Europol-Operation deckt massiven illegalen Arzneimittelhandel auf
Großeinsatz in 30 Ländern stellt gefälschte Medikamente im Millionenwert sicher. Experten warnen vor wachsenden Gesundheitsrisiken.
Ein internationaler Großeinsatz gegen den illegalen Arzneimittelhandel hat das erschreckende Ausmaß des Problems verdeutlicht: Im Rahmen der von Europol koordinierten Operation SHIELD VI wurden zwischen April und November 2025 in 30 Ländern gefälschte Medikamente und illegale Produkte im Wert von rund 33 Millionen Euro sichergestellt.
Die Bilanz der europaweiten Schwerpunktaktion ist alarmierend: Rund 140.000 Arzneimittelpackungen, etwa 3,3 Tonnen Pulver und Rohmaterial, rund 900 Liter konzentrierte Wirkstoffe, etwa 3,2 Millionen Tabletten sowie knapp 920.000 Ampullen und Fläschchen wurden aus dem Verkehr gezogen. Diese Zahlen verdeutlichen die hohe Aktivität krimineller Netzwerke im Bereich gefälschter Medikamente.
"Die Bilanz der Operation führt uns vor Augen, dass der Handel mit gefälschten Arzneimitteln ein massives Problem bleibt, das wir weiterhin mit aller Entschlossenheit bekämpfen müssen", warnt Alexander Herzog, Generalsekretär der PHARMIG, der österreichischen Interessenvertretung der Pharmaindustrie.
Bei den beschlagnahmten Präparaten handelte es sich um ein breites Spektrum illegaler Produkte. Besonders betroffen waren vermeintliche Gewichtsreduktionsmittel, Dopingmittel und anabole Steroide. Auch falsche Nahrungsergänzungsmittel und gefälschte medizinische Geräte wurden sichergestellt. Diese Vielfalt zeigt, dass kriminelle Netzwerke praktisch alle Bereiche des Gesundheitswesens infiltrieren.
Die Gefahr für Konsumenten ist dabei besonders hoch: "Diese Fake-Produkte unterliegen keiner Qualitätskontrolle, werden unter mangelhaften Bedingungen hergestellt und können gefährliche Inhaltsstoffe enthalten. Damit wird die Gesundheit der Patientinnen und Patienten bewusst aufs Spiel gesetzt", erklärt Herzog die Risiken.
Ein wichtiger Erfolg der Operation war die Stilllegung von 66 Webseiten krimineller Anbieter. Das Internet hat sich als Hauptvertriebsweg für gefälschte Arzneimittel etabliert, da hier die Kontrolle besonders schwierig ist und Verbraucher oft nicht zwischen seriösen und dubiosen Anbietern unterscheiden können.
Bereits im Vorjahr hatte die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) vor illegalen und gesundheitsgefährdenden Präparaten gewarnt, die über das Internet verkauft werden. Diese Warnungen haben offensichtlich nichts an ihrer Aktualität verloren.
Auch in Österreich ist das Problem des illegalen Arzneimittelhandels präsent. Der im vergangenen Jahr veröffentlichte Produktpirateriebericht des Finanzministeriums zeigt, dass 378.000 gefälschte oder illegale Medikamente beschlagnahmt wurden. Diese Zahlen unterstreichen, dass der illegale Handel auch hierzulande aktiv ist.
Die österreichischen Behörden arbeiten eng mit den internationalen Partnern zusammen, um gegen diese Form der Kriminalität vorzugehen. Dennoch bleibt das Problem bestehen und erfordert kontinuierliche Anstrengungen aller Beteiligten.
Die Gefahren gefälschter Arzneimittel gehen weit über finanzielle Schäden hinaus. Da diese Produkte keiner Qualitätskontrolle unterliegen, können sie verschiedenste Risiken bergen:
Besonders problematisch ist, dass Verbraucher oft erst durch gesundheitliche Probleme merken, dass sie gefälschte Medikamente erhalten haben. In vielen Fällen kann dann bereits irreparabler Schaden entstanden sein.
"Der einfachste Weg, um Fälschern das Handwerk zu legen, ist, auf Arzneimittel aus unsicheren Quellen gänzlich zu verzichten", betont Herzog. "Wer seine Gesundheit nicht aufs Spiel setzen will, sollte Arzneimittel ausschließlich in Apotheken oder bei zertifizierten Online-Apotheken beziehen."
Für Verbraucher gibt es klare Orientierungshilfen: Das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) führt eine Liste zertifizierter und damit sicherer Versandapotheken. Diese Liste ist öffentlich zugänglich und bietet einen verlässlichen Überblick über legale Online-Anbieter.
Die Operation SHIELD VI zeigt die Bedeutung internationaler Zusammenarbeit im Kampf gegen gefälschte Arzneimittel. Nur durch koordiniertes Vorgehen können die grenzüberschreitend agierenden kriminellen Netzwerke effektiv bekämpft werden.
Europol koordiniert dabei nicht nur die Operationen, sondern stellt auch wichtige Ressourcen für die Analyse und Verfolgung dieser Verbrechen zur Verfügung. Die Zusammenarbeit zwischen Strafverfolgungsbehörden, Zollbehörden und der Pharmaindustrie ist dabei essentiell.
Obwohl die Operation SHIELD VI erfolgreich war, ist der Kampf gegen gefälschte Arzneimittel noch lange nicht gewonnen. Die PHARMIG und ihre rund 120 Mitgliedsfirmen, die den österreichischen Medikamentenmarkt zu gut 95 Prozent abdecken, setzen sich weiterhin für eine sichere Arzneimittelversorgung ein.
Die Herausforderung bleibt groß: Kriminelle Netzwerke passen sich schnell an neue Gegebenheiten an und finden immer wieder neue Wege, ihre gefälschten Produkte zu vertreiben. Umso wichtiger ist es, dass Verbraucher sensibilisiert bleiben und konsequent auf seriöse Bezugsquellen setzen.
Die Erfolge von Operationen wie SHIELD VI zeigen jedoch, dass der internationale Kampf gegen Arzneimittelfälschungen Wirkung zeigt. Mit kontinuierlichen Anstrengungen aller Beteiligten lässt sich das Risiko für Verbraucher weiter reduzieren und die öffentliche Gesundheit besser schützen.