Mario Körbler fordert in neuem Buch strukturierten Umgang mit Medien
Ein österreichischer IT-Unternehmer kritisiert die frühe Bildschirmnutzung und fehlende digitale Kompetenzen bei Kindern.
Die Digitalisierung hat längst Einzug in die Kinderzimmer gehalten. Bereits Kleinkinder werden regelmäßig vor Bildschirme gesetzt, während grundlegende digitale Kompetenzen oft fehlen. Auf diese bedenkliche Entwicklung macht der IT-Unternehmer Mario Körbler aufmerksam.
"Ich sehe täglich Jugendliche, die stundenlang am Smartphone sind, aber einfache digitale Aufgaben nicht lösen können. Es fehlt an Verständnis und Struktur. Sie nutzen Technologie, beherrschen sie aber nicht", kritisiert Körbler. Der erfahrene Unternehmer, der in Österreich, Deutschland und den USA ausgebildet wurde und ein Unternehmen mit rund 25 Mitarbeitern führt, beobachtet diese Problematik sowohl in seinem beruflichen als auch privaten Umfeld.
Diese Beobachtung spiegelt einen gesellschaftlichen Trend wider: Während Kinder immer früher Zugang zu digitalen Geräten erhalten, entwickeln sie oft keine echte Medienkompetenz. Statt zu verstehen, wie Technologie funktioniert und sinnvoll eingesetzt werden kann, bleiben viele bei der oberflächlichen Nutzung von Apps und sozialen Medien.
Besonders problematisch sieht Körbler den Einsatz von Bildschirmen als Beruhigungsmittel für Kinder. "Kinder werden oft mit Bildschirmen beruhigt. Die Folgen sind Konzentrationsprobleme, Bewegungsmangel und Unsicherheiten", erklärt der Experte. Diese Praxis, bei der Tablets oder Smartphones zur schnellen Ablenkung oder Beschäftigung eingesetzt werden, kann langfristige negative Auswirkungen haben.
Studien zeigen, dass übermäßige Bildschirmzeit in jungen Jahren die Entwicklung wichtiger kognitiver Fähigkeiten beeinträchtigen kann. Kinder, die zu früh und zu häufig digitale Medien nutzen, haben oft Schwierigkeiten bei der Konzentration, zeigen vermehrt hyperaktives Verhalten und entwickeln seltener kreative Problemlösungsstrategien.
Ein weiteres gravierendes Problem ist der Bewegungsmangel, der durch übermäßige Bildschirmzeit entsteht. Während Kinder früher ihre Freizeit hauptsächlich im Freien verbrachten, sitzen sie heute oft stundenlang vor Geräten. Dies hat nicht nur körperliche Auswirkungen wie Haltungsschäden oder Übergewicht, sondern beeinflusst auch die geistige Entwicklung negativ.
Bewegung ist essentiell für die Entwicklung des Gehirns, insbesondere für die Ausbildung von Konzentrationsfähigkeit und emotionaler Regulation. Kinder, die zu wenig körperliche Aktivität haben, zeigen häufiger Verhaltensauffälligkeiten und haben Schwierigkeiten beim Lernen.
Mit seinem neuen Buch "Die Kunst im Chaos zu erziehen" möchte Körbler Eltern praktische Werkzeuge an die Hand geben, um ihre Kinder im Umgang mit digitalen Medien zu stärken. Das Werk richtet sich an Eltern, die sich überfordert fühlen von den Herausforderungen der digitalen Erziehung.
Der Ansatz des IT-Experten ist dabei nicht grundsätzlich technologiefeindlich. Vielmehr geht es darum, einen bewussten und strukturierten Umgang mit digitalen Medien zu entwickeln. Kinder sollen lernen, Technologie als Werkzeug zu verstehen und nicht als Allheilmittel gegen Langeweile oder Unruhe zu nutzen.
Körblers Ansatz basiert auf seiner langjährigen Erfahrung als IT-Unternehmer und Vater. Er plädiert für eine strukturierte Herangehensweise an die digitale Erziehung, bei der klare Regeln und Grenzen definiert werden. Dabei geht es nicht darum, Technologie komplett zu verbannen, sondern um einen bewussten Einsatz.
Wichtig ist laut Körbler, dass Eltern selbst ein Vorbild im Umgang mit digitalen Medien sind. Wenn Erwachsene ständig am Smartphone hängen, können sie von ihren Kindern kaum einen bewussten Medienkonsum erwarten. Die Vorbildfunktion der Eltern ist entscheidend für die Entwicklung gesunder Gewohnheiten.
Konkret empfiehlt der Experte mehrere Maßnahmen für Familien:
Diese Ansätze sollen dabei helfen, dass Kinder einen gesunden Bezug zur Technologie entwickeln und diese als Werkzeug zur Problemlösung verstehen lernen, anstatt sie nur passiv zu konsumieren.
Körbler sieht nicht nur die Eltern in der Verantwortung, sondern auch die Gesellschaft als Ganzes. Schulen, Kindergärten und andere Bildungseinrichtungen müssen seiner Ansicht nach stärker in die Vermittlung digitaler Kompetenzen einbezogen werden. Es reicht nicht aus, Kindern Geräte zur Verfügung zu stellen – sie müssen auch lernen, wie diese sinnvoll eingesetzt werden können.
Der IT-Unternehmer fordert ein Umdenken in der Art, wie Gesellschaft und Bildungssystem mit der Digitalisierung umgehen. Anstatt blindlings jede neue Technologie zu übernehmen, sollte kritisch hinterfragt werden, welchen Mehrwert sie für die Entwicklung von Kindern bietet.
Trotz seiner kritischen Betrachtung der aktuellen Entwicklung zeigt sich Körbler optimistisch. Er ist überzeugt, dass mit der richtigen Herangehensweise eine Generation heranwachsen kann, die sowohl technologisch kompetent als auch emotional ausgeglichen ist. Dafür braucht es jedoch bewusste Entscheidungen von Eltern und Bildungsverantwortlichen.
Das Buch "Die Kunst im Chaos zu erziehen" soll dabei als praktischer Leitfaden dienen und Familien dabei unterstützen, einen bewussten Weg durch die digitale Welt zu finden. Körblers Botschaft ist klar: Technologie kann ein wertvolles Werkzeug sein, aber nur wenn sie bewusst und strukturiert eingesetzt wird.