Erfolgreiche Mediation zwischen Produzenten und Handel stärkt österreichische Lebensmittelkette
Das österreichische Fairness-Büro bearbeitete 2025 rund 500 Konfliktfälle in der Lebensmittelbranche.
Der aktuelle Jahresbericht 2025 des Fairness-Büros dokumentiert: Insgesamt wurden rund 500 Fälle bearbeitet. Das Büro hat sich in den vergangenen vier Jahren als Dreh- und Angelpunkt für faire Handelspraktiken entlang der Lebensmittelkette etabliert und wird EU-weit als Vorzeigemodell beschrieben.
255 konkrete Beschwerden und 220 weitere Anfragen wurden 2025 vom Fairness-Büro bearbeitet. Mehr als 750 Marktteilnehmer waren unmittelbar oder mittelbar von diesen Fällen betroffen. In 65 Fällen konnten durch Mediationsgespräche positive Lösungen herbeigeführt werden.
"In den vergangenen vier Jahren hat sich das Fairness-Büro zu einem Brückenbauer zwischen Produzenten und Handel entwickelt", erklärt Bundesminister Norbert Totschnig. "Es hilft, Konflikte frühzeitig zu lösen und Strafen zu vermeiden. Das stärkt Vertrauen und gibt unseren landwirtschaftlichen Betrieben und Lebensmittelproduzenten die nötige Planungssicherheit."
Vier große Handelsketten kontrollieren nahezu 95 Prozent des heimischen Lebensmittelmarktes. Als vertrauliche Erstanlaufstelle prüft das Fairness-Büro Hinweise, vermittelt zwischen den Vertragsparteien und gibt – wenn notwendig – Fälle an die Bundeswettbewerbsbehörde weiter. Lieferanten können ihre Anliegen dort ohne Angst vor wirtschaftlichen Nachteilen ansprechen.
Ein Beispiel aus dem Berichtsjahr: Im Dezember versuchte ein marktmächtiger Vertragspartner gegenüber bäuerlichen Betrieben kurzfristig und einseitig höhere Konditionen durchzusetzen. Das Fairness-Büro intervenierte, und die aufgezwungenen Konditionen wurden innerhalb weniger Tage zurückgenommen.
Das Fairness-Büro setzt neben der Bearbeitung konkreter Beschwerden auch auf Prävention. Doris Hold vom Fairness-Büro wird im Bericht mit der Aussage zitiert: "Das Fairness-Büro ist der verlässliche Partner für faire Spielregeln in der Lebensmittelkette – vertraulich und rechtlich fundiert. Wir greifen Probleme frühzeitig auf, bringen Vertragsparteien wieder ins Gespräch und schaffen dort Augenhöhe, wo wirtschaftliches Ungleichgewicht herrscht."
Das Büro bietet einen kostenlosen Vertragscheck an; online stehen unter fairness.gv.at Musterverträge zum Download bereit. Diese präventive Beratung soll dazu beitragen, Konflikte erst gar nicht entstehen zu lassen.
Im OTS-Bericht heißt es, Österreich gilt EU-weit als Musterschüler für den kooperativen Präventionsansatz und das Fairness-Büro wurde Anfang März von Kommissar Hansen zu einem Erfahrungsaustausch eingeladen. Österreich bringt zudem Vorschläge in die laufende Überarbeitung der Richtlinie gegen unlautere Handelspraktiken (UTP) auf EU-Ebene ein.
Im Bericht werden mehrere Anliegen genannt: die Reduktion des sogenannten Angstfaktors bei Beschwerden, etwa durch ein unterstützendes finanzielles Anreizsystem für betroffene Lieferanten; sowie mehr Transparenz bei Rabattaktionen, damit Lieferanten nicht mit unerwarteten oder schwer kalkulierbaren Kosten konfrontiert werden.
Der Bericht betont außerdem die Bedeutung von Nachvollziehbarkeit bei Qualität, Zusammensetzung und Herkunft von Produkten. Es wird davor gewarnt, dass Preisdruck zu einer schleichenden Verschlechterung von Rezepturen und Inhaltsstoffen führen kann (als "Skimpflation" bezeichnet), was die heimische Produktion belasten könnte.
Der Bericht zeigt, dass durch vertrauliche Beratung, Mediation und rechtliche Orientierung Konflikte zwischen Lieferanten und Handel in vielen Fällen frühzeitig entschärft werden konnten. Das trägt zur Stabilität der Geschäftsbeziehungen entlang der Lebensmittelkette bei.
Der vollständige Bericht des Fairness-Büros ist online auf der Website des Büros verfügbar.