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Erste vollständig KI-erstellte Rechtspublikation in Österreich

600-seitiges Werk zum AI Act zeigt Potential generativer KI im Rechtswesen

12. März 2026 um 09:40
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Ein Wiener Forschungsprojekt demonstriert erstmals, wie künstliche Intelligenz komplexe Rechtstexte verständlich aufbereiten kann.

Die österreichische Rechtswelt erlebt einen historischen Moment: Mit "Smart.Recht. KI-Verordnung einfach erklärt" ist die erste vollständig mit generativer künstlicher Intelligenz erstellte juristische Publikation des Landes erschienen. Das 600-seitige Werk zur EU-KI-Verordnung (AI Act) markiert einen Wendepunkt im wissenschaftlichen Publizieren und zeigt auf, wie Technologie komplexe Rechtsmaterien für eine breitere Öffentlichkeit zugänglich machen kann.

Pionierarbeit an der SFU Wien

Initiator des bahnbrechenden Projekts ist Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Zankl, Vorstand des Instituts für digitale Transformation und künstliche Intelligenz der Sigmund Freud Universität Wien | Berlin. Gemeinsam mit dem renommierten juristischen Fachverlag MANZ hat er ein Experiment gewagt, das die Grenzen zwischen menschlicher Expertise und maschineller Textgenerierung neu definiert.

"Es ist mit KI gelungen, eine leicht verständliche Erklärung des komplizierten Artificial Intelligence Act mit zahlreichen Beispielen zu verfassen", erklärt Zankl die Motivation hinter dem Projekt. Die Idee: Die hochkomplexen Vorgaben der KI-Verordnung auch für nicht darauf spezialisierte Juristen und interessierte Laien verständlich aufzubereiten und damit einen Beitrag zur Demokratisierung des Rechts zu leisten.

Methodisches Vorgehen ohne Kompromisse

Das Forschungsteam verfolgte einen streng wissenschaftlichen Ansatz. Für die Erstellung wurde ChatGPT durch einen strukturierten, rechtswissenschaftlich basierten Masterprompt gesteuert. Entscheidend war dabei die bewusste Beschränkung der Quellen: Das KI-System erhielt ausschließlich den Originaltext der KI-Verordnung, die gesetzgeberischen Erwägungsgründe und die Leitlinien der EU-Kommission als Grundlage.

Externe Literatur und Judikatur blieben bewusst ausgeschlossen, um eine eigenständige, quellentreue Auslegung zu gewährleisten und das sogenannte "Halluzinieren" – die Erfindung von Fakten durch KI – weitgehend zu vermeiden. Wo der Masterprompt keine brauchbaren Ergebnisse erbrachte, wurde nicht manuell nachbearbeitet, sondern durch gezielte Reprompts Klarheit geschaffen.

Beeindruckende Erfolgsquote

Die Ergebnisse des Experiments überraschten selbst die Projektleiter: Rund 95 Prozent der generierten Texte erwiesen sich nach einer juristischen Plausibilitätskontrolle als direkt verwendbar. Die automatisierte Formatierung vervollständigte den Prozess, sodass eine klar strukturierte Publikation entstand, die auf juristisch präziser Methodik beruht und gleichzeitig für eine breitere Leserschaft verständlich bleibt.

Diese hohe Trefferquote deutet darauf hin, dass generative KI bei entsprechender Anleitung und Qualitätskontrolle durchaus in der Lage ist, komplexe juristische Sachverhalte präzise und verständlich darzustellen – ein Ergebnis mit weitreichenden Implikationen für die gesamte Rechtswissenschaft.

Neue Fragen für die Rechtswelt

Das Projekt wirft grundlegende Fragen über die Zukunft des juristischen Publizierens auf: Wie entstehen juristische Werke in Zukunft? Welche Aufgabe haben Fachverlage in einer zunehmend automatisierten Welt? Und können Texte, die mit generativer KI erstellt werden, überhaupt urheberrechtlich relevant sein?

Peter Guggenberger, Geschäftsführer von MANZ, sieht in diesen Herausforderungen vor allem Chancen: "Für einen Fachverlag stellt sich nicht die Frage, ob KI das Publizieren verändert, sondern wie wir diese Veränderung aktiv gestalten. Wer juristisches Wissen publiziert, muss verstehen, wie es künftig entsteht."

Rolle von Autoren und Verlagen bleibt wichtig

Guggenberger betont dabei, dass die menschliche Expertise keineswegs überflüssig wird: "Autoren bringen Erfahrung, Fachwissen und wissenschaftliche Sorgfalt ein und bleiben Instanzen juristischer Expertise. Fachverlage bündeln Expertise, sichern Qualität und stellen Wissen in einen verlässlichen Kontext."

Prominente Unterstützung

Die Bedeutung des Projekts unterstreichen auch prominente Geleitworte zur Publikation. Harald Leitenmüller, Chief Technology Officer bei Microsoft Österreich, und Klaus Steinmaurer, Geschäftsführer des Fachbereichs Telekommunikation und Post der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH, heben die rechts- und demokratiepolitische Bedeutung einer verständlichen Vermittlung komplexer juristischer Themen für eine breite Öffentlichkeit hervor.

EU-KI-Verordnung verständlich erklärt

Die EU-KI-Verordnung, die das Werk behandelt, markiert einen Meilenstein der europäischen Regulierung. Mit ihrer Komplexität bringt sie jedoch neue Herausforderungen für Juristen, Unternehmen und Behörden mit sich. Das vorliegende Werk verfolgt einen anderen Ansatz als klassische Kommentare und konzentriert sich mehr auf allgemeine Verständlichkeit als auf vollständige Quellenauswertung.

Diese Herangehensweise macht die Publikation besonders wertvoll für Praktiker, die sich schnell einen Überblick über die neuen Regelungen verschaffen müssen, ohne sich durch hunderte Seiten wissenschaftlicher Abhandlungen arbeiten zu wollen.

Urheberrechtliche Pionierarbeit

Das Projekt versteht sich bewusst als wissenschaftliches Experiment, das auch demonstriert, dass und wie KI-generierte Texte bei qualifiziertem schöpferischem Einfluss urheberrechtlich relevant sein können. Diese Erkenntnis könnte weitreichende Folgen für die gesamte Publikationsbranche haben und neue rechtliche Diskussionen anstoßen.

Die Frage nach dem Urheberrecht an KI-generierten Inhalten beschäftigt bereits heute Gerichte und Gesetzgeber weltweit. Das österreichische Projekt liefert nun erstmals praktische Erfahrungen, wie solche Inhalte entstehen und bewertet werden können.

Kostenloser Zugang für alle

Im Sinne der angestrebten Demokratisierung des Rechts steht die 600-seitige Publikation kostenlos zum Download zur Verfügung. Interessierte können das Werk unter manz.at/smart.recht herunterladen und sich selbst ein Bild von der Qualität KI-generierter juristischer Inhalte machen.

Impulse für die Zukunft

Die Ergebnisse des Projekts geben wichtige Impulse für die Diskussion über den Umgang mit KI-generierten Inhalten im Recht und im wissenschaftlichen Publizieren. Sie zeigen auf, dass die Technologie bereits heute in der Lage ist, komplexe Sachverhalte präzise und verständlich darzustellen, wenn sie richtig eingesetzt wird.

Gleichzeitig unterstreichen sie die Bedeutung menschlicher Expertise bei der Qualitätskontrolle und der methodischen Anleitung der KI-Systeme. Die Zukunft des juristischen Publizierens wird wahrscheinlich in einer intelligenten Kombination aus maschineller Effizienz und menschlicher Fachkompetenz liegen.

Das österreichische Pilotprojekt hat gezeigt, dass diese Zukunft bereits begonnen hat. Es bleibt abzuwarten, wie schnell sich diese neue Form des wissenschaftlichen Publizierens in der Rechtswelt etablieren wird und welche weiteren Innovationen folgen werden.

Schlagworte

#Künstliche Intelligenz#Rechtswissenschaft#AI Act#Digitalisierung#Publizieren

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