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Käthe-Sasso-Symposium: Aufruf zu Demokratie und Zivilcourage

Zweite Ausgabe des Symposiums würdigt Widerstandskämpferin zum 100. Geburtstag

19. März 2026 um 07:52
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Das 2. Käthe-Sasso-Symposium diskutierte aktuelle Bedrohungen der Demokratie und das Vermächtnis der Widerstandskämpferin.

Am 100. Geburtstag der Widerstandskämpferin Käthe Sasso fand in der Volkshochschule Favoriten das 2. Prof.in Käthe-Sasso-Symposium statt. Die Veranstaltung, die 2024 im Auftrag des Wiener Bürgermeisters Dr. Michael Ludwig ins Leben gerufen wurde, widmete sich den zentralen Themen Erinnerungskultur, Zivilcourage und Demokratie.

Geschichte und Verantwortung im Fokus

"Die Menschen zum Denken zu bringen, zum Sehen und Hören zu bringen, das ist unsere Aufgabe", zitierte Wolfgang Markytan, SPÖ-Bundesbildungsgeschäftsführer, bei der Eröffnung Rosa Jochmann. Dieses Leitmotiv unterstrich den Anspruch der politischen Bildungsarbeit und die Notwendigkeit, sich immer wieder die Frage nach dem "Warum" zu stellen.

Vizebürgermeisterin Kathrin Gaal eröffnete das Symposium mit einem Blick auf Favoriten als traditionsreichen Bezirk der Arbeiter:innenbewegung. Sie erinnerte an die Geschichte des Roten Wien und dessen Errungenschaften im Wohnbau. Gleichzeitig warnte sie vor aktuellen demokratiepolitischen Herausforderungen wie wachsendem Antisemitismus und rechtsextremen Ideologien.

"Umso wichtiger sind klare Haltung, Wachsamkeit und Widerstand", so Gaal über das Vermächtnis Käthe Sassos, die sie als prägende Persönlichkeit der Erinnerungskultur würdigte.

Politische Bildung als demokratischer Auftrag

Dr. Sascha Obrecht, Wiener Landtagsabgeordneter und Direktor des Karl-Renner-Instituts, betonte die Bedeutung des Symposiums als Ort des Lernens und der Wertevermittlung. Käthe Sasso stehe für Mut, Widerstand und Menschlichkeit unter extremsten Bedingungen.

"Geschichte ist nichts Abgeschlossenes – sie stellt uns immer wieder vor die Frage, wie wir heute handeln", erklärte Obrecht. Geschichte müsse nicht nur erinnert, sondern auch verstanden werden, um daraus Handlungsfähigkeit für die Gegenwart abzuleiten.

Aktuelle Herausforderungen für die Demokratie

Petra Bayr, Präsidentin der Parlamentarischen Versammlung des Europarates und Präsidentin des Kuratoriums der Wiener Bildungsakademie, unterstrich die Aktualität der drei zentralen Symposiums-Themen. Sie hob hervor, wie wichtig es sei, die Erfahrungen von Zeitzeug:innen so zu vermitteln, dass sie für kommende Generationen verständlich und erlebbar bleiben.

Besonders stellte sie die Frage nach neuen Formen von Zivilcourage – insbesondere angesichts von Hass im digitalen Raum – sowie nach Antworten auf Desinformation und hybride Bedrohungen. "Die Frage ist, wie wir Erinnerung, Zivilcourage und Demokratie heute konkret weitertragen und verteidigen", so Bayr.

Käthe Sasso: Stimme gegen das Vergessen

In der Gesprächsrunde "Wer war Käthe Sasso?" zeichneten Brigitte Fenko, ehemalige ORF-Mitarbeiterin und langjährige Lebensfreundin von Käthe Sasso, sowie Dr. Karin Moser, Medienhistorikerin und stellvertretende Direktorin der Wiener Bildungsakademie, ein eindrucksvolles Bild der Nachkriegszeit.

Sie zeigten auf, wie die anfängliche Entnazifizierung rasch in den Hintergrund trat und der sogenannte Opfermythos zur Verdrängung beitrug. Überlebende wurden häufig marginalisiert und zum Schweigen gedrängt. Käthe Sasso hingegen blieb standhaft, berichtete öffentlich und setzte sich unermüdlich für Aufklärung ein.

"Erinnerung war lange von Verdrängung geprägt – und Zivilcourage bedeutete oft, überhaupt gehört zu werden", fassten die Expertinnen zusammen.

Erinnerungskultur als gesellschaftlicher Prozess

Nina Abrahamczik, Wiener Landtagsabgeordnete und Vorsitzende des Gemeinderatsausschusses für Demokratie, sowie Nikolaus Kunrath, Bezirksrat und ehemaliger Landtagsabgeordneter, widmeten sich den "Herausforderungen der Erinnerungskultur".

Dabei wurde deutlich, dass Erinnerung kein statischer Zustand ist, sondern ein aktiver gesellschaftlicher Prozess. Besonders wichtig sei es, auch bisher wenig sichtbare Opfergruppen einzubeziehen und gesellschaftliche Aushandlungsprozesse zu fördern.

"Erinnerungskultur ist kein abgeschlossener Zustand, sondern ein aktiver, gesellschaftlicher Prozess", betonten die Diskutanten.

Zivilcourage als Vermächtnis und Auftrag

Christa Bauer, Geschäftsführerin des Mauthausen Komitees Österreich, sowie Marie Lercher, Teilnehmerin des Käthe-Sasso-Lehrgangs, betonten die zentrale Rolle von Zivilcourage als Vermächtnis der Überlebenden und als Auftrag für die Gegenwart.

Bildungsarbeit, Engagement und persönliches Handeln seien entscheidend, um demokratische Werte zu sichern – insbesondere angesichts zunehmender rechtsextremer Vorfälle.

"Es liegt an uns allen, Zivilcourage zu zeigen und Verantwortung für die Demokratie zu übernehmen", appellierte Bauer an die Teilnehmenden.

Warnung vor oligarchischem Kapitalismus

In der abschließenden Gesprächsrunde diskutierten der ehemalige Chefredakteur Dr. Herbert Lackner sowie SPÖ-Bundesbildungsvorsitzender Prof. Dr. Gerhard Schmid über aktuelle Gefährdungen der Demokratie.

Lackner verwies auf politische Entwicklungen sowie den zunehmenden Einfluss wirtschaftlicher Macht auf Medien und Politik. Schmid ergänzte, dass Demokratie kein Selbstläufer sei, sondern aktiv gestaltet werden müsse.

Besonders warnte Schmid vor einer neuen strukturellen Gefahr: einer Verbindung von wirtschaftlicher Macht und politischem Einfluss, die er als "eine Art oligarchischer Kapitalismus" beschreibt. Dieser stelle eine "extreme Bedrohung der Demokratie" dar.

"Demokratie muss ständig in Bewegung gehalten und aktiv verteidigt werden", so Schmid. Als zentrale Antwort forderte er verstärkte Bildungsarbeit sowie einen breiten gesellschaftlichen Schulterschluss.

Investition in Bildung als Schlüssel

"Wir müssen in Bildung investieren" und "einen Schulterschluss aller weltoffenen, liberalen und humanistischen Kräfte herbeiführen", forderte Schmid. Orientierung biete dabei das Vermächtnis Käthe Sassos – "Zivilcourage und Hartnäckigkeit" als Auftrag, "dranzubleiben und sich am Ende durchzusetzen".

Internationale Würdigung

In einer Videobotschaft würdigte die Salzburger Landeshauptfrau Karoline Edtstadler Käthe Sasso als außergewöhnliche Persönlichkeit, die sie auch persönlich kennenlernen durfte. Sie hob deren Mut und Menschlichkeit hervor und unterstrich die Verantwortung, dieses Vermächtnis in herausfordernden Zeiten weiterzutragen.

"Es ist unsere Aufgabe, ihr Vermächtnis weiterzutragen und für Menschlichkeit und Demokratie einzustehen", so Edtstadler.

Breite Kooperation und Unterstützung

Das Symposium wurde von mehreren Organisationen getragen, darunter die SPÖ-Bildung, die Wiener SPÖ-Bildung, das Karl-Renner-Institut und die Wiener Bildungsakademie. Ein besonderer Dank galt auch Kurt Brazda, der seinen Film im Auftrag des WIFAR umgesetzt hat.

Die erste Ausgabe des Symposiums hatte noch im Stadtsenatssitzungssaal des Wiener Rathauses stattgefunden. Die Verlegung nach Favoriten unterstrich symbolisch die Verbindung zur Arbeiter:innenbewegung und zu den Wurzeln des demokratischen Widerstands.

Aufruf zum gemeinsamen Handeln

Das Symposium machte deutlich: Erinnerung, Zivilcourage und Demokratie sind untrennbar miteinander verbunden. In einer Zeit wachsender Herausforderungen braucht es Engagement, Bildung und Zusammenhalt.

Käthe Sasso bleibt dabei eine zentrale Orientierung – als Mahnerin, als Vorbild und als Auftrag für kommende Generationen. Die Veranstaltung endete mit der Einladung zum weiteren Austausch und zur aktiven Teilnahme am demokratischen Diskurs.

Die Botschaft des Symposiums war klar: Demokratie und Menschlichkeit müssen täglich neu erarbeitet und verteidigt werden. Das Vermächtnis Käthe Sassos gibt dabei Orientierung und Mut für diese wichtige gesellschaftliche Aufgabe.

Schlagworte

#Käthe Sasso#Demokratie#Zivilcourage#Erinnerungskultur#SPÖ#Wien#Widerstand#Bildung

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