ATV-Umfrage zeigt Bereitschaft zu staatlicher Verschuldung für Energieentlastung
53% der Österreicher befürworten höhere Staatsschulden zur Abfederung steigender Energiepreise. Deutliche Unterschiede zwischen den Parteiwählern.
Eine aktuelle Meinungsumfrage im Auftrag von ATV zeigt ein klares Stimmungsbild der österreichischen Bevölkerung: Eine Mehrheit von 53 Prozent der Befragten spricht sich dafür aus, dass die Bundesregierung vorübergehend mehr Schulden machen darf, um Haushalte und Unternehmen bei steigenden Energiekosten zu entlasten.
Die Umfrage von Peter Hajek Public Opinion Strategies wurde vor dem Hintergrund der aktuellen Krise im Iran durchgeführt, die zu steigenden Energiepreisen in Österreich führen könnte. 500 wahlberechtigte Österreicher wurden zwischen dem 2. und 5. März 2026 online zu ihrer Einstellung befragt.
Die Frage lautete konkret: "Durch die Krise im Iran könnten die Energiepreise in Österreich steigen. Soll die Bundesregierung vorübergehend mehr Schulden machen dürfen, um Haushalte und Unternehmen bei den Energiekosten zu entlasten?"
Die Zustimmung zur staatlichen Verschuldung teilt sich folgendermaßen auf:
Insgesamt sprechen sich damit 53 Prozent für zusätzliche Staatsschulden aus, während 36 Prozent diese ablehnen. Die verbleibenden 11 Prozent sind unentschieden.
Besonders interessant sind die Unterschiede zwischen den Wählern verschiedener Parteien. Die höchste Zustimmung zeigen SPÖ-Wähler mit 64 Prozent Zustimmung gegenüber 27 Prozent Ablehnung. Knapp dahinter folgen FPÖ-Wähler mit 60 Prozent Zustimmung und 32 Prozent Ablehnung.
Bei ÖVP-Wählern zeigt sich ebenfalls eine Mehrheit für zusätzliche Schulden (57 Prozent zu 38 Prozent), während Grün-Wähler mit 51 Prozent zu 42 Prozent eine knappere Zustimmung zeigen.
Eine Ausnahme bilden die NEOS-Wähler, die als einzige Gruppe mehrheitlich gegen zusätzliche Staatsschulden sind: 61 Prozent lehnen diese ab, nur 36 Prozent befürworten sie.
Meinungsforscher Peter Hajek ordnet die Ergebnisse ein: "Trotzdem eine Mehrheit zwischenzeitlich mehr Schulden in Kauf nehmen würde, ist die Stimmung amorph, denn nur ein Viertel der Befragten ist von der Maßnahme fest überzeugt."
Hajek sieht die Unterschiede zwischen den Parteiwählern weniger in ideologischen Prägungen begründet, sondern vielmehr im sozioökonomischen Hintergrund: "Wähler, deren Haushalte finanziell potenter sind, sind tendenziell gegen mehr Schulden."
Die Umfrageergebnisse zeigen, dass eine Mehrheit der österreichischen Bevölkerung grundsätzlich bereit ist, staatliche Mehrausgaben zur Abfederung von Energiepreissteigerungen zu akzeptieren. Dies könnte der Regierung politischen Spielraum für entsprechende Maßnahmen geben.
Gleichzeitig verdeutlicht die Umfrage aber auch, dass nur eine Minderheit von 25 Prozent vollständig von dieser Lösung überzeugt ist. Die Mehrheit der Befürworter steht der Maßnahme eher zurückhaltend gegenüber.
Für die Bundesregierung ergeben sich aus diesen Ergebnissen sowohl Chancen als auch Herausforderungen. Einerseits zeigt sich eine grundsätzliche Bereitschaft in der Bevölkerung, temporäre Mehrschulden für Energieentlastungen zu akzeptieren. Andererseits muss sie verschiedene Wählerschichten mit unterschiedlichen Einstellungen berücksichtigen.
Besonders die NEOS-Wähler, die traditionell für eine restriktive Fiskalpolitik stehen, lehnen zusätzliche Staatsschulden mehrheitlich ab. Dies könnte bei einer möglichen Koalitionsbildung nach den nächsten Wahlen relevant werden.
Die Umfrage verdeutlicht auch die Sorge der österreichischen Bevölkerung vor steigenden Energiekosten. Die geopolitischen Spannungen, insbesondere die Krise im Iran, werden als reale Bedrohung für die heimische Energieversorgung wahrgenommen.
Diese Wahrnehmung spiegelt sich in der Bereitschaft wider, auch unpopuläre Maßnahmen wie höhere Staatsschulden zu akzeptieren, wenn dadurch die Belastung für Haushalte und Unternehmen abgefedert werden kann.
Die detaillierten Ergebnisse der Umfrage werden in der aktuellen Ausgabe von "Aktuell: Die Woche" mit Moderator Meinrad Knapp, Politikberater Thomas Hofer und Meinungsforscher Peter Hajek diskutiert. Die Sendung läuft am Freitag um 22:25 Uhr bei ATV und ist jederzeit im Stream auf JOYN verfügbar.
Der pointierte Polit-Talk lässt regelmäßig die politische Woche Revue passieren und bietet eine Plattform für die Diskussion aktueller Meinungsumfragen und politischer Entwicklungen in Österreich.