Staatssekretärin Zehetner und Österreich Werbung beraten mit Branchenvertretern über Auswirkungen und Chancen
Die geopolitische Lage im Nahen Osten beeinflusst Flugverkehr und Buchungsverhalten. Österreich setzt auf Stabilität und gute Erreichbarkeit.
Die anhaltenden Spannungen im Nahen Osten, insbesondere der Iran-Konflikt, zeigen erste Auswirkungen auf den österreichischen Tourismus. Staatssekretärin Elisabeth Zehetner und die Österreich Werbung (ÖW) haben deshalb kurzfristig eine Krisensitzung mit allen wichtigen Akteuren der Tourismusbranche einberufen.
Am Dienstag kamen Vertreter der Landestourismusorganisationen, der Wirtschaftskammer Österreich, der Österreichischen Hoteliervereinigung sowie von Reisebüros und Flughäfen zusammen, um die aktuelle Situation zu bewerten. Im Fokus standen die Auswirkungen auf internationale Verkehrsströme, Flugpreise und das Buchungsverhalten von Urlaubern.
Die Einschätzungen der Experten zeichnen ein differenziertes Bild: Während die Gesamtlage angespannt bleibt, ist derzeit kein genereller Nachfrageeinbruch erkennbar. Die Auswirkungen variieren stark je nach Zielmarkt, Kundensegment und Erreichbarkeit.
Besonders spürbar sind die Veränderungen bei Gruppenreisen, preissensiblen Reisesegmenten und Märkten, die stark von den Golf-Drehkreuzen abhängig sind. Umleitungen und veränderte Verkehrsströme führen zu höheren Kosten im internationalen Flugverkehr, wobei die grundlegende Erreichbarkeit Österreichs weiterhin gewährleistet bleibt.
"Die aktuelle Lage verlangt Wachsamkeit, laufende Anpassung und einen sehr engen Austausch mit der Branche. Wir sehen keinen flächendeckenden Einbruch, aber sehr wohl spürbare Verschiebungen bei Erreichbarkeit, Preisen und Buchungsverhalten", erklärt Staatssekretärin Elisabeth Zehetner.
Trotz der internationalen Verwerfungen bleibt die Lage für Österreich insgesamt stabil. Europa erweist sich weiterhin als sicherer und gut planbarer Reiseraum, wobei Österreich gerade in diesem Umfeld mit Stabilität, Qualität und guter Erreichbarkeit punkten kann.
Der europäische Luftverkehr zeigt sich robust, und auch die Versorgung mit Kerosin ist gesichert. Die operative Stabilität des österreichischen Luftverkehrsstandorts bleibt trotz der geopolitischen Spannungen gewährleistet.
Bei Gästen aus den USA zeigen sich derzeit noch keine wesentlichen Veränderungen, wenngleich bei längerer Dauer des Konflikts eine gewisse Zurückhaltung im mittleren Preissegment nicht ausgeschlossen wird. Das Bild im asiatisch-pazifischen Raum ist differenziert: Während sich Ostasien vergleichsweise robust entwickelt, geraten Südostasien und insbesondere Australien aufgrund der stärkeren Abhängigkeit von Golf-Airlines deutlicher unter Druck.
Gleichzeitig verstärkt sich der Trend zu individuelleren Reisen, während das gehobene und Luxussegment robuster bleibt. Aus den Golfstaaten gibt es derzeit keine grundsätzliche Abkehr von Europa oder Österreich - vielmehr werden Reisen häufig aufgeschoben statt vollständig abgesagt.
Österreich profitiert insbesondere in asiatischen Märkten von seiner Direktanbindung. In einem Umfeld, in dem unsichere Umsteigeverbindungen und höhere Flugkosten das Reiseverhalten beeinflussen, wird direkte Erreichbarkeit zu einem wichtigen Wettbewerbsvorteil.
"Gerade in geopolitisch unsicheren Zeiten zeigt sich: Österreich ist kein Einmarkt-Land. Ein Rückgang aus dem arabischen Raum ist spürbar – gleichzeitig kommen rund 80 Prozent unserer Gäste aus Europa und geben uns Stabilität", betont ÖW-Geschäftsführerin Astrid Steharnig-Staudinger.
Die breite internationale Aufstellung macht Österreich resilient gegenüber Krisen in einzelnen Märkten. Der Auftrag der Österreich Werbung ist klar definiert: In den betroffenen Ländern präsent bleiben, Österreich als sicheres, hochwertiges Reiseland positionieren und die Tourismusbranche laufend mit aktuellen Einschätzungen aus den Märkten versorgen.
Besondere Aufmerksamkeit gilt den wirtschaftlich wertvollen Fernmärkten und hochwertigen touristischen Segmenten. Obwohl ihr Anteil an den Gesamtnächtigungen überschaubar ist, sind ihre Ausgaben überdurchschnittlich hoch und ihre Nachfrage regional stark konzentriert.
"Der Rückgang bei Gästen aus dem Nahen Osten und aus Fernmärkten, die über die großen Drehkreuze in der Region nach Europa reisen, hinterlässt Spuren in der Hotellerie – in beliebten Hotspots und dort vor allem in der Qualitätshotellerie deutlich stärker als im Durchschnitt", erklärt ÖHV-Präsident Walter Veit.
Gleichzeitig machen sich Österreichs Stärken auf den Nahmärkten bezahlt: Nähe, Qualität und Sicherheit. Hotels und Destinationen reagieren rasch und legen den Fokus in Marketing und Vertrieb gezielt auf die Nahmärkte, um die Ausfälle zu kompensieren.
Im Rahmen der Krisensitzung wurde vereinbart, die Lage weiterhin engmaschig zu beobachten und den Austausch zwischen Bund, Österreich Werbung, Ländern und Branche laufend fortzusetzen. Das Ziel bleibt, Veränderungen bei Nachfrage, Erreichbarkeit und internationalen Verkehrsströmen frühzeitig zu erkennen.
"Österreich hat gerade in einer geopolitisch angespannten Lage einen klaren Vorteil: Verlässlichkeit. Genau das ist für viele Gäste heute ein zentrales Entscheidungskriterium", so Zehetner abschließend. "Klar ist aber auch, dass eine weitere Zuspitzung der Krise auch den heimischen Tourismus stärker treffen würde."
Die österreichische Tourismuspolitik setzt auf einen nüchternen Blick auf die Lage, enge Koordination und eine Politik, die Belastungen ernst nimmt und Chancen aktiv nutzt. Die Position Österreichs als sicherer, verlässlicher und qualitativ starker Tourismusstandort soll bestmöglich abgesichert werden.
Während andere Destinationen mit Unsicherheiten kämpfen, kann Österreich seine Stärken ausspielen: politische Stabilität, hohe Servicequalität, gute Infrastruktur und die zentrale Lage in Europa. Diese Faktoren könnten sich in unsicheren Zeiten als entscheidende Wettbewerbsvorteile erweisen.