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True Stories: Richard Steiner – Vom Rotlicht-König zum Buddhisten

ORF beleuchtet spektakulären Fall des Wiener Unterwelt-Bosses

7. April 2026 um 10:12
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Ferdinand Seebacher folgt der Geschichte von Richard Steiner, der trotz erdrückender Beweislage als freier Mann das Gericht verließ.

Es war der größte Mafia-Prozess in der Geschichte der österreichischen Justiz. Auf der Anklagebank saß Richard Steiner, Wiens berüchtigter Rotlicht-Boss der 2000er Jahre. Doch trotz einer scheinbar erdrückenden Beweislage endete der spektakuläre Fall anders als von vielen erwartet. Diese außergewöhnliche Geschichte beleuchtet der ORF am 9. April 2026 um 20.15 Uhr in "True Stories: Richard Steiner – Rotlicht gegen Blaulicht" in ORF 1 und auf ORF ON.

Ein Mann ohne Angst

Richard Steiner war Anfang der 2000er Jahre Wiens unumstrittener Rotlicht-Boss. Um seine Person rankten sich zahlreiche Legenden und Geschichten, die zwischen Wahrheit und Mythos changierten. Aufgrund einer Schädelverletzung im Kindesalter soll er angeblich keine Angst gekannt haben – eine Eigenschaft, die seinen Aufstieg in der Wiener Unterwelt begünstigte.

"Ich war irre und nicht ganz dicht", beschreibt Steiner sich selbst rückblickend in der ORF-Dokumentation. Andere charakterisierten ihn als charismatisch, clever und unglaublich kaltblütig. Diese Mischung aus Eigenschaften machte ihn zu einer der schillerndsten Figuren der österreichischen Kriminalgeschichte.

Ferdinand Seebacher, bekannt als "True Stories"-Host und ab 13. April auch als neuer "Kommissar Rex" in ORF 1, folgt den Spuren dieser außergewöhnlichen Unterweltkarriere und ihrem überraschenden Ende.

Aufstieg im Rotlicht-Milieu der 1990er

Als Steiner in den 1990er Jahren in die Rotlicht-Szene einstieg, war diese für viele ein faszinierendes Milieu. Wien erlebte eine Zeit, in der manche Rotlicht-Größen mit weißen Rolls-Royce durch die Stadt fuhren, während Politik und Prominenz in ihren Lokalen verkehrten. Das Milieu strahlte eine gewisse Faszination aus, die jedoch die dunklen Realitäten überschattete.

Denn wer genauer hinschaute, erkannte die brutalen Mechanismen: Die Rotlicht-Bosse machten ihr Geld mit illegalem Glücksspiel und der Ausbeutung von Frauen, die zur Prostitution gezwungen wurden. Ausbeutung, Gewalt und Verbrechen gehörten zum täglichen Geschäft.

Die "Nokia-Bande"

Steiner revolutionierte das organisierte Verbrechen in Wien durch professionelle Strukturen. Er ließ eigene Security-Truppen organisieren und stattete sie mit den damals neuesten Kommunikationsmitteln aus. Seine Truppe ging als "Nokia-Bande" in die Kriminalgeschichte ein – ein Zeichen für die fortschrittliche Organisation seiner kriminellen Aktivitäten.

Die Polizei konnte oder wollte offenbar nicht so genau hinschauen. "Steiner wollte mit der Polizei gut Freund sein – eine Hand wäscht die andere", erklärt Chronik-Journalistin Brigitte Handlos in der Dokumentation. "Das macht natürlich das Leben für die Exekutive einfacher, weil die Polizei wusste, da brauchen wir nicht hingehen; da hat der Steiner schon aufgeräumt."

Das Jetset-Leben eines Unterwelt-Königs

Zu seinem Höhepunkt führte Richard Steiner ein glamouröses Jetset-Leben. Er pflegte gute Kontakte zur Presse, zur Promiszene und zur Politik. Diese Vernetzung machte ihn zu einer mächtigen Figur im Wiener Untergrund, die scheinbar unantastbar war.

Doch die Zeiten änderten sich dramatisch mit dem Hochkochen der "Sauna-Affäre" – einem öffentlich ausgetragenen Machtkampf zwischen zwei hochrangigen Wiener Polizeibeamten. Diese Affäre erschütterte das etablierte System aus Korruption und stillschweigenden Übereinkommen, das Steiner jahrelang geschützt hatte.

Der Fall des Rotlicht-Königs

Zu Ostern 2010 geschah das für Richard Steiner lange Zeit Unvorstellbare: Er wurde verhaftet. Nach Jahren scheinbarer Unantastbarkeit holte ihn das Gesetz ein. Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft waren umfangreich und schwerwiegend: Schwere Erpressung, Nötigung, Körperverletzung, betrügerische Krida und als Hauptvorwurf die Gründung einer mafiaähnlichen Vereinigung.

Jahrelange Ermittlungen

Jahrelang hatten Staatsanwaltschaft und Polizei gegen Steiner ermittelt – auch mit Hilfe einer damals neuen Form der Überwachung, dem "Großen Lauschangriff". Büros, Fahrzeuge und Wohnungen wurden verwanzt. Jeder, der auch nur im Entferntesten mit Richard Steiner zu tun hatte, wurde überprüft.

Michael Möseneder, der Steiners Prozess als Journalist begleitete, erinnert sich an die Atmosphäre: "Die Erwartungshaltung war sehr groß. Man ging davon aus, dass man da die Mafia und den Paten hat." Die Medien und die Öffentlichkeit erwarteten einen spektakulären Prozess mit einer entsprechenden Verurteilung.

Der überraschende Freispruch

Mehr als 500 Tage saß Steiner in Untersuchungshaft. Hundert Stunden belastendes Material sollten gegen ihn vorliegen, dazu zahlreiche Aussagen von Zeuginnen und Zeugen. Die Beweislage schien erdrückend zu sein.

Doch nach mehr als 30 Verhandlungstagen wurde klar: An Richard Steiner blieb nichts hängen. Der langjährige Unterwelt-König verließ das Gericht als freier Mann – ein Ausgang, den so niemand erwartet hatte.

Ein neues Leben in Luxemburg

Heute führt Richard Steiner ein völlig anderes Leben. Er lebt gutbürgerlich in Luxemburg, hat Ehefrau und Kinder, ernährt sich vegan und folgt den Regeln des Buddhismus. Die Transformation vom gefürchteten Unterwelt-Boss zum friedlichen Familienvater könnte kaum drastischer sein.

Die Produktion der ORF-Dokumentation

Die von HolyScreen Media für den ORF produzierte "True Stories"-Ausgabe "Richard Steiner – Rotlicht gegen Blaulicht" wurde von Daniela Bernhart, Claudia Bräuer und Katja Ilnizki realisiert. Die Dokumentation zeichnet nicht nur Steiners Entwicklung zum Rotlicht-Boss nach, sondern beleuchtet auch die problematische Rolle der Polizei in diesem Fall.

Für die Produktion sprachen die Macherinnen mit Kriminalisten, Zeitzeuginnen und Zeitzeugen sowie Expertinnen und Experten. Sie zeigen auf, wie sich das Rotlicht-Milieu in den vergangenen Jahrzehnten gewandelt hat und welche gesellschaftlichen Faktoren zu Steiners Aufstieg beitrugen.

Reflexion über Justiz und Gesellschaft

Die Dokumentation wirft wichtige Fragen auf: Wie konnte es dazu kommen, dass trotz jahrelanger Ermittlungen und umfangreichem Beweismaterial keine Verurteilung erfolgte? Was sagt dies über das österreichische Justizsystem aus? Und welche Rolle spielten Korruption und politische Verstrickungen?

Ferdinand Seebacher führt die Zuschauer durch diese komplexe Geschichte, die mehr als nur die Biografie eines Kriminellen ist – sie ist ein Spiegel der österreichischen Gesellschaft der 1990er und 2000er Jahre.

Das Ende einer Ära

Richard Steiners Geschichte markiert das Ende einer Ära in der österreichischen Kriminalgeschichte. Seine Zeit als Rotlicht-König fiel in eine Phase, in der die Grenzen zwischen legalen und illegalen Geschäften, zwischen Unterwelt und Establishment oft verschwammen.

Die Dokumentation zeigt auch, wie sich das Rotlicht-Milieu seither verändert hat. Die Zeit der großen, öffentlichkeitswirksamen Paten scheint vorbei zu sein. Das organisierte Verbrechen hat sich professionalisiert und ist diskreter geworden.

"True Stories: Richard Steiner – Rotlicht gegen Blaulicht" ist mehr als eine Kriminalgeschichte – es ist eine Zeitreise in ein Wien, das es so nicht mehr gibt, und eine Reflexion über Macht, Korruption und die Grenzen der Justiz in einer demokratischen Gesellschaft.

Schlagworte

#ORF#True Stories#Richard Steiner#Kriminalfall#Wien#Rotlicht-Milieu#Dokumentation

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