Inklusive Literatur feiert Freundschaft und Vielfalt
236 Texte aus drei Ländern beim renommierten Literaturpreis eingereicht. Drei Hauptpreise vergeben, erstmals Sonderpreis für Lebenswerk.
Am 19. März 2026 fand im Raiffeisenhaus Wien die bereits 19. Verleihung des inklusiven Literaturpreises Ohrenschmaus statt. Die Veranstaltung würdigte erneut die literarischen Leistungen von Menschen mit Lernbehinderung und setzte ein starkes Zeichen für gelebte Inklusion in der österreichischen Kulturlandschaft.
Mit 236 eingereichten Texten aus Österreich, Deutschland und Südtirol verzeichnete der Wettbewerb eine beeindruckende Beteiligung. Franz-Joseph Huainigg, der den Preis 2007 ins Leben gerufen hat, zeigt sich erfreut über diese Entwicklung: "Die Einreichungen machen Mut in diesen schwierigen Zeiten. Sie zeigen, wie Literatur Freude schafft und wie wertvoll der Beitrag von Menschen mit Lernbehinderung für das Miteinander ist."
Diese Zahlen unterstreichen die wachsende Bedeutung des Ohrenschmaus Literaturpreises als wichtige Plattform für inklusive Literatur im deutschsprachigen Raum. Seit seiner Gründung hat sich der Preis zu einem renommierten Event entwickelt, der weit über die Grenzen Österreichs hinaus Beachtung findet.
Aus der Vielzahl qualitätsvoller Einreichungen wählte die hochkarätig besetzte Jury drei Gewinner:innen aus, die jeweils mit 1.000 Euro ausgezeichnet wurden. Kurt Engleder, Monika Hochgruber und Laurin Schedereit erhielten die begehrten Hauptpreise für ihre außergewöhnlichen literarischen Arbeiten.
Die Auswahl erfolgte durch eine renommierte Jury unter dem Schirmherrn Felix Mitterer. Zu den Jurymitgliedern zählen etablierte Persönlichkeiten der österreichischen Literaturszene wie Arno Geiger, Bettina Hering, Heinz Janisch, Günter Kaindlstorfer, Ludwig Laher und Lisa Taschek. Diese Besetzung garantiert eine professionelle Bewertung und verleiht dem Preis zusätzliche Glaubwürdigkeit.
Eine besondere Innovation stellte die erstmalige Vergabe eines Sonderpreises für das Lebenswerk dar. Diese Auszeichnung ging an Peter Gstöttmeier, einen mehrfachen Literaturpreisträger, der sich mit seiner letzten Einreichung vom Ohrenschmaus verabschiedet. Diese Würdigung unterstreicht die Kontinuität und den nachhaltigen Beitrag einzelner Autor:innen zur inklusiven Literaturszene.
Gstöttmeiers Auszeichnung macht deutlich, dass der Ohrenschmaus Literaturpreis nicht nur junge Talente fördert, sondern auch die langjährigen Verdienste etablierter Autor:innen mit Behinderung anerkennt. Dies trägt zur Professionalisierung und gesellschaftlichen Anerkennung inklusiver Literatur bei.
Ein weiteres Highlight der Veranstaltung war die Vergabe des Zotter-Schokoladen-Preises zum diesjährigen Thema "Freundschaft". Karin Brenner, Tanja Heiss, Karin Meyer und Alois Schörghuber konnten die Jury mit ihren Texten überzeugen. Ihre Arbeiten werden auf der neuen Edition der Ohrenschmaus-Schokolade abgedruckt, die von der Grafik-Anstalt gestaltet und über die Vereinshomepage erhältlich ist.
Diese kreative Vermarktung literarischer Texte stellt eine innovative Form der Literaturvermittlung dar und macht die Arbeiten der Autor:innen einem breiteren Publikum zugänglich. Gleichzeitig schafft sie eine zusätzliche Einnahmequelle für den Verein.
Neben den Hauptpreisträgern fanden auch zahlreiche weitere Autor:innen Anerkennung durch einen Platz auf der Ehrenliste. Annemarie Delleg, Anton Blitzstein, Henri Hirti, Hermann Resch, Franz Schwager, Daniela Kedro, Renate Seiberl, Marvin Prodner, Viktor Noworksi, Elisabeth Stachl und Ruth Oberhuber erhielten diese Auszeichnung für ihre qualitätsvollen Beiträge.
Diese breite Anerkennung verdeutlicht die hohe literarische Qualität der eingereichten Texte und zeigt, dass inklusive Literatur keineswegs als Nischenprogramm zu betrachten ist, sondern als vollwertiger Bestandteil der österreichischen Literaturlandschaft.
Der Erfolg des Ohrenschmaus Literaturpreises basiert auf der soliden Unterstützung durch langjährige Partner. Die Österreichischen Lotterien fungieren seit 2016 als verlässlicher Hauptsponsor und betonen die Bedeutung inklusiver Kulturinitiativen. Ein Sprecher der Lotterien erklärte: "Dieser Preis macht sichtbar, wie vielfältig, originell und kraftvoll literarischer Ausdruck sein kann, wenn Menschen die Möglichkeit haben, ihre Gedanken, Geschichten und Perspektiven frei zu entfalten."
Raiffeisen NÖ-Wien agiert als Gastgeber und Sponsor der Veranstaltung. Martin Hauer, Vorstandsmitglied der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien, sieht in dem Preis "ein Symbol für gelebte Inklusion, Chancengleichheit und steht für Mut und Offenheit." Diese Unterstützung durch etablierte Unternehmen verleiht dem Preis gesellschaftliche Legitimität und finanzielle Stabilität.
Die Preisverleihung selbst wurde professionell inszeniert und unterstrich den hohen Stellenwert der Veranstaltung. Die prämierten Texte wurden von den Schauspieler:innen Chris Pichler und Markus Hering vorgetragen, was den literarischen Charakter der Arbeiten unterstrich. Das inklusive Moderationsduo Dani Linzer und Anna-Lina Ernstberger führte durch den Abend, während Connor Moser mit Keyboard-Begleitung für die musikalische Umrahmung sorgte.
Diese professionelle Gestaltung macht deutlich, dass es sich beim Ohrenschmaus Literaturpreis um eine etablierte Kulturveranstaltung handelt, die höchsten Standards genügt und den Autor:innen eine angemessene Bühne bietet.
Alle prämierten Texte werden im Buch "Reden reden reden, bis ich mir selbst auf die Nerven gehe!" in der Ohrenschmaus-Edition des Verlages Buchschmiede veröffentlicht. Diese Publikation gewährleistet die nachhaltige Verfügbarkeit der ausgezeichneten Arbeiten und trägt zur Dokumentation der inklusiven Literaturszene bei.
Das Buch ist über die Homepage des Vereins Ohrenschmaus erhältlich und ermöglicht es interessierten Leser:innen, sich ein umfassendes Bild von der Qualität und Vielfalt der eingereichten Texte zu machen.
Der Ohrenschmaus Literaturpreis kann auf ein beeindruckendes Netzwerk an Unterstützern verweisen. Partnerorganisationen wie die Caritas, Diakonie, Jugend am Werk, Lebenshilfe Österreich, der Österreichische Behindertenrat, das Wiener Hilfswerk und Vienna People First tragen zum Erfolg bei.
Zu den weiteren Sponsoren zählen das Zero Project Inclusive Arts, die Zotter Schokolade GmbH, die Sonnentor Kräuterhandelsgesellschaft GmbH, UNIQA Österreich, der Rotary Club Wien-Nordost, die Österreichische Post AG, die Oberbank AG, die Monopolverwaltung (MVG), fritz-kola und die Katharina Turnuer Privatstiftung. Kooperationspartner sind die Grafik-Anstalt und der Verlag Buchschmiede, gefördert wird der Preis von der Stadt Wien Kultur.
Der Ohrenschmaus Literaturpreis hat sich in den vergangenen 19 Jahren zu einem wichtigen Instrument der Inklusion entwickelt. Er macht die literarischen Fähigkeiten von Menschen mit Lernbehinderung sichtbar und trägt zur Entstigmatisierung bei. Gleichzeitig fördert er die sprachliche Vielfalt und bereichert die österreichische Literaturlandschaft um wichtige Stimmen.
Die kontinuierlich steigenden Teilnahmezahlen und die breite gesellschaftliche Unterstützung zeigen, dass der Preis einem echten Bedürfnis entspricht. Er schafft nicht nur eine Plattform für literarischen Ausdruck, sondern auch für gesellschaftlichen Dialog über Inklusion und Teilhabe.
Der Erfolg des Ohrenschmaus Literaturpreises 2026 bestätigt erneut die Wichtigkeit solcher Initiativen. In einer Zeit gesellschaftlicher Herausforderungen setzt er ein klares Zeichen für Solidarität, Offenheit und die Wertschätzung aller Menschen unabhängig von ihren individuellen Voraussetzungen. Die Literatur wird dabei zum Medium des Verstehens und der Begegnung zwischen verschiedenen Lebenswelten.