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Rekord bei Verbraucherschlichtung: 2.514 Anträge in 2025

Außergerichtliche Konfliktlösung zwischen Konsumenten und Unternehmen erreicht neuen Höchststand

18. März 2026 um 09:31
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Die Verbraucherschlichtung Austria verzeichnet 2025 einen Rekord mit 2.514 Schlichtungsanträgen - ein Plus von 26 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die Nachfrage nach außergerichtlicher Streitbeilegung in Österreich erreicht neue Rekordwerte. Die Verbraucherschlichtung Austria verzeichnete 2025 mit 2.514 Schlichtungsanträgen so viele Fälle wie noch nie seit ihrer Gründung vor neun Jahren. Das entspricht einem beachtlichen Anstieg von 26 Prozent gegenüber 2024 und markiert bereits das neunte Jahr in Folge mit steigenden Fallzahlen.

Preissteigerungen treiben Konflikte an

Die kontinuierliche Steigerung der Verfahrenszahlen spiegelt sowohl die wachsende Bekanntheit der Schlichtungsstelle als auch das anhaltend hohe Konfliktpotenzial zwischen Konsumenten und Unternehmen wider. Besonders die Preissteigerungen in den Bereichen Energie, Wohnen und Dienstleistungen führten auch 2025 häufig zu Streitfällen zwischen den Parteien.

"Der Jahresbericht 2025 zeigt deutlich: Die Verbraucherschlichtung Austria ist ein wichtiges Instrument, um Konflikte effizient, kostengünstig und ohne Gerichtsverfahren zu lösen", erklärt Vereinsobmann Dr. Hermann Germ. Gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten sei Vertrauen in faire außergerichtliche Lösungen besonders wichtig.

Handel bleibt Hauptstreitfeld

Die Analyse der eingereichten Fälle zeigt klare Schwerpunkte: Die meisten Konflikte betrafen erneut den Handelsbereich. Dabei standen vor allem Garantie- und Gewährleistungsfragen im Mittelpunkt, etwa bei Elektrogeräten, Bekleidung, Möbeln oder Fahrzeugen. Konsumenten wandten sich an die Schlichtungsstelle, wenn Händler ihre Ansprüche bei defekten oder mangelhaften Produkten nicht anerkannten.

Zahlreiche Anträge gingen zudem wegen Unstimmigkeiten im Dienstleistungs- und Versicherungsbereich ein. Besonders auffällig war die Häufung von Beschwerden aufgrund ungewöhnlich hoher Heizkostenabrechnungen - ein direkter Reflex auf die volatilen Energiepreise der vergangenen Jahre.

Hohe Erfolgsquote bei Einigungen

Trotz der freiwilligen Natur der Schlichtungsverfahren zeigen sich Unternehmen erstaunlich kooperativ: In rund 80 Prozent der Fälle beteiligten sie sich aktiv am Verfahren. Von diesen Fällen konnte in beeindruckenden 76 Prozent eine einvernehmliche Lösung erzielt werden - ein Beleg für die Wirksamkeit der außergerichtlichen Streitbeilegung.

Diese hohe Erfolgsquote ist umso bemerkenswerter, als die Teilnahme am Schlichtungsverfahren für Unternehmen nicht verpflichtend ist. Die Bereitschaft zur Mitwirkung zeigt, dass viele Betriebe den Wert einer schnellen und kostengünstigen Konfliktlösung erkannt haben.

Sachverständige für komplexe Fälle

Bei besonders komplexen technischen oder fachlichen Streitpunkten kann die Verbraucherschlichtung Austria auf das Fachwissen externer Sachverständiger zurückgreifen. Möglich wird dies durch eine Förderung der Europäischen Union, wodurch für Konsumenten und Unternehmen keine zusätzlichen Kosten entstehen.

Sachverständige kamen beispielsweise bei Streitfällen über die Mangelhaftigkeit von Elektrogeräten, bei Problemen mit gekauften Fliesen oder bei der unsachgemäßen Reinigung hochwertiger Kleidungsstücke zum Einsatz. Obwohl ihr Einsatz nur selten erforderlich ist, tragen die Expertisen häufig wesentlich zur Klärung komplexer Sachverhalte bei.

"Unsere juristische Expertise und die Möglichkeit einer kostenlosen Sachverständigeneinschätzung sind wesentliche Erfolgsfaktoren", betont Geschäftsführer Dr. Simon Eder. "In der überwiegenden Zahl der Fälle erzielen wir eine Einigung. Gelingt dies nicht, bleibt der Rechtsweg selbstverständlich offen."

Hohe Zufriedenheit aller Beteiligten

Die Qualität der Arbeit spiegelt sich auch in den Rückmeldungen der Beteiligten wider: 96 Prozent der Konsumenten und 87 Prozent der Unternehmen würden bei Bedarf erneut an einem Schlichtungsverfahren teilnehmen. Diese hohen Zufriedenheitswerte unterstreichen die Akzeptanz des Angebots auf beiden Seiten.

Die positive Bewertung durch die Verfahrensbeteiligten ist ein wichtiger Indikator für die Qualität und Fairness der Schlichtungsverfahren. Sie zeigt, dass sowohl Konsumenten als auch Unternehmen das Gefühl haben, gehört und fair behandelt zu werden.

Informationspflicht noch zu wenig bekannt

Trotz der steigenden Fallzahlen ist die Verbraucherschlichtung Austria in der breiten Öffentlichkeit noch vergleichsweise wenig bekannt. Dabei sind Unternehmen gesetzlich verpflichtet, Konsumentinnen und Konsumenten über zuständige Schlichtungsstellen zu informieren, wenn eine Streitigkeit bilateral nicht gelöst werden kann.

Besonders bei kleineren Betrieben scheint diese Informationspflicht aber noch zu wenig bekannt zu sein. Hier besteht noch Aufklärungsbedarf, um das System der alternativen Streitbeilegung bekannter zu machen und seine Vorteile sowohl für Konsumenten als auch für Unternehmen zu verdeutlichen.

Einfacher Zugang für Betroffene

Konsumentinnen und Konsumenten, die ein Problem mit einem Unternehmen haben und bilateral zu keiner Lösung kommen, können sich unkompliziert an die Verbraucherschlichtung Austria wenden. Der Kontakt ist sowohl über ein Webformular als auch per Post möglich. Alle notwendigen Informationen und Kontaktmöglichkeiten finden sich auf der Website www.verbraucherschlichtung.at.

Das Verfahren ist für Verbraucher kostenlos und unverbindlich. Auch wenn keine Einigung erzielt wird, bleibt der ordentliche Rechtsweg weiterhin offen. Die Schlichtung stellt somit eine risikolose Möglichkeit dar, eine außergerichtliche Lösung zu versuchen, bevor der oft langwierige und kostspielige Weg vor Gericht beschritten wird.

Erfolgsmodell seit 2016

Die Verbraucherschlichtung Austria ist seit Jänner 2016 eine staatlich anerkannte Verbraucherschlichtungsstelle gemäß dem Alternative-Streitbeilegung-Gesetz (AStG). Sie unterstützt Konsumenten und Unternehmen dabei, Streitigkeiten unparteiisch, effizient und kostenlos außergerichtlich zu lösen.

Zuständig ist die Schlichtungsstelle für ein breites Spektrum an Konflikten: von Problemen beim Kauf von Waren über Handwerksleistungen und Reisen bis hin zu Versicherungen und verschiedenen Dienstleistungen. Diese breite Zuständigkeit macht sie zu einer wichtigen Anlaufstelle für Verbraucher in nahezu allen Lebensbereichen.

Die kontinuierlich steigenden Fallzahlen und die hohen Zufriedenheitswerte zeigen, dass die Verbraucherschlichtung Austria eine wichtige Lücke im österreichischen Rechtssystem schließt. Sie bietet eine schnelle, kostengünstige und faire Alternative zu langwierigen Gerichtsverfahren und trägt damit wesentlich zum Verbraucherschutz in Österreich bei.

Schlagworte

#Verbraucherschlichtung#Konsumentenschutz#Streitbeilegung#Österreich#Jahresbericht

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