Österreichs neues Kreislaufwirtschaftsprojekt zeigt bereits erste Erfolge
Das seit Jänner geltende Einweg-Pfandsystem erreicht bereits 81,5% Rücklaufquote und revolutioniert die Getränkeverpackung in Österreich.
Österreichs ambitioniertes Einweg-Pfandsystem hat bereits in den ersten Wochen beeindruckende Ergebnisse erzielt. Mit einer Recyclingfähigkeit von 99,5 Prozent und einer Rücklaufquote von 81,5 Prozent übertrifft das System bereits die gesteckten Ziele für das erste Jahr deutlich.
Seit dem 1. Jänner 2025 gilt in Österreich die Einweg-Pfandverordnung für Getränkeverpackungen aus Kunststoff und Metall. Was als eines der größten Kreislaufwirtschaftsprojekte des Landes angekündigt wurde, zeigt bereits erste konkrete Erfolge. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 99,5 Prozent aller gesammelten Verpackungen sind recyclingfähig – ein Wert, der international seinesgleichen sucht.
"Getränkeflaschen und -dosen werden im Einweg-Pfandsystem separat gesammelt, sortenrein erfasst und in einem eigenen, geschlossenen Materialkreislauf geführt", erklärt Monika Fiala, Co-Geschäftsführerin von Recycling Pfand Österreich. Diese sortenreine Sammlung ermöglicht es, dass das Material nahezu vollständig recycelt werden kann.
Eine besondere Neuerung des österreichischen Systems ist die erstmalige Umsetzung der Ökomodulation. Dabei werden Verpackungen nach ihrer Recyclingfähigkeit bewertet und entsprechend mit unterschiedlichen Gebühren belegt. Materialien oder Verpackungsbestandteile, die das Recycling erschweren, werden höher besteuert – ein klarer Anreiz für Hersteller, nachhaltigere Lösungen zu entwickeln.
Der ökologische Lenkungseffekt zeigt bereits erste konkrete Resultate. Schon im ersten Jahr des Systems wurden Verpackungsoptimierungen wie besser ablösbare Etiketten, adaptierte Klebstoffe oder reduzierte Verpackungsgewichte umgesetzt. "Das österreichische Pfandsystem entwickelt sich damit zu einem wichtigen Motor für den Push von recyclebaren Getränkeverpackungen", betont Fiala.
Ein entscheidender Vorteil des neuen Systems liegt in der Stärkung der heimischen Wertschöpfung. Durch ein im Pfandsystem verankertes Vorkaufsrecht können österreichische Getränkeproduzenten die zurückgegebenen Materialien erstmals sortenrein nach Material und Farbe sortiert zurückkaufen. Dies ermöglicht es, die wertvollen Rohstoffe im heimischen Kreislauf zu halten, anstatt sie auf internationalen Märkten beschaffen zu müssen.
Die Europäische Union hat für 2025 festgelegt, dass Hersteller mindestens 25 Prozent recycelten Kunststoff in PET-Getränkeflaschen einsetzen müssen. Österreich liegt mit einem Rezyklatanteil von über 60 Prozent bereits deutlich über dieser Vorgabe. "Die Kreislaufwirtschaft wird im Bereich der Kunststoff-Einweggetränkeverpackungen bereits gelebt", unterstreicht die Geschäftsführerin von Recycling Pfand Österreich.
Diese beeindruckenden Zahlen basieren auf aktuellen Registrierungsdaten der Erstinverkehrsetzer und zeigen, dass das österreichische System nicht nur funktioniert, sondern bereits jetzt internationale Standards übertrifft.
Das System umfasst alle Kunststoffflaschen und Metalldosen mit einem Volumen von 0,1 bis 3 Litern, die mit dem österreichischen Pfandsymbol gekennzeichnet sind. Das einheitliche Pfand von 25 Cent macht das System für Verbraucher einfach und transparent. Die angestrebte Rücklaufquote von 80 Prozent für das erste Jahr wurde mit 81,5 Prozent bereits übertroffen – ein deutliches Zeichen für die Akzeptanz in der Bevölkerung.
Die Ziele für die kommenden Jahre sind ambitioniert, aber auf Basis der ersten Ergebnisse durchaus realistisch. Bis 2027 soll die Sammelquote auf 90 Prozent steigen. Damit würde Österreich bereits zwei Jahre vor der EU-Zielvorgabe von 2029 die geforderte Sammelquote von 90 Prozent erreichen.
Das Einweg-Pfandsystem zeigt exemplarisch, wie moderne Kreislaufwirtschaft funktionieren kann. Durch die Kombination aus sortenreiner Sammlung, innovativer Ökomodulation und der Stärkung heimischer Wertschöpfungsketten entsteht ein nachhaltiges System, das sowohl ökologische als auch ökonomische Vorteile bietet.
Die hohe Recyclingfähigkeit von 99,5 Prozent und die bereits überdurchschnittlichen Rücklaufquoten positionieren Österreich als Vorreiter in der europäischen Kreislaufwirtschaft. Das System "Flasche zu Flasche" bzw. "Dose zu Dose" wird damit zur gelebten Realität und könnte als Modell für andere EU-Länder dienen.
Die ersten Monate des österreichischen Einweg-Pfandsystems haben gezeigt, dass ambitionierte Umweltziele mit der richtigen Systemgestaltung nicht nur erreichbar, sondern sogar übertroffen werden können. Die Kombination aus klaren Anreizen für Hersteller, einfacher Handhabung für Verbraucher und innovativen Bewertungssystemen schafft die Grundlage für eine erfolgreiche Kreislaufwirtschaft, die wertvolle Ressourcen schont und gleichzeitig die heimische Wirtschaft stärkt.