'Baba, What's Your Plan?' überzeugt Jury bei Diagonale-Filmfestival
Der österreichisch-türkische Filmemacher erhielt die Auszeichnung für sein einfühlsames Portrait über Migration, Krankheit und Hoffnung.
Das Diagonale-Filmfestival in Graz wurde zum Schauplatz einer besonderen Ehrung: Tolga Karaaslan erhielt den renommierten Mabacher Award für seinen dokumentarischen Film 'Baba, What's Your Plan?'. Die Auszeichnung würdigt herausragende filmische Arbeiten, die Barrieren abbauen und Inklusion fördern.
"Dieser Preis ist auch für meinen Vater. Ich wollte ihn als Menschen mit all seinen Facetten zeigen, als Mensch mit seiner Geschichte, die auch die Geschichte von Klasse, Migration und Erkrankung ist, aber auch darüber hinausgeht", erklärte der sichtlich bewegte Filmemacher bei der Preisverleihung. Karaaslan schuf mit seinem Werk ein intimes Portrait seines Vaters Celal, der aufgrund einer Krebserkrankung nicht mehr arbeiten kann und seinen Sohn nach Lebensperspektiven fragt.
Der Film erzählt von einer gemeinsamen Reise zwischen Vater und Sohn, die in der Gegend zwischen Wels und Linz sowie in der ländlichen Türkei spielt. Familienfotos und Gespräche schaffen dabei ein authentisches Bild einer Migrantenfamilie zwischen Hoffnung und Herausforderung.
Die dreiköpfige Expertenjury, bestehend aus Filmemacherin Sybille Bauer-Zierfuß, Kamerafrau Simone Hart und Schauspielerin Yuria Knoll, begründete ihre Entscheidung ausführlich: "Der Film 'Baba, what's your plan?' führte uns auf eine Reise: Aufnahmen in der ruralen Türkei, Familienfotos, und Gespräche zwischen Sohn und Vater sind nur einige Stationen dieses intimen und aufrichtigen Portraits."
Besonders hervorgehoben wurde, dass der Film trotz seiner Intimität jeglichen Voyeurismus vermeidet. "Das filmische Portrait erzählt von chronischer Krankheit, Migration, Hoffnung, und davon, letztere zu verlieren, um sie immer wieder neu zu finden", so die Jury weiter. Die respektvolle Hingabe, mit der die Stimme des Vaters als zentrales Sprachrohr fungiert, überzeugte die Expertinnen nachhaltig.
Die Jury betonte außerdem die gesellschaftliche Relevanz des Werks: "Tolga Karaaslan vermag mit seinem Film auch anderen Hoffnung zu schenken, zumal dieser den Facettenreichtum des Mensch-Seins betont, aber auch deutlich macht, wie viel man durch aufrichtige Dialoge von und miteinander erfahren kann."
Tolga Karaaslan, 1994 in Wels geboren, ist ein österreichischer Filmemacher und Medienkünstler mit türkischen Wurzeln. In seiner künstlerischen Arbeit beschäftigt er sich intensiv mit dem Leben zwischen mehreren Kulturen und der Suche nach Identität. Seine visuelle Sprache und atmosphärische Erzählweise geben den Charakteren Zeit und Raum, sich in ihrer Welt zu entfalten.
Diese Herangehensweise spiegelt sich deutlich in 'Baba, What's Your Plan?' wider, wo die generationenübergreifende Aufarbeitung der eigenen Familiengeschichte im Mittelpunkt steht. Der Film zeigt eindrucksvoll, wie persönliche Geschichten universelle Themen berühren können.
Das Leitungsteam des Mabacher Awards, bestehend aus Hannah Wahl, Cornelia Ohnmacht und Stefan Wolner, zeigte sich erfreut über die Auszeichnung: "Ein Film, der sichtbar macht, wie eine inklusive Haltung im Erzählen und in der Ästhetik Barrieren abbauen kann. Durch seine einfühlsame Herangehensweise schafft er Raum für Erfahrungen, die im Film oft marginalisiert oder instrumentalisiert werden."
Diese Einschätzung unterstreicht die Bedeutung des Mabacher Awards, der gezielt Produktionen auszeichnet, die neue Perspektiven auf Behinderung und gesellschaftliche Teilhabe eröffnen.
Claudia Slanar und Dominik Kamalzadeh von der Diagonale-Festivalleitung betonten anlässlich der Preisvergabe die Notwendigkeit struktureller Veränderungen: "Sichtbarkeit ist sehr wichtig, aber nur der erste Schritt. Inklusion bedeutet auch Zugänge zu schaffen, zum Festival genauso wie in der Filmbranche und ihren Berufen. Es muss selbstverständlich werden, dass Menschen mit Behinderungen Teil der Filmwelt sind."
Den Höhepunkt des Abends bildete die Keynote von Mariya Menner, Schauspielerin und Pädagogin für Gebärdensprache. Ihr eindringlicher Appell an die Filmbranche wurde von den Anwesenden mit großem Applaus aufgenommen: "Menschen mit Behinderungen sind nicht 'das Extra'. Wir sind Teil der Geschichte. Ich wünsche mir eine Branche, in der Vielfalt nicht erklärt werden muss."
Menner forderte konkrete Schritte: "Manchmal braucht es nur eine Entscheidung. Ihre Entscheidung. Die Entscheidung, anders zu denken. Anders zu besetzen. Anders zu erzählen. Denn echte Veränderung beginnt nicht irgendwann. Sie beginnt genau hier."
Moderatorin Barbara Sima-Ruml brachte das Credo des Abends auf den Punkt: "Inklusion ist ein Menschenrecht." Diese Botschaft zog sich wie ein roter Faden durch die gesamte Veranstaltung und unterstrich die gesellschaftspolitische Dimension des Awards.
Die Vergabe des Mabacher Awards erfolgte in Kooperation mit dem Diagonale-Festival des österreichischen Films. Unterstützung erhielt die Initiative vom Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport, dem Österreichischen Filminstitut sowie dem Filmfonds Wien.
Besondere Würdigung fand auch die Familie Martin Habachers, nach dem der Award benannt ist. Die Angehörigen des verstorbenen Filmemachers unterstützten die Initiative von Beginn an und trugen zur Verwirklichung dieser wichtigen Auszeichnung bei.
Der Erfolg von Tolga Karaaslan mit 'Baba, What's Your Plan?' zeigt exemplarisch, wie persönliche Geschichten gesellschaftliche Diskurse bereichern können. Der Film verbindet auf gelungene Weise die Themen Migration, Krankheit und Familienbeziehungen mit der größeren Frage nach inklusiver Gesellschaftsgestaltung.
Die Auszeichnung beim Diagonale-Filmfestival dürfte dem Werk zusätzliche Aufmerksamkeit verschaffen und damit auch die Botschaft des Mabacher Awards weiter verbreiten. Die Organisatoren hoffen, dass solche Preise langfristig zu einem Wandel in der Filmbranche beitragen und mehr Raum für diverse Perspektiven schaffen.
Weitere Informationen zum Award und den ausgezeichneten Filmen sind auf der offiziellen Website des Mabacher Awards sowie auf der Diagonale-Homepage verfügbar.