Dritte "relaxed performance" im Raimund Theater zeigt erfolgreiche Inklusion im Musiktheater
Die Vereinigten Bühnen Wien setzen mit adaptieren Vorstellungen und Workshops neue Maßstäbe für kulturelle Teilhabe und Barrierefreiheit.
Die Vereinigten Bühnen Wien (VBW) setzen mit ihren Kulturvermittlungsangeboten wichtige Zeichen für Inklusion und Barrierefreiheit im österreichischen Theaterbetrieb. Mit der dritten "relaxed performance" am vergangenen Sonntag im Raimund Theater demonstrierten die VBW erneut, dass Musiktheater für alle Menschen zugänglich sein kann – unabhängig von individuellen Bedürfnissen oder Beeinträchtigungen.
Das besondere Vorstellungsformat "relaxed performance" fand am 15. März bereits zum dritten Mal in der Musicalsparte der VBW statt. In Kooperation mit der Österreichischen Autistenhilfe wurde "DAS PHANTOM DER OPER" in einer speziell adaptierten Version im Raimund Theater aufgeführt. Die Vorstellung wurde mit Standing Ovations gefeiert und zeigt den großen Bedarf für solche inklusiven Theaterformate in Österreich.
"Mit der dritten 'relaxed performance' zeigen die Vereinigten Bühnen Wien erneut, dass Musiktheater für alle Menschen erlebbar sein soll – unabhängig von Alter, Beeinträchtigung oder Vorerfahrung", betonte Barbara Novak, Finanzstadträtin der Stadt Wien. "Es ist beeindruckend zu sehen, wie durch diese inklusiven Vorstellungen Barrieren abgebaut und kulturelle Teilhabe ermöglicht wird."
Eine "relaxed performance" ist eine speziell adaptierte Theatervorstellung, die sich primär an Menschen mit Behinderungen, Lernschwierigkeiten und neurodivergente Personen richtet – etwa Menschen mit Autismus oder ADHS. Jedoch kann diese besondere Vorstellungsform von allen Theaterbesuchern erlebt werden.
Die wichtigsten Anpassungen umfassen:
Die "relaxed performance" ist nur ein Baustein im umfassenden Kulturvermittlungsprogramm der VBW. Seit 2024 werden diese speziellen Vorstellungen mit großem Interesse angenommen. Bereits für die kommende Saison 2026/2027 ist die nächste "relaxed performance" in Planung.
Oliver Stribl, Geschäftsführer der Wien Holding, sieht in diesem Format ein "hervorragendes Beispiel dafür, wie Theaterbesuche allen Menschen zugänglich gemacht werden können". Die Wien Holding als Muttergesellschaft der VBW unterstützt solche inklusiven Formate aktiv.
Neben den adaptieren Vorstellungen bieten die VBW auch praktische Theatererfahrungen durch verschiedene Workshop-Formate an. Ende März findet bereits zum 13. Mal der beliebte Musicalworkshop mit Unterstützung der Wiener Städtischen Versicherung statt. 100 Schülerinnen und Schüler erhalten dabei die einmalige Gelegenheit, bei "MARIA THERESIA – DAS MUSICAL" echte Bühnenluft zu schnuppern.
Die Teilnehmenden studieren eine eigene Choreografie ein und präsentieren diese mit professioneller Licht- und Tontechnik sowie der Unterstützung der Hauptdarsteller auf der Ronacher Probebühne vor Publikum. Diese authentische Bühnenerfahrung vermittelt jungen Menschen einen direkten Zugang zur Welt des Musiktheaters.
Darüber hinaus kooperieren die VBW mit zwei Mittelschulen, die eine Musiknummer aus der Show erarbeiten. Diese wird zunächst an den jeweiligen Schulen aufgeführt, bevor die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit erhalten, das Original im Ronacher zu erleben.
Aufgrund der großen Nachfrage wurden erstmals auch "VBW Musical-Workshops für Erwachsene" ins Leben gerufen. Diese vermitteln älteren Generationen echtes Bühnenfeeling und bieten als krönenden Abschluss einen Auftritt auf der Ronacher Bühne im Rampenlicht.
Franz Patay, Geschäftsführer der Vereinigten Bühnen Wien, betont die Bedeutung dieser Kulturvermittlungsprojekte: "Die Kulturvermittlungsprojekte der VBW erfreuen sich großer Beliebtheit und leisten einen wichtigen Beitrag, Theater greifbarer zu machen. Mit den Workshops für Jugendliche und Erwachsene sowie mit dem einzigartigen Vorstellungsformat der 'relaxed performance' wollen wir Schwellenängsten entgegenwirken und den Weg zu Musiktheater für ein breites Publikum öffnen."
Christian Struppeck, Musical-Intendant der VBW, unterstreicht die gesellschaftliche Verantwortung des Theaters: "Musiktheater soll ein Ort sein, an dem sich alle Menschen angesprochen und willkommen fühlen. Mit der 'relaxed performance' schaffen wir dafür einen Rahmen, der einen entspannteren Theaterbesuch ermöglicht und Barrieren reduziert."
Die Initiativen der VBW fügen sich in eine breitere gesellschaftliche Bewegung hin zu mehr Inklusion und Barrierefreiheit ein. Wien positioniert sich damit als Vorreiter für zugängliche Kultur in Europa. Die große Nachfrage und das positive Feedback bestärken die Verantwortlichen darin, diesen Weg konsequent weiterzugehen.
Solche Angebote unterstreichen Wiens Anspruch, dass Kultur niemanden ausschließt. Sie zeigen auch, dass Inklusion nicht nur eine moralische Verpflichtung ist, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll – durch die Erschließung neuer Zielgruppen und die Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts.
Die "relaxed performance" und die begleitenden Workshops demonstrieren, dass Barrierefreiheit im Theater weit über bauliche Maßnahmen hinausgeht. Es geht um eine grundsätzliche Haltung, die alle Menschen als potenzielle Theaterbesucher ernst nimmt und entsprechende Angebote entwickelt.
Mit der für die Saison 2026/2027 geplanten nächsten "relaxed performance" setzen die VBW ihr Engagement für Inklusion fort. Die kontinuierliche Weiterentwicklung solcher Formate könnte Wien zu einem internationalen Vorbild für barrierefreie Kulturangebote machen.
Die Erfolgsgeschichte der VBW-Kulturvermittlung zeigt: Musiktheater kann und soll für alle da sein. Durch innovative Formate, durchdachte Anpassungen und die enge Zusammenarbeit mit Betroffenenorganisationen entstehen neue Möglichkeiten der kulturellen Teilhabe, die das Theaterleben bereichern und die Gesellschaft zusammenbringen.