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Wien beschleunigt Energiewende bis 2040

SPÖ-Politiker Al-Rawi kontert Grüne: Massive Investitionen in erneuerbare Energie bereits im Gange

24. März 2026 um 13:01
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Wien investiert Millionen in Wärmepumpen und Geothermie. SPÖ-Gemeinderat Al-Rawi weist Kritik der Grünen scharf zurück.

Wien setzt verstärkt auf den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen und will bis 2040 alle Haushalte vollständig mit erneuerbaren Energien versorgen. Während weltweit die Energie- und Gaspreise steigen, treibt die österreichische Hauptstadt ihre Energiewende mit konkreten Maßnahmen voran.

Scharfe Kritik an Wiener Grünen

Omar Al-Rawi, SPÖ-Gemeinderat und Vorsitzender des Ausschusses für Stadtentwicklung, Mobilität und Wiener Stadtwerke, reagierte scharf auf jüngste Vorwürfe der Wiener Grünen. Diese hatten der Stadt Wien vorgeworfen, beim Ausstieg aus fossilen Brennstoffen zu wenig zu unternehmen.

"Wer wie die Wiener Grünen behauptet, Wien würde beim Ausstieg aus fossilen Brennstoffen schlafen, hat entweder die Entwicklungen der letzten Jahre verschlafen oder betreibt bewusst politische Vernebelung", so Al-Rawi. Die Stadt sei österreichweit Vorreiterin bei der Energiewende.

Wiener Wärmeplan als Fahrplan

Seit 2024 liegt mit dem Wiener Wärmeplan ein konkreter Fahrplan für die Energiewende vor. Während andere Städte noch diskutieren würden, setze Wien bereits um, betont der SPÖ-Politiker. Die Stadt investiert massiv in verschiedene Bereiche der erneuerbaren Energiegewinnung.

Großwärmepumpen im Einsatz

Wien setzt verstärkt auf Großwärmepumpen als nachhaltige Wärmequelle. Die Großwärmepumpe der ebswien Kläranlage versorgt bereits fast 60.000 Haushalte mit Wärme. Seit Dezember 2023 ist diese Anlage in Betrieb und nutzt die Abwärme des Klärprozesses effizient.

Weitere Großwärmepumpen sind bereits etabliert: Beim Kraftwerk Simmering deckt seit 2019 eine Anlage den Bedarf von 25.000 Haushalten. Anfang 2024 ging die Großwärmepumpe Spittelau in Betrieb, die nachhaltige Wärme für 16.000 Wiener Haushalte erzeugt.

Tiefengeothermie in Aspern

Ein besonderes Highlight ist die Tiefengeothermie in Aspern. Diese innovative Technologie hat im Vollausbau das Potenzial, 200.000 Haushalte zu versorgen. Die Probeförderung des "heißesten Wärmeschatzes" der Stadt begann im Herbst 2024 und gewinnt Wärme aus einer Heißwasserquelle in 3.000 Meter Tiefe.

Kreative Abwärmenutzung

Wien nutzt auch kleinere, aber innovative Abwärmequellen. Die Manner-Schnittenfabrik in Ottakring heizt seit zehn Jahren rund 600 Haushalte mit der Abwärme aus dem Schnitten-Ofen. Die Therme Wien verwendet die Restwärme des Badewassers zur Versorgung von 1.900 Wiener Haushalten.

Auch ein Rechenzentrum in Floridsdorf trägt zur nachhaltigen Wärmeversorgung bei und versorgt die Klinik Floridsdorf mit Wärme. Diese Beispiele zeigen, wie vielfältig die Stadt bei der Nutzung von Abwärme vorgeht.

Stromversorgung durch Wind und Sonne

Nicht nur bei der Wärme, auch bei der Stromversorgung setzt Wien konsequent auf erneuerbare Quellen. Mit dem Erwerb von ImWind hat die Stadt einen massiven Ausbau von Wind- und Sonnenenergie sichergestellt.

"Das Sonnen- und Windkraftpotential ist auf einen Schlag so groß geworden, dass wir bis 2030 alle Wiener Haushalte mit sauberem Strom versorgen können und bis 2040 zusätzlich die gesamte Öffi-Flotte und jedes E-Auto", erklärt Al-Rawi die Dimensionen des Projekts.

Spittelau als Effizienz-Vorbild

Die Müllverbrennungsanlage Spittelau demonstriert eindrucksvoll, wie effiziente Energienutzung funktioniert. Sie produziert nicht nur Strom für 30.000 Haushalte und Fernwärme für 60.000 Wiener Haushalte, sondern betreibt auch eine Großwärmepumpe für weitere 16.000 Haushalte.

Mit dieser Dreifachnutzung und einer 95-prozentigen Energienutzung gilt Spittelau als die effizienteste Müllverbrennungsanlage Mitteleuropas. Diese Anlage zeigt beispielhaft, wie aus Abfall nachhaltige Energie gewonnen werden kann.

Fernwärme als Übergangslösung

Derzeit wird etwa die Hälfte der Wiener Fernwärme noch mit gasbefeuerten Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen hergestellt. Dennoch ist die Fernwärme bereits jetzt eine klimaschonende Alternative zu den in Wien noch verbreiteten Gasetagenheizungen – sie verursacht nur etwa ein Zehntel der Emissionen.

Bis 2040 soll die Fernwärme vollständig umweltfreundlich erzeugt werden. Der stetig wachsende Anteil der Wärmeversorgung durch Wärmepumpen trägt bereits jetzt zu diesem Ziel bei.

Energiemix 2040: Vier Säulen der Wärmeversorgung

Der geplante Wärmeerzeugungsmix für 2040 basiert auf vier Hauptbausteinen:

  • 31% Großwärmepumpen und Abwärme
  • 26% Tiefengeothermie
  • 22% erneuerbare KWK-Anlagen und Heizkessel
  • 21% Müllverbrennung

Bereits bis 2030 will Wien Energie 57 Prozent der Fernwärme aus erneuerbarer Wärme und Abwärme erzeugen. Dafür plant das Unternehmen Investitionen von 660 Millionen Euro bis 2030 in erneuerbare Wärmeerzeugung und Kreislaufwirtschaft.

Investitionen in die Zukunft

"Wir investieren laufend aktiv in den Ausbau erneuerbarer Wärme und Energie. Das ist eine klare, sozial verantwortliche Politik für leistbare Energie und Versorgungssicherheit", betont Al-Rawi die Strategie der Stadt.

Die massive Investition in verschiedene Technologien der erneuerbaren Energiegewinnung soll Wien unabhängiger von fossilen Brennstoffen und deren Preisschwankungen machen. Gleichzeitig wird die Versorgungssicherheit erhöht und ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet.

Politische Auseinandersetzung um Energiepolitik

Die scharfe Reaktion Al-Rawis auf die Kritik der Grünen zeigt, wie emotional die Diskussion um die Wiener Energiepolitik geführt wird. "Die Aussagen von Peter Kraus gehen völlig an der Realität vorbei. Das ist Rufschädigung", so der SPÖ-Politiker.

Er fordert eine sachliche Diskussion auf Basis von Fakten: "Die Mindestanforderung einer politischen Auseinandersetzung ist bei den Fakten zu bleiben. Wir in Wien arbeiten Tag für Tag daran, die Stadt noch lebenswerter zu machen – mit einer Energiepolitik, die unabhängig, klimafreundlich und leistbar ist."

Die Wiener Energiewende steht damit im Spannungsfeld zwischen politischen Interessen und technischen Realitäten. Während die einen mehr Tempo fordern, verweisen andere auf bereits erzielte Erfolge und laufende Projekte.

Schlagworte

#Wien#Energiewende#SPÖ#Erneuerbare Energie#Wärmepumpen#Geothermie

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