Unterstützung – doch die verfügbaren Mittel drohen auszugehen.
Der Evaluierungsbericht dokumentiert deutliche Erfolge des Digitaltransformationsfonds. Viele österreichische Medienhäuser konnten mit Hilfe der Förderung ihre digitalen Reichweiten ausbauen und neue Abo-Angebote entwickeln. Besonders bemerkenswert: Die Fördergelder haben als Anreiz gewirkt und mehr als das Doppelte an privaten Investitionen in technologische Weiterentwicklungen ausgelöst.
"Die Anreizförderung und Projektförderung aus dem Digitaltransformationsfonds haben mehr als das Doppelte an Investitionen in technologische Weiterentwicklungen vonseiten der privaten Medienhäuser ausgelöst", erklärt Maximilian Dasch, Präsident des Verbands Österreichischer Zeitungen (VÖZ). Dieser Multiplikatoreffekt zeigt, wie staatliche Förderung private Initiative verstärken kann.
Gleichzeitig macht der Bericht ein fundamentales Problem sichtbar: das Marktversagen im Digitalbereich, das durch große Technologiekonzerne verursacht wird. Obwohl die Digitalabo-Umsätze der österreichischen Medien steigen, können sie die dramatischen Rückgänge im traditionellen Werbegeschäft bei weitem nicht kompensieren.
"Die Studie von Goldmedia dokumentiert einmal mehr eindrucksvoll das bestehende Marktversagen im Digitalbereich, das durch die großen Big-Tech-Unternehmen entstanden ist", betont Dasch. Diese Konzerne dominieren den digitalen Werbemarkt und entziehen lokalen Medien wichtige Einnahmequellen.
Der Digitaltransformationsfonds trägt wesentlich zur Stabilisierung des österreichischen Medienstandorts bei. Konkret werden Arbeitsplätze für Journalistinnen und Journalisten erhalten und Medienhäuser dabei unterstützt, schnell auf den Innovationsdruck zu reagieren. Dies ist besonders wichtig für die Bewahrung der heimischen Titel- und Medienvielfalt.
Die Förderung hilft Verlagen verlegerischer Herkunft dabei, ihre Geschäftsmodelle nachhaltig zu transformieren. In einer Zeit, in der sich Medienkonsum und -nutzung fundamental ändern, ist diese Unterstützung für viele Unternehmen überlebenswichtig.
Doch der Erfolg des Programms führt zu einem Problem: Der Fonds ist deutlich überzeichnet. Seit mehreren Jahren übersteigen die beantragten Mittel, besonders in der Projektförderung für digitale Transformation, das verfügbare Budget erheblich.
Nach der beihilfenrechtlichen Bewilligung durch die EU-Kommission wurde der Digitaltransformationsfonds für den Zeitraum 2022 bis 2027 mit insgesamt 134 Millionen Euro dotiert. Diese Summe ist jedoch bereits fast vollständig verplant: Nach der Erteilung der Förderzusagen für 2026 sind die Mittel laut RTR Medien so gut wie ausgeschöpft.
Für das Förderjahr 2027 steht nur noch ein niedriger einstelliger Millionenbetrag zur Verfügung. Angesichts des anhaltenden Transformationsdrucks und der positiven Wirkung der bisherigen Förderung ist dies problematisch für die Zukunft der österreichischen Medienlandschaft.
Der Verband Österreichischer Zeitungen sieht daher dringenden Handlungsbedarf. "Es benötigt eine zügige Aufstockung der finanziellen Mittel und Notifizierung für den Zeitraum über 2027 hinaus, damit dieses wertvolle Instrument zur Absicherung des Medienpluralismus seine Ziele auch langfristig erreichen kann", fordert VÖZ-Geschäftsführer Gerald Grünberger.
Diese Forderung erscheint vor dem Hintergrund der dokumentierten Erfolge berechtigt. Der Evaluierungsbericht zeigt klar, dass die Förderung ihre Ziele erreicht und einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung der österreichischen Medienlandschaft leistet.
Die österreichischen Medien stehen vor strukturellen und globalen Herausforderungen, die weit über nationale Grenzen hinausreichen. Die Digitalisierung hat die gesamte Branche erfasst und traditionelle Geschäftsmodelle in Frage gestellt.
Während Leserinnen und Leser zunehmend digitale Angebote nutzen, sind die Erlöse aus Online-Werbung oft deutlich niedriger als aus traditioneller Print-Werbung. Gleichzeitig investieren internationale Technologiekonzerne massiv in den österreichischen Markt und konkurrieren um Werbebudgets.
Eine vielfältige und unabhängige Medienlandschaft ist essentiell für eine funktionierende Demokratie. Der Digitaltransformationsfonds trägt dazu bei, dass auch kleinere und mittlere Medienunternehmen im digitalen Zeitalter bestehen können und nicht nur große internationale Konzerne den Markt dominieren.
Die Förderung unterstützt damit nicht nur einzelne Unternehmen, sondern trägt zur Erhaltung einer pluralistischen Medienlandschaft bei, die verschiedene Perspektiven und lokale Berichterstattung ermöglicht.
Die Erkenntnisse des Evaluierungsberichts werden voraussichtlich in die politischen Diskussionen über die Zukunft der Medienförderung einfließen. Der dokumentierte Erfolg der bisherigen Maßnahmen spricht für eine Fortsetzung und Ausweitung des Programms.
Gleichzeitig wird die österreichische Medienpolitik prüfen müssen, wie sie auf europäischer Ebene für faire Wettbewerbsbedingungen gegenüber den großen Technologiekonzernen sorgen kann. Die digitale Transformation der Medien ist ein europaweites Phänomen, das koordinierte Antworten erfordert.
Für die österreichischen Medienunternehmen bleibt die Fortsetzung der digitalen Transformation entscheidend für ihre Zukunftsfähigkeit. Der Digitaltransformationsfonds hat sich als wertvolles Instrument erwiesen – nun gilt es, seine Wirkung durch ausreichende Finanzierung langfristig zu sichern.