Altbau-Mietencheck der Arbeiterkammer zeigt nach zwei Jahren Erfolg gegen überhöhte Mieten
Seit 2022 hilft die AK Wien mit kostenlosem Mietencheck gegen überteuerte Altbau-Mieten. Bilanz: 3.600 Beratungen, 1,34 Millionen Euro zurückgeholt.
Die Arbeiterkammer Wien zieht nach zwei Jahren eine erfolgreiche Bilanz ihres kostenlosen Altbau-Mietenchecks. Seit dem Start des Services im Jahr 2022 haben sich rund 3.600 Mieterinnen und Mieter an die AK gewandt, um ihre Miete überprüfen zu lassen. Das Ergebnis: Die AK konnte für Betroffene insgesamt 1,34 Millionen Euro von Vermietern zurückholen.
Das kostenlose Service der AK Wien richtet sich speziell an Mieter von Altbau-Wohnungen, die unter den Richtwertmietzins fallen. In Wien betrifft das etwa zwei Drittel aller privaten Altbau-Mietwohnungen. Das Problem: Die gesetzlichen Bestimmungen zum Richtwertmietzins sind oft unklar und kompliziert zu berechnen, was häufig zu überhöhten Mietzinsvereinbarungen führt.
Obwohl das Interesse groß ist, scheuen viele Mieter vor rechtlichen Schritten zurück. Besonders Personen mit befristeten Mietverträgen fürchten, dass diese nach einem Verfahren nicht mehr verlängert werden. Diese Sorge ist nicht unbegründet, da befristete Verträge in Österreich weit verbreitet sind und Mieter dadurch in eine schwächere Verhandlungsposition geraten.
Trotz dieser Hürden haben sich etwa 700 Mieterinnen und Mieter dazu entschieden, mit Hilfe der AK ein Verfahren vor Gericht oder bei Schlichtungsstellen zu führen. Rund 200 dieser Verfahren sind bereits abgeschlossen, oft durch Vergleiche zwischen den Parteien.
Die Zahlen sprechen für sich: Im Durchschnitt erhielten Mieter etwa 6.700 Euro zurück. Zusätzlich zur Rückzahlung überhöhter Beträge konnten die laufenden Mieten für viele Betroffene erheblich gesenkt werden, was langfristige Einsparungen bedeutet.
Ein konkreter Fall zeigt die Wirksamkeit des Services: Herr P. hatte 2019 einen befristeten Mietvertrag für eine 46 Quadratmeter große Wohnung im 2. Bezirk abgeschlossen. Während seiner Mietdauer stieg der Hauptmietzins um knapp 15 Prozent. Zusätzlich stellte sich heraus, dass die Wohnung tatsächlich fünf Quadratmeter kleiner war als im Vertrag angegeben.
Nachdem sich Herr P. 2023 beim AK Altbau-Mietencheck registriert hatte, überprüfte die AK seinen Mietzins und führte ein Verfahren bei der Schlichtungsstelle der MA 50. Das Ergebnis: Im Februar 2024 wurde ein Vergleich geschlossen, der dem Mieter 18.000 Euro Rückzahlung zusicherte.
Neben der direkten Hilfe für Mieter leistet die AK Wien auch wichtige Arbeit für die Rechtssicherheit. Durch die zahlreichen Verfahren werden strittige Rechtsfragen geklärt, was letztendlich allen Mietern zugutekommt. Die Urteile und Vergleiche schaffen Präzedenzfälle, die bei künftigen Streitigkeiten herangezogen werden können.
Das Service der AK ist für Mitglieder völlig kostenlos und risikofrei. Auch wenn ein Verfahren nicht erfolgreich sein sollte, entstehen den Mietern keine Kosten. Diese Absicherung macht es für Betroffene einfacher, ihre Rechte durchzusetzen.
Die Arbeiterkammer Wien sieht in den Ergebnissen des Mietenchecks auch einen Auftrag für politische Reformen. Die AK fordert ein modernes, klareres Mietrecht mit transparenten Mietzinsobergrenzen. Befristungen sollen grundsätzlich abgeschafft werden, mit Ausnahmen nur für Privatpersonen als Vermieter.
Besonders wichtig ist der AK auch eine Verschärfung der Strafen bei Mietwucher. Derzeit sind die Konsequenzen für Vermieter, die bewusst überhöhte Mieten verlangen, oft zu gering, um eine abschreckende Wirkung zu haben.
Das österreichische Mietrecht kennt verschiedene Kategorien von Mietwohnungen. Altbau-Wohnungen, die vor 1945 errichtet wurden und unter den Vollanwendungsbereich des Mietrechtsgesetzes fallen, unterliegen grundsätzlich dem Richtwertmietzins. Dieser wird regelmäßig angepasst und beträgt derzeit etwa 5,81 Euro pro Quadratmeter und Monat.
Allerdings können verschiedene Zu- und Abschläge die tatsächlich zulässige Miete erheblich beeinflussen. Zuschläge sind etwa für besonders gute Lage, hochwertige Ausstattung oder möblierte Vermietung möglich. Abschläge gibt es beispielsweise bei schlechter Ausstattung oder ungünstiger Lage.
Die Berechnung dieser Zu- und Abschläge ist komplex und erfordert detaillierte Kenntnisse des Mietrechts. Hier setzt der Service der AK an: Experten prüfen jeden Fall individuell und können beurteilen, ob die verlangte Miete den gesetzlichen Bestimmungen entspricht.
Der AK Altbau-Mietencheck ist online unter wien.arbeiterkammer.at/altbaumietencheck verfügbar. Telefonische Beratung gibt es unter der Nummer 01 50165 1343, und zwar montags bis freitags von 8.00 bis 12.00 Uhr sowie dienstags zusätzlich von 15.00 bis 18.00 Uhr.
Für eine Überprüfung benötigen Mieter ihren Mietvertrag sowie aktuelle Mietzinsvorschreibungen. Die AK-Experten analysieren dann die Rechtmäßigkeit der verlangten Miete und beraten über mögliche nächste Schritte.
Die Erfolge des AK-Mietenchecks zeigen ein grundsätzliches Problem am Wiener Wohnungsmarkt auf: Viele Vermieter verlangen mehr Miete, als gesetzlich zulässig ist. Dies betrifft vor allem den privaten Altbau-Sektor, der einen erheblichen Teil des Wiener Mietmarktes ausmacht.
Für Mieter ist es oft schwierig, ihre Rechte zu kennen und durchzusetzen. Das Service der AK schließt diese Lücke und trägt dazu bei, dass das geltende Mietrecht auch tatsächlich eingehalten wird. Langfristig könnte dies zu einer Entspannung am angespannten Wiener Mietmarkt beitragen.
Die Forderung der AK nach einem klareren Mietrecht ist vor dem Hintergrund der gesammelten Erfahrungen nachvollziehbar. Ein transparenteres System würde sowohl Mietern als auch Vermietern mehr Rechtssicherheit geben und könnte die Zahl der Streitfälle reduzieren.