Trotz wachsendem Bewusstsein fehlen vielen Österreichern sichere Alternativen für den Heimweg nach dem Feiern
Eine aktuelle ÖAMTC-Umfrage unter 1.049 Personen zeigt: Während das Bewusstsein für die Gefahren von Alkohol am Steuer steigt, nennen immer mehr Menschen fehlende Alternativen als Grund für alkoholisierte Fahrten.
Die Weihnachtsfeiertage und der Jahreswechsel stehen vor der Tür – und damit auch zahlreiche gesellige Anlässe, bei denen gerne ein Gläschen getrunken wird. Doch wie steht es um das Bewusstsein der Österreicherinnen und Österreicher, wenn es um Alkohol im Straßenverkehr geht? Eine aktuelle Online-Umfrage des ÖAMTC unter 1.049 Personen liefert aufschlussreiche Einblicke – mit erfreulichen Entwicklungen, aber auch besorgniserregenden Trends.
Die gute Nachricht vorweg: Der Leitsatz "Don't drink and drive" hat sich in der österreichischen Gesellschaft fest etabliert. Laut der aktuellen Erhebung stimmen 80 Prozent der Befragten diesem Grundsatz zu. ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger sieht darin einen wichtigen gesellschaftlichen Konsens, der jedoch im Alltag nicht immer konsequent umgesetzt wird.
Besonders bemerkenswert: 62 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, schon einmal aktiv eingegriffen und jemanden am Fahren gehindert zu haben, der offensichtlich durch Alkohol oder Medikamente beeinträchtigt war. Diese Form der gegenseitigen Verantwortung kann im Ernstfall Leben retten und zeigt, dass viele Menschen bereit sind, auch unbequeme Situationen in Kauf zu nehmen, um Unfälle zu verhindern.
Weniger erfreulich gestaltet sich die Entwicklung beim sozialen Umgang mit Abstinenz. Zwar wird bei 76 Prozent der Befragten im Freundeskreis akzeptiert, wenn jemand keinen Alkohol trinkt. Doch im Vergleich zur letzten Umfrage aus dem Jahr 2017, als noch 81 Prozent von einer solchen Akzeptanz berichteten, ist dieser Wert um fünf Prozentpunkte gesunken.
Gleichzeitig müssen sich heute wieder mehr Menschen für ihre Abstinenz rechtfertigen: 13 Prozent geben an, Gründe für ihren Alkoholverzicht nennen zu müssen. Vor acht Jahren lag dieser Wert bei lediglich sieben Prozent – nahezu eine Verdoppelung. Besonders in der jüngeren Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen wird laut Umfrage häufiger versucht, jemanden doch noch zum Alkoholkonsum zu überreden.
Diese Entwicklung gibt Anlass zur Sorge. Denn wer sich in geselligen Runden unter Druck gesetzt fühlt, trifft möglicherweise Entscheidungen, die er oder sie später bereut – im schlimmsten Fall mit fatalen Konsequenzen.
Trotz des zunehmenden sozialen Drucks zeigt sich beim persönlichen Fahrverhalten eine erfreuliche Entwicklung. Ein Drittel der Befragten gibt mittlerweile an, niemals Alkohol zu trinken, wenn sie ein Fahrzeug lenken. Im Jahr 2017 war es nur knapp ein Viertel, das so konsequent auf Alkohol verzichtete.
Auch die Zahl jener, die zugeben, "wahrscheinlich doch über die Promille-Grenze getrunken zu haben", ist deutlich gesunken. Aktuell räumen etwa 20 Prozent der Befragten ein solches Verhalten ein – vor acht Jahren waren es mit 34 Prozent noch deutlich mehr. Der Trend geht damit klar in die richtige Richtung.
Dennoch mahnt Verkehrspsychologin Seidenberger zu mehr Konsequenz: Es brauche noch mehr Entschlossenheit, in vergleichbaren Situationen auf das Lenken eines Fahrzeugs zu verzichten. Denn auch wenn 20 Prozent eine deutliche Verbesserung gegenüber 34 Prozent darstellen, bedeutet dies immer noch, dass jeder fünfte Befragte sich schon einmal alkoholisiert hinters Steuer gesetzt hat.
Die vielleicht besorgniserregendste Erkenntnis der Umfrage betrifft die Gründe für alkoholisierte Fahrten. Mehr als die Hälfte der Befragten nennt aktuell mangelnde Alternativen als Grund dafür, sich trotz Alkoholkonsums hinters Steuer zu setzen. Im Jahr 2017 war es lediglich ein Drittel.
Dieser deutliche Anstieg zeigt, dass sich weniger Menschen vorab überlegen, wie sie nach dem Alkoholkonsum sicher nach Hause kommen. Die Möglichkeiten sind dabei vielfältig: sich abholen lassen, ein Taxi oder einen Fahrtendienst nutzen, öffentliche Verkehrsmittel in Anspruch nehmen oder in der Nähe des Feierortes übernachten.
Besonders in ländlichen Regionen, wo das Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln oft eingeschränkt ist und Taxidienste nicht rund um die Uhr verfügbar sind, stellt dieser Mangel an Alternativen eine echte Herausforderung dar. Umso wichtiger ist eine vorausschauende Planung: Wer weiß, dass er feiern und Alkohol konsumieren wird, sollte sich bereits vor der Veranstaltung Gedanken über den sicheren Heimweg machen.
Interessante Einblicke liefert die Umfrage auch zum Thema Polizeikontrollen. Mehr als ein Drittel der Befragten kam in den vergangenen fünf Jahren in eine Alkohol-Kontrolle der Polizei. Gleichzeitig gaben jedoch 66 Prozent an, bisher noch nie kontrolliert worden zu sein.
Diese Zahlen verdeutlichen, dass trotz regelmäßiger Schwerpunktaktionen der Polizei, insbesondere an Wochenenden und zu Feiertagszeiten, die Kontrolldichte in Österreich begrenzt ist. Wer alkoholisiert fährt, hat statistisch gesehen gute Chancen, nicht erwischt zu werden – was das Risiko für alle Verkehrsteilnehmer erhöht.
Unverändert hoch ist hingegen das Bewusstsein dafür, dass sich Alkomat-Tests nicht manipulieren lassen. Wie bereits 2017 ist nahezu allen Befragten klar, dass vermeintliche Hausmittel wie Kaffee, Kaugummis oder andere Tricks die Promillezahl nicht senken können. Der einzige verlässliche Weg, einen Alkoholtest zu bestehen, ist schlicht und einfach, nüchtern zu sein.
Ein wichtiger Hinweis der ÖAMTC-Expertin betrifft den Geltungsbereich der Verantwortung. Denn diese endet nicht beim Autofahren: Auch alkoholbeeinträchtigte Radfahrer, E-Scooter-Lenker oder selbst Fußgänger setzen sich und andere einem erhöhten Unfallrisiko aus.
Alkohol verschlechtert die Fahrtüchtigkeit unabhängig vom Fortbewegungsmittel signifikant. Das Reaktions- und Urteilsvermögen wird gemindert, was zu vermehrten Fehleinschätzungen und unbedachten Handlungen führt. Wer betrunken mit dem Fahrrad oder E-Scooter unterwegs ist, gefährdet nicht nur sich selbst, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer.
Selbst zu Fuß kann Alkoholisierung gefährlich werden: Betrunkene Fußgänger übersehen Fahrzeuge, stolpern auf die Fahrbahn oder unterschätzen Entfernungen. Auch hier gilt daher: Wer viel getrunken hat, sollte sich idealerweise begleiten lassen oder ein Taxi nehmen.
Die Dringlichkeit des Themas unterstreichen die aktuellen Unfallzahlen der Statistik Austria. Im Jahr 2024 ereigneten sich österreichweit 2.705 Unfälle mit Personenschaden aufgrund von Alkoholisierung. Das sind durchschnittlich mehr als sieben Unfälle pro Tag, bei denen Menschen verletzt wurden – und in vielen Fällen hätte dies durch verantwortungsvolles Verhalten verhindert werden können.
Die regionale Verteilung zeigt deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern:
Diese Zahlen berücksichtigen nur Unfälle mit Personenschaden – Sachschäden, die ohne Verletzte ausgehen, sind darin nicht enthalten. Die tatsächliche Zahl alkoholbedingter Verkehrsvorfälle dürfte also noch deutlich höher liegen.
Abgesehen von den gesundheitlichen Risiken drohen bei Alkohol am Steuer auch empfindliche rechtliche Konsequenzen. In Österreich gilt für Pkw-Lenker eine Promillegrenze von 0,5 Promille. Für Berufskraftfahrer, Lenker von Lkw über 7,5 Tonnen, Buslenker und Fahranfänger in der Probezeit liegt die Grenze bei 0,1 Promille.
Bei Überschreitung drohen je nach Alkoholisierungsgrad Geldstrafen von mehreren hundert bis zu mehreren tausend Euro, Führerscheinentzug, Anordnung einer Nachschulung oder verkehrspsychologischen Untersuchung sowie im Wiederholungsfall strafrechtliche Konsequenzen. Wer einen Unfall verursacht, muss zudem mit zivilrechtlichen Schadenersatzforderungen und dem Verlust des Versicherungsschutzes rechnen.
Um sicher durch die Festtage zu kommen, empfiehlt es sich, einige grundlegende Regeln zu beachten:
Verkehrspsychologin Marion Seidenberger fasst die Kernbotschaft zusammen: Alkoholisiert mit dem Auto, Fahrrad oder E-Scooter zu fahren, ist kein Kavaliersdelikt. Die Folgen betreffen nicht nur einen selbst, sondern auch Mitfahrende und andere unschuldige Verkehrsteilnehmer.
Die Umfrageergebnisse zeigen, dass das Bewusstsein für die Gefahren von Alkohol am Steuer in der österreichischen Bevölkerung grundsätzlich vorhanden ist. Die Herausforderung besteht darin, dieses Bewusstsein auch konsequent in entsprechendes Verhalten umzusetzen – gerade in der festlichen Jahreszeit, wenn die Versuchung besonders groß ist.
Letztlich liegt es an jedem Einzelnen, Verantwortung zu übernehmen. Wer feiert und trinkt, sollte das Auto stehen lassen. So einfach ist das – und so wichtig.