Autofahrerclub kritisiert mangelnde Weitergabe sinkender Rohölpreise an Konsumenten – Ministerium kündigt Prüfung an
Der ARBÖ begrüßt die Ankündigung von Finanzminister Marterbauer, die Treibstoffpreise zu untersuchen. Die Zahlen zeigen: Während Rohöl um 17 Prozent fiel, sanken Spritpreise kaum.
Die Ankündigung von Finanzminister Florian Marterbauer, die Treibstoffpreise in Österreich genauer unter die Lupe zu nehmen, stößt beim Auto-, Motor- und Radfahrerbund Österreichs (ARBÖ) auf breite Zustimmung. Der Autofahrerclub sieht darin eine längst überfällige Maßnahme und verweist auf eigene Analysen, die eine erhebliche Diskrepanz zwischen Rohölpreisentwicklung und den Preisen an den Zapfsäulen belegen.
Der ARBÖ macht seit Jahren auf die hohen Kosten aufmerksam, die Autofahrerinnen und Autofahrer in Österreich schultern müssen. Allein in den vergangenen sechs Jahren wurden mehr als zwanzig Steueranpassungen im Kfz-Bereich vorgenommen. Diese betrafen sowohl die Anschaffung als auch den Betrieb von Personenkraftwagen. Besonders Pendler, Familien und Geringverdiener seien von den zeitweise extrem hohen Treibstoffkosten hart getroffen worden, betont ARBÖ-Präsident Dr. Peter Rezar.
"Das ist ein sehr positives Zeichen", kommentiert Rezar die Initiative des Finanzministers. Der ARBÖ kritisiere seit Langem, dass sinkende Rohölpreise viel zu langsam oder manchmal gar nicht an die Konsumentinnen und Konsumenten weitergegeben würden. "Das ist unfair, und manchmal hat man das Gefühl, irgendjemand gönnt sich auf Kosten der Kraftfahrerinnen und Kraftfahrer ein kleines Körberlgeld", so der ARBÖ-Präsident.
Der Autofahrerclub hat bereits im November 2024 eine eigene Analyse der Treibstoff- und Rohölpreise durchgeführt. Die Ergebnisse sind aus Sicht der Konsumenten ernüchternd und werfen Fragen zur Preisgestaltung an österreichischen Tankstellen auf.
Konkret zeigt die Untersuchung: Der Preis der Rohölsorte Brent ist seit Ende Dezember 2024 um beachtliche 17 Prozent gesunken. An den Zapfsäulen kam von dieser Entwicklung jedoch nur ein Bruchteil an. Der Literpreis für Diesel ging im selben Zeitraum lediglich um 3,5 Prozent zurück. Noch geringer fiel die Entlastung bei Eurosuper 95 aus – hier betrug der Preisrückgang magere 2,9 Prozent.
Diese erhebliche Differenz zwischen der Entwicklung des Rohölpreises und den tatsächlichen Tankstellenpreisen wirft die Frage auf, wo das Geld der österreichischen Autofahrer letztlich verbleibt. Der ARBÖ hatte bereits bei seiner November-Analyse festgestellt, dass "irgendwo eine Menge Geld der österreichischen Autofahrer hängen bleibt".
ARBÖ-Präsident Rezar zeigt zwar Verständnis dafür, dass die Spritpreise an den Zapfsäulen auch von nationalen Faktoren wie der CO₂-Steuer und der Mineralölsteuer beeinflusst werden. Dennoch sei es nicht akzeptabel, dass bei einem Rückgang der internationalen Ölpreise um 17 Prozent der Sprit an österreichischen Tankstellen nur geringfügig günstiger werde.
"Ich sehe hier einen klaren Auftrag für den Finanzminister, denn die österreichischen Autofahrer zahlen zu viel, das ist offensichtlich", äußert sich Rezar deutlich. Die nun angekündigte Überprüfung der Treibstoffpreise durch das Finanzministerium könnte Licht in die Preisgestaltung bringen und möglicherweise Maßnahmen nach sich ziehen, die zu faireren Preisen an den Zapfsäulen führen.
Die Forderung nach mehr Transparenz bei der Spritpreisgestaltung ist nicht neu. Konsumentenschützer und Autofahrerclubs weisen regelmäßig darauf hin, dass Preiserhöhungen bei steigenden Rohölpreisen meist schnell an die Tankstellen weitergegeben werden, während Preissenkungen oft verzögert oder nur teilweise bei den Konsumenten ankommen. Dieses als "Raketen-Feder-Effekt" bekannte Phänomen ist in der ökonomischen Literatur gut dokumentiert und beschreibt die asymmetrische Weitergabe von Preisänderungen.
Während der ARBÖ die Ankündigung zur Überprüfung der Treibstoffpreise begrüßt, äußert sich Präsident Rezar kritisch zu einem anderen Aspekt der ministeriellen Pläne. Die Ankündigung, sogenannte umweltschädliche Begünstigungen "angehen zu wollen", betrachtet der Autofahrerclub mit Skepsis.
"Wir erwarten uns diesbezüglich einen fairen Austausch und Gespräche mit allen Experten und keine weiteren Steuererhöhungen und gar die Abschaffung des Dieselprivilegs", stellt Rezar klar. Das Dieselprivileg bezeichnet die steuerliche Begünstigung von Dieselkraftstoff gegenüber Benzin, die historisch gewachsen ist und insbesondere für Vielfahrer, Transportunternehmen und die Landwirtschaft von erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung ist.
Eine Abschaffung oder Einschränkung dieser Begünstigung würde vor allem jene treffen, die auf das Auto angewiesen sind. In einem Flächenland wie Österreich, wo viele Menschen lange Pendelstrecken zurücklegen müssen und der öffentliche Verkehr nicht überall eine praktikable Alternative darstellt, wäre dies eine erhebliche zusätzliche Belastung.
Besonders für Menschen im ländlichen Raum, wo die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel oft mangelhaft ist, stellt das Auto nach wie vor die einzige Möglichkeit dar, zur Arbeit zu gelangen oder alltägliche Besorgungen zu erledigen. Weitere Kostensteigerungen beim Individualverkehr würden diese Bevölkerungsgruppen überproportional treffen.
Die vom ARBÖ dokumentierten mehr als zwanzig Steueranpassungen im Kfz-Bereich innerhalb der vergangenen sechs Jahre verdeutlichen, dass Autofahrer in Österreich bereits erheblich zum Staatshaushalt beitragen. Neben der Mineralölsteuer und der CO₂-Bepreisung fallen beim Betrieb eines Kraftfahrzeugs auch die motorbezogene Versicherungssteuer, die Normverbrauchsabgabe (NoVA) beim Kauf sowie verschiedene weitere Abgaben an.
Diese kumulative Belastung führt dazu, dass Autofahren in Österreich im europäischen Vergleich bereits zu den kostspieligeren Angelegenheiten zählt. Der ARBÖ sieht daher jeden weiteren Kostentreiber kritisch und fordert stattdessen Maßnahmen, die zu einer Entlastung der Konsumenten führen.
Welche konkreten Maßnahmen aus der angekündigten Überprüfung der Treibstoffpreise durch Finanzminister Marterbauer resultieren werden, bleibt abzuwarten. Mögliche Ansatzpunkte wären eine verstärkte Überwachung der Preisgestaltung durch die Wettbewerbsbehörden, mehr Transparenz bei der Zusammensetzung der Spritpreise oder regulatorische Eingriffe zur Sicherstellung einer zeitnahen Weitergabe von Preissenkungen.
Der ARBÖ jedenfalls signalisiert Gesprächsbereitschaft und erhofft sich von der Initiative des Finanzministeriums spürbare Entlastungen für die österreichischen Autofahrer. Die Forderung ist klar: Wenn die internationalen Rohölpreise sinken, soll sich das auch an den heimischen Zapfsäulen niederschlagen – und zwar zeitnah und in angemessenem Ausmaß.
Für die rund 5,2 Millionen Pkw-Besitzer in Österreich wäre eine solche Entwicklung jedenfalls eine willkommene Entlastung in wirtschaftlich angespannten Zeiten. Ob und wann diese kommt, wird von den Ergebnissen der ministeriellen Prüfung abhängen.