Grüne fordern SPÖ zu konkreten Taten bei Studierendenförderung auf
IHS-Studie zeigt dramatische Verschlechterung: Wohnkosten um 51% gestiegen, Studierende arbeiten 20 Stunden pro Woche aus finanzieller Not.
Eine heute präsentierte Studie des Instituts für Höhere Studien (IHS) zur sozialen Lage der Studierenden in Österreich offenbart dramatische Entwicklungen: Die finanzielle Belastung für Studierende hat ein kritisches Ausmaß erreicht. Besonders drastisch zeigt sich die Situation beim Wohnen – hier sind die Kosten seit 2015 um massive 51 Prozent gestiegen.
Die stellvertretende Klubobfrau und Wissenschaftssprecherin der Grünen, Sigrid Maurer, nimmt die Ergebnisse zum Anlass für scharfe Kritik an Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ). "Die Ergebnisse der Studie bestätigen einmal mehr, was viele Studierende tagtäglich erleben: Die finanzielle Belastung ist enorm", so Maurer in einer Stellungnahme.
Die Wohnsituation stellt für österreichische Studierende das größte finanzielle Problem dar. Mit einem Anstieg von 51 Prozent seit 2015 haben sich die Wohnkosten zu einer existenziellen Bedrohung für viele junge Menschen entwickelt. "Die Mieten fressen die Budgets der Studierenden gnadenlos auf", kritisiert Maurer die Entwicklung.
Besonders problematisch ist dabei die Diskrepanz zwischen politischen Versprechen und der Realität. Die SPÖ hatte im Wahlkampf mit dem Slogan geworben, dass Wohnen wieder leistbar werden müsse. "Doch bei den Studierenden kommt davon absolut nichts an", moniert die Grünen-Politikerin. Selbst die im Regierungsprogramm verankerte Studierendenheimförderung sei bisher nicht umgesetzt worden.
Die Situation verschärft sich dadurch, dass ausreichende und leistbare Studierendenheimplätze nach wie vor Mangelware sind. Viele Studierende sind daher auf den privaten Wohnungsmarkt angewiesen, wo sie mit drastisch gestiegenen Mietpreisen konfrontiert werden. Dies betrifft nicht nur Wien, sondern auch andere Universitätsstädte in Österreich.
Die steigenden Wohnkosten haben direkte Auswirkungen auf die Studienfinanzierung und zwingen viele Studierende zu verstärkter Erwerbstätigkeit, was wiederum die Studiendauer verlängert und den Studienerfolg gefährdet.
Neben dem Wohnen bereitet auch die tägliche Verpflegung vielen Studierenden zunehmend Sorgen. Maurer sieht hier ebenfalls akuten Handlungsbedarf: "Viele Studierende können sich ein warmes, gesundes Essen schlicht nicht mehr leisten."
Das von der Regierung angekündigte 5-Euro-Mensa-Menü wird zwar als positives Signal gewertet, reiche aber bei weitem nicht aus. Maurer fordert: "Es ist höchste Zeit, dass die seit fast einem Jahr bestehende Arbeitsgruppe endlich Ergebnisse liefert. Wir brauchen eine dauerhafte Lösung für leistbare Mensen statt ewiger Prüfberichte und Ankündigungen."
Die steigenden Lebenshaltungskosten machen gesunde Ernährung für viele Studierende zu einem Luxusgut. Dies hat nicht nur unmittelbare Auswirkungen auf die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Studierenden, sondern verstärkt auch soziale Ungleichheiten im Bildungsbereich.
Ein besonders besorgniserregender Befund der IHS-Studie ist die hohe Erwerbstätigkeit unter Studierenden. Im Schnitt arbeiten Studierende 20 Stunden pro Woche – nicht aus freien Stücken, sondern aus bitterer finanzieller Notwendigkeit.
"Dass Studierende im Schnitt 20 Stunden pro Woche arbeiten müssen, ist kein Zeichen von Flexibilität, sondern bittere finanzielle Notwendigkeit", betont Maurer. Diese Entwicklung habe schwerwiegende Folgen: Wer gezwungen sei, sein Studium zur Nebensache zu machen, leide unter längeren Studienzeiten und erhöhtem Druck.
Die hohe Erwerbsquote unter Studierenden verstärkt soziale Ungleichheiten, statt sie abzubauen. Studierende aus einkommensschwächeren Familien sind besonders betroffen und haben dadurch schlechtere Chancen auf einen erfolgreichen Studienabschluss in angemessener Zeit. Dies zementiert bestehende soziale Strukturen und erschwert den Bildungsaufstieg.
Gleichzeitig führt die Notwendigkeit, während des Studiums zu arbeiten, zu einer Verlängerung der Studienzeit, was wiederum höhere Gesamtkosten für die Studierenden bedeutet – ein Teufelskreis, der besonders Studierende aus ärmeren Verhältnissen trifft.
Die Studie bestätigt auch, dass Bildungschancen in Österreich nach wie vor stark vom Elternhaus abhängen. Studierende aus bildungsfernen oder einkommensschwachen Familien haben deutlich schlechtere Voraussetzungen für ein erfolgreiches Studium.
Diese "vererbten Bildungschancen" stehen im Widerspruch zu den Zielen einer gerechten Bildungspolitik. Maurer warnt: "Steigende Wohnkosten, vererbte Bildungschancen und der massive Druck, nebenbei arbeiten zu müssen, gefährden die soziale Gerechtigkeit an unseren Hochschulen."
Die Grünen-Politikerin übt scharfe Kritik an der Diskrepanz zwischen politischen Ankündigungen und deren Umsetzung. "Die Herausforderungen sind seit Jahren bekannt und werden von der Sozialdemokratie oft genug rhetorisch beschworen", so Maurer.
Besonders frustierend für die Studierenden sei, dass selbst konkrete Maßnahmen aus dem Regierungsprogramm nicht umgesetzt würden. Die angekündigte Studierendenheimförderung lasse weiter auf sich warten, während sich die Situation für die Betroffenen täglich verschlechtere.
Mit Blick auf die demografische Entwicklung und den steigenden Bedarf an Hochschulabsolventen wächst der Handlungsdruck. Österreich kann es sich nicht leisten, talentierte junge Menschen durch finanzielle Hürden vom Studium abzuhalten oder deren Studienerfolg zu gefährden.
Maurer richtet klare Forderungen an Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner: "Jetzt liegt die Verantwortung bei der Wissenschaftsministerin. Die Daten liegen auf dem Tisch. Was jetzt folgen muss, sind konkrete Taten statt bloßer politischer Absichtserklärungen."
Konkret fordert Maurer:
Die Ergebnisse der IHS-Studie haben weitreichende Bedeutung für die österreichische Bildungs- und Sozialpolitik. Sie zeigen auf, dass die soziale Gerechtigkeit im Hochschulsystem gefährdet ist und dringender Handlungsbedarf besteht.
Ohne entsprechende Gegenmaßnahmen droht Österreich nicht nur die Verschärfung sozialer Ungleichheiten, sondern auch die Gefahr, wichtige Bildungspotenziale zu verschenken. Dies würde langfristig sowohl der Gesellschaft als auch der Wirtschaft schaden.
Die Grünen-Politikerin Maurer appelliert abschließend: "Den großen Versprechen in puncto Gerechtigkeit müssen nun auch messbare Taten folgen, um das Vertrauen der Studierenden nicht zu enttäuschen." Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Regierung bereit ist, ihre Versprechen einzulösen oder ob die Studierenden weiterhin auf sich allein gestellt bleiben.