EU-LIFE-Projekt VienNATURA verwandelt ehemaligen Bahnhof in Naturparadies
Mit EU-Förderung entsteht bis 2032 auf 90 Hektar ein wertvoller Lebensraum für seltene Arten und Naherholung für die Wiener Bevölkerung.
Die Wiener Stadtregierung hat das bisher größte innerstädtische Renaturierungsprojekt der Hauptstadt gestartet. Auf dem Gelände des ehemaligen Verschiebebahnhofs Breitenlee im 22. Bezirk entsteht mit dem EU-geförderten Projekt "LIFE VienNATURA" bis Ende 2032 ein bedeutendes Naturschutzgebiet, das sowohl der Biodiversität als auch der Wiener Bevölkerung als Erholungsraum dienen soll.
Das über 90 Hektar große Areal war bereits im November 2025 als 6. Natura2000-Gebiet Wiens ausgewiesen worden und genießt damit höchsten europäischen Schutzstatus. Koordiniert wird das ambitionierte Projekt von der Wiener Umweltschutzabteilung in Zusammenarbeit mit dem Forst- und Landwirtschaftsbetrieb der Stadt, der Magistratsabteilung 48, dem Naturhistorischen Museum, Birdlife Österreich und ICLEI Europe.
"Mit diesem LIFE-Projekt starten wir in Wiens bisher größtes Renaturierungsprojekt, das ist ein großer Schritt in Richtung EU-Wiederherstellungsverordnung", erklärte Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky bei der offiziellen Projektvorstellung. Die Wiener Stadtpolitik wolle mit diesem zukunftsweisenden Projekt einen weiteren Beitrag für nachhaltigen Umweltschutz leisten.
Die Geschichte des Projektgebiets ist bemerkenswert: Der Verschiebebahnhof Breitenlee war nur kurze Zeit in Betrieb und wurde bereits 1945 stillgelegt. In den folgenden Jahrzehnten eroberte die Natur das brachliegende Gelände zurück und es entstand ein wertvoller Biotop-Komplex aus Wald- und Trockenrasenflächen.
Allerdings siedelten sich auch invasive Pflanzenarten an, sogenannte Neophyten wie Götterbaum und Goldrute, die einheimische Arten verdrängen und ganze Wiesenflächen naturschutzfachlich entwerten können. Die Stadt Wien erwarb das Areal von den ÖBB, wobei der Ankauf durch den Biodiversitätsfonds des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz gefördert wurde.
Die Renaturierungsarbeiten haben bereits begonnen und werden nun mit den EU-Fördermitteln - die etwa zwei Drittel der Gesamtkosten abdecken - zügig fortgesetzt. Michael Kienesberger, Leiter der Wiener Umweltschutzabteilung, und Petra Wagner, Leiterin des städtischen Forst- und Landwirtschaftsbetriebs, leiten das Projekt operativ.
Die wichtigsten geplanten Maßnahmen umfassen:
Von diesen Maßnahmen profitieren zahlreiche seltene und geschützte Arten, darunter verschiedene Vogelarten, Wildbienen, Heuschrecken und sogar Orchideen. "Neben den Renaturierungsmaßnahmen und Monitorings wird ein Managementplan erstellt, der sicherstellt, dass der einmalige Wert des Areals auch nach Ende des Projekts 2032 erhalten bleibt", erläutern die Projektleiter.
Das Naturschutzgebiet Breitenlee wird nicht nur der Biodiversität dienen, sondern auch bedeutenden Mehrwert für die Wiener Bevölkerung schaffen. Als grüne "Lunge" des schnell wachsenden 22. Bezirks entsteht hier ein wichtiger Naherholungsraum, der allerdings kein klassischer Park werden soll, sondern ein naturnaher Raum, der von Respekt gegenüber der Natur geprägt ist.
Durch naturverträgliche Besucher-Lenkung und Informationsangebote soll ein verständnisvoller Umgang mit diesem sensiblen Lebensraum gefördert werden. "So müssen die beiden Nutzungen als Erholungsraum und als Schutzgebiet kein Widerspruch, sondern gegenseitige Ergänzung sein", betonen die Verantwortlichen.
Darüber hinaus leistet das Areal einen wichtigen Beitrag für das Stadtklima der Umgebung. Es fungiert als Durchlüftungsschneise und wirkt durch Beschattung und Verdunstung von Regenwasser kühlend - ein nicht zu unterschätzender Faktor in Zeiten des Klimawandels und zunehmender urbaner Hitzeinseln.
Auch die Koalitionspartnerin NEOS zeigt sich von dem Projekt begeistert. Umweltsprecherin Angelika Pipal-Leixner betont: "Als Wiener Aufschwungskoalition setzen wir beim Umweltschutz einen wichtigen Schwerpunkt auf Artenschutz und Biodiversität in der Stadt. Mit dem neuen Naturschutzgebiet in Breitenlee sichern wir Lebensräume für geschützte Tier- und Pflanzenarten ab und optimieren sie."
Besonders positiv sei, dass Wien als Stadt direkt von der EU-Renaturierungsverordnung profitiere und einen großen Teil der Kosten aus EU-Mitteln refundiert bekomme. Dies zeige, wie sich europäische Umweltpolitik konkret vor Ort auswirken könne.
Die Arbeiten haben bereits erste Früchte getragen: Teilflächen wurden bereits entsiegelt und von Neophyten befallene Bereiche sukzessive befreit. Bis zum Projektende 2032 soll ein vollständig renaturiertes Gebiet entstehen, das als Vorzeigemodell für urbane Naturschutzprojekte dienen kann.
Das Projekt "LIFE VienNATURA" wird im Rahmen des EU-LIFE-Programms kofinanziert und stellt einen wichtigen Baustein in Wiens Strategie für mehr Biodiversität und Klimaresilienz dar. Mit diesem Vorhaben positioniert sich Wien als Vorreiter in Sachen urbaner Renaturierung und zeigt, wie aus industriellen Brachflächen wertvolle Naturräume entstehen können.
Für Interessierte stehen weitere Informationen auf der städtischen Website zur Verfügung, wo auch der Fortschritt des Projekts dokumentiert wird. Das Naturschutzgebiet Breitenlee soll in den kommenden Jahren zu einem Leuchtturmprojekt für nachhaltige Stadtentwicklung werden und beweisen, dass Naturschutz und urbanes Leben erfolgreich miteinander vereinbar sind.