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Andi Kollwentz folgt seinem Vater als Präsident der Renommierten Weingüter

7. April 2026 um 09:08
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30 Jahre nach seinem verstorbenen Vater Anton übernimmt Andi Kollwentz die Führung der prestigeträchtigen Winzervereinigung im Burgenland. Der einstimmige Beschluss der Generalversammlung Mitte Mär...

30 Jahre nach seinem verstorbenen Vater Anton übernimmt Andi Kollwentz die Führung der prestigeträchtigen Winzervereinigung im Burgenland. Der einstimmige Beschluss der Generalversammlung Mitte März markiert einen bedeutsamen Generationenwechsel in der österreichischen Weinwelt und setzt eine Familientradition fort, die den burgenländischen Weinbau nachhaltig geprägt hat. Gleichzeitig verabschiedet sich Kurt Feiler nach neun erfolgreichen Jahren als Präsident in die zweite Reihe.

Generationenwechsel bei den Renommierten Weingütern Burgenland

Die Renommierten Weingüter Burgenland, eine der einflussreichsten Winzervereinigungen Österreichs, haben einen neuen Präsidenten gewählt. Andi Kollwentz, Inhaber des traditionsreichen Weinguts Kollwentz in Großhöflein, folgt Kurt Feiler nach, der das Amt neun Jahre lang innehatte. Die einstimmige Wahl in der Generalversammlung unterstreicht das Vertrauen der Mitgliedsbetriebe in Kollwentz' Führungsqualitäten und seine tiefe Verwurzelung im burgenländischen Weinbau.

"Als neuer Präsident der Renommierten Weingüter Burgenland übernehme ich die Funktion von Kurt Feiler und werde in seinem Sinne und im Auftrag der Renommierten Weingüter Burgenland zukünftig dem Verein vorstehen", erklärt der neue Präsident seine Zielsetzung. Diese Kontinuität ist besonders wichtig, da die Vereinigung seit ihrer Gründung 1995 eine zentrale Rolle bei der Positionierung des Burgenlandes als Österreichs bedeutendste Rotweinaregion gespielt hat.

Familientradition mit emotionaler Note

Der Wechsel an der Spitze ist besonders emotional, da Andi Kollwentz' Vater Anton Kollwentz, der als Rotweinpionier gilt, nicht nur Mitbegründer, sondern auch der erste Präsident der Renommierten Weingüter Burgenland war. Anton Kollwentz verstarb tragischerweise am 4. März 2024, nur wenige Tage vor der Wahl seines Sohnes zum neuen Präsidenten. Diese zeitliche Nähe verleiht dem Führungswechsel eine besondere symbolische Bedeutung und unterstreicht die Kontinuität der Familientradition.

Die Geschichte der Familie Kollwentz im Weinbau reicht bereits in die elfte Generation zurück. Andi Kollwentz bewirtschaftet das Traditionsweingut in Großhöflein seit 1993 in Eigenverantwortung, als er die Kelleragenden übernahm. Seit 2004 leitet er gemeinsam mit seiner Frau Heidi den Betrieb, und mit den Töchtern Christina, Eva Maria und Barbara steht bereits die zwölfte Generation in den Startlöchern. Diese Generationenfolge ist bemerkenswert und zeigt die tiefe Verwurzelung der Familie im burgenländischen Weinbau.

Der "Zehnkämpfer" unter Österreichs Winzern

Andi Kollwentz hat sich in der österreichischen Weinszene einen Namen als vielseitiger Winzer gemacht. Er wird oft als "Zehnkämpfer unter Österreichs Winzern" bezeichnet, da er in verschiedensten Kategorien – Weißwein, Rotwein und Süßwein – regelmäßig Spitzenleistungen erzielt. Diese Vielseitigkeit ist im Weinbau außergewöhnlich, da sich viele Produzenten auf bestimmte Stilrichtungen spezialisieren.

Das Weingut Kollwentz in Großhöflein umfasst etwa 20 Hektar Rebfläche und ist besonders für seine Rotweine bekannt. Die Lagen befinden sich überwiegend am Leithagebirge, wo das pannonische Klima optimale Bedingungen für die Reifung von Rotweinsorten wie Blaufränkisch, Zweigelt und internationalen Sorten wie Cabernet Sauvignon und Merlot bietet. Die kalkhaltigen Böden verleihen den Weinen ihre charakteristische Mineralität und Eleganz.

Die Bedeutung der Renommierten Weingüter Burgenland

Die 1995 gegründete Winzervereinigung "Renommierte Weingüter Burgenland" ist weit mehr als ein gewöhnlicher Branchenverband. Sie vereint 13 ausgewählte Spitzenproduzenten, die sich durch Innovation, Qualität und naturnahen Weinbau auszeichnen. Zu den Mitgliedern gehören namhafte Betriebe wie Weingut Gernot und Heike Heinrich, Weingut Kracher, Weingut Ernst Triebaumer und das Weingut Hans und Anita Nittnaus.

Der Begriff "Renommierte Weingüter" ist dabei nicht nur ein Name, sondern Programm. Die Mitgliedsbetriebe müssen strenge Qualitätskriterien erfüllen und sich zu nachhaltigem Weinbau bekennen. Dies umfasst den Verzicht auf synthetische Pestizide, die Förderung der Biodiversität in den Weingärten und die Besinnung auf traditionelle Ausbaumethoden. Viele der Mitgliedsbetriebe arbeiten nach biologischen oder biodynamischen Prinzipien.

Pionierarbeit im österreichischen Weinbau

Seit ihrer Gründung vor fast drei Jahrzehnten haben die Renommierten Weingüter Burgenland den österreichischen Weinbau maßgeblich mitgeprägt. In den 1990er Jahren befand sich die österreichische Weinwirtschaft noch in der Erholungsphase nach dem Glykolwein-Skandal von 1985, der das internationale Ansehen nachhaltig beschädigt hatte. Die Gründung der Winzervereinigung war Teil einer umfassenden Qualitätsoffensive, die darauf abzielte, durch kompromisslose Qualität und Transparenz das Vertrauen zurückzugewinnen.

Die Gruppe setzte von Anfang an auf naturnahen Weinanbau und -ausbau, lange bevor Nachhaltigkeit zum Mainstream-Thema wurde. Sie erforschte neue Anbaumethoden, experimentierte mit verschiedenen Rebsorten und entwickelte innovative Ausbautechniken. Besonders im Bereich der Rotweinproduktion leisteten die Mitgliedsbetriebe Pionierarbeit und etablierten das Burgenland als Österreichs führende Rotweinaregion.

Herausforderungen und Chancen für den neuen Präsidenten

Andi Kollwentz übernimmt das Präsidentenamt in einer Zeit großer Herausforderungen für die Weinwirtschaft. Der Klimawandel bringt extreme Wetterereignisse mit sich, die sowohl Risiken als auch Chancen bergen. Während die steigenden Temperaturen den Anbau südlicher Rebsorten begünstigen, erhöhen Spätfröste, Hagel und Starkregen das Produktionsrisiko erheblich.

Gleichzeitig verändert sich das Konsumentenverhalten grundlegend. Jüngere Generationen trinken weniger Wein, legen aber größeren Wert auf Qualität, Nachhaltigkeit und authentische Geschichten hinter den Produkten. Dies eröffnet Chancen für kleine, familiengeführte Betriebe, die ihre Individualität und Traditionen glaubwürdig vermitteln können.

"Die Renommierten Weingüter Burgenland waren und sind eine Konstante im burgenländischen Weinbau. Grundgedanke und Zielsetzung der Winzergruppe sind gleich geblieben. Diesen Weg wollen wir weitergehen", betont Kollwentz seine Kontinuitätsstrategie. Dabei wird er sich auch neuen Themen wie der Digitalisierung im Weinmarketing und dem wachsenden Interesse an naturnahen Produktionsverfahren widmen müssen.

Internationale Positionierung als Schlüsselaufgabe

Ein zentrales Anliegen der Renommierten Weingüter ist die Stärkung des internationalen Ansehens burgenländischer Weine. Während österreichische Weißweine, insbesondere Grüner Veltliner und Riesling, international etabliert sind, kämpfen die Rotweine aus dem Burgenland noch um Anerkennung auf wichtigen Exportmärkten wie Deutschland, den USA oder Großbritannien.

Das liegt teilweise an der Komplexität der österreichischen Rebsortenlandschaft. Autochthone Sorten wie Blaufränkisch oder Zweigelt sind international weniger bekannt als Cabernet Sauvignon oder Pinot Noir. Hier sieht Kollwentz sowohl Herausforderung als auch Chance: "Unsere heimischen Sorten sind unser Alleinstellungsmerkmal. Wir müssen sie als das vermitteln, was sie sind – einzigartige Ausdrücke unseres Terroirs."

Burgenland als Österreichs Weinbau-Vorreiter

Das Burgenland nimmt in der österreichischen Weinwirtschaft eine Sonderstellung ein. Mit etwa 13.100 Hektar Rebfläche ist es das zweitgrößte Weinbaugebiet nach Niederösterreich, aber das bedeutendste für Rotweinproduktion. Rund 60 Prozent der Anbaufläche sind mit roten Rebsorten bestockt, während österreichweit nur etwa 30 Prozent auf Rotwein entfallen.

Die klimatischen Bedingungen im Burgenland sind einzigartig in Österreich. Das pannonische Kontinentalklima mit heißen, trockenen Sommern und kalten Wintern, kombiniert mit dem Einfluss des Neusiedler Sees, schafft optimale Bedingungen für die Reifung von Rotweinsorten. Die Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht fördern die Aromabildung und erhalten die Säurestruktur der Trauben.

Gleichzeitig ist das Burgenland Österreichs wichtigstes Anbaugebiet für Süßweine. Die Botrytis-Weine aus den Gemeinden rund um den Neusiedler See gelten international als Referenz und konkurieren erfolgreich mit den besten Süßweinen aus Bordeaux oder Deutschland.

Wirtschaftliche Bedeutung des Weinbaus

Der Weinbau ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor im Burgenland. Etwa 2.000 Weinbaubetriebe bewirtschaften die Rebflächen, wobei die meisten als kleine Familienbetriebe geführt werden. Die Wertschöpfung der Weinwirtschaft wird auf über 200 Millionen Euro jährlich geschätzt, hinzu kommen indirekte Effekte durch Weintourismus, Gastronomie und Zulieferindustrie.

Die Renommierten Weingüter Burgenland nehmen dabei eine Vorreiterrolle ein. Obwohl sie nur einen kleinen Teil der Gesamtproduktion repräsentieren, haben sie überproportionalen Einfluss auf das Image und die Preisentwicklung burgenländischer Weine. Ihre Spitzenweine erzielen Preise von 50 bis über 100 Euro pro Flasche und positionieren das Burgenland im Premiumsegment.

Zukunftsvision und Nachhaltigkeit

Unter Andi Kollwentz' Führung werden die Renommierten Weingüter Burgenland ihren Fokus verstärkt auf Nachhaltigkeit und Klimaanpassung richten. Bereits heute arbeiten fast alle Mitgliedsbetriebe nach ökologischen Prinzipien oder sind dabei, ihre Bewirtschaftung umzustellen. Dies betrifft nicht nur den Verzicht auf synthetische Pflanzenschutzmittel, sondern auch den verantwortungsvollen Umgang mit Wasser, Energie und Bodenfruchtbarkeit.

Die Anpassung an den Klimawandel wird eine der großen Aufgaben der kommenden Jahre sein. Steigende Temperaturen erfordern neue Strategien im Weinberg – von der Auswahl geeigneter Rebsorten über angepasste Erziehungssysteme bis hin zu innovativen Bewässerungstechnologien. Gleichzeitig bieten wärmere Bedingungen neue Möglichkeiten für den Anbau mediterraner Sorten, die bisher in Österreich nicht kultiviert werden konnten.

"Wir müssen den Spagat schaffen zwischen Tradition und Innovation", erklärt Kollwentz seine Zukunftsvision. "Unsere Wurzeln und unser Terroir bleiben unser Fundament, aber wir müssen offen für neue Wege sein, um auch künftig Spitzenweine produzieren zu können."

Nachwuchsförderung als Zukunftsinvestition

Ein wichtiges Anliegen der Winzervereinigung ist die Förderung der nächsten Generation. Viele traditionelle Weinbaubetriebe stehen vor der Herausforderung der Hofnachfolge, da junge Menschen oft andere Karrierewege einschlagen. Die Renommierten Weingüter setzen hier auf Wissenstransfer und Vernetzung zwischen den Generationen.

Regelmäßige Verkostungen, Fachexkursionen und der Austausch mit internationalen Winzerkollegen sollen junge Winzer inspirieren und in ihrer Entwicklung unterstützen. Kollwentz selbst ist ein Beispiel für gelungene Nachfolge – er hat den Betrieb seiner Familie nicht nur übernommen, sondern kontinuierlich weiterentwickelt und zu einem der renommiertesten Weingüter Österreichs ausgebaut.

Die Zukunft der Renommierten Weingüter Burgenland liegt in der Balance zwischen Bewahrung bewährter Traditionen und mutiger Innovation. Unter Andi Kollwentz' Führung wird die Vereinigung ihren Ruf als Qualitätsbotschafter des burgenländischen Weinbaus weiter ausbauen und neue Standards für nachhaltigen, authentischen Weinbau setzen. Die emotionale Verbindung zur Familiengeschichte und die professionelle Expertise des neuen Präsidenten schaffen beste Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zukunft dieser einzigartigen Winzergemeinschaft.

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