Pädagogische Hochschulen sehen sich als bessere Alternative zu universitärer Lehrerausbildung
Österreichs Pädagogische Hochschulen wehren sich gegen universitäre Ansprüche und betonen ihre Praxisorientierung in der Lehramtsausbildung.
In der österreichischen Bildungslandschaft ist eine Debatte über die Zukunft der Lehramtsausbildung entbrannt. Während Universitäten ihre Kompetenz in der Lehrerausbildung betonen, schlagen die Pädagogischen Hochschulen (PHs) zurück und verweisen auf ihre einzigartige Praxisorientierung.
Beatrix Karl, Vorsitzende der Rektorinnen- und Rektorenkonferenz der österreichischen Pädagogischen Hochschulen, bringt den Konflikt auf den Punkt: "Papier ist geduldig, das gilt auch für Studienpläne. Entscheidend ist, dass der Praxisbezug in der Aus-, Fort- und Weiterbildung tatsächlich gelebt wird – und das gewährleisten die Pädagogischen Hochschulen."
Diese deutlichen Worte richten sich gegen universitäre Bestrebungen, die Lehramtsausbildung stärker an sich zu ziehen. Die PHs argumentieren, dass der entscheidende Faktor für eine erfolgreiche Lehrerausbildung nicht nur die theoretische Fundierung, sondern vor allem die praktische Handlungskompetenz sei.
Die Herausforderungen für Lehrkräfte haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Heterogene Klassen mit unterschiedlichen sozialen und sprachlichen Voraussetzungen prägen heute den Schulalltag. Diese Realität erfordert von Pädagoginnen und Pädagogen weit mehr als nur Fachwissen.
"Lehrer*innen stehen heute vor deutlich komplexeren Herausforderungen als früher", betonen die Vertreter der Pädagogischen Hochschulen. Die Antwort darauf seien wissenschaftlich fundierte, aber zugleich praxisnahe Studienangebote, die nur an den PHs in dieser Form angeboten würden.
Ein konkretes Beispiel für die praxisorientierte Ausrichtung sind die Intensivpraxiswochen, die von Bildungsminister Christoph Wiederkehr eingeführt wurden. Diese Initiative ermöglicht es Studierenden, bereits früh in ihrer Ausbildung vertiefte Einblicke in die schulische Realität zu gewinnen.
Solche Programme zeigen den strukturellen Vorteil der Pädagogischen Hochschulen auf: Der Praxisbezug ist nicht nur ein Lippenbekenntnis, sondern fest in der Ausbildungsstruktur verankert.
Ein weiterer entscheidender Punkt in der Argumentation der PHs ist die Qualifikation ihrer Lehrenden. Viele Dozentinnen und Dozenten an Pädagogischen Hochschulen verfügen über eigene Schulerfahrung – sie sind oder waren selbst als Lehrkräfte tätig.
Diese praktische Erfahrung fließt direkt in die Ausbildung ein und ermöglicht es, praxisnahe Kompetenzen aus erster Hand zu vermitteln. Ein Vorteil, den universitäre Einrichtungen in dieser Form oft nicht bieten können.
Die Rolle der Pädagogischen Hochschulen beschränkt sich nicht nur auf die Erstausbildung von Lehrkräften. Sie leisten durch verschiedene Bereiche einen wesentlichen Beitrag zur Weiterentwicklung des gesamten Bildungssystems:
Diese Aktivitäten verbinden Forschung unmittelbar mit der schulischen Praxis und schaffen einen kontinuierlichen Austausch zwischen wissenschaftlicher Erkenntnis und praktischer Anwendung.
Die zentrale Rolle der Pädagogischen Hochschulen in der österreichischen Bildungslandschaft wird durch aktuelle Zahlen unterstrichen. Im Wintersemester 2024/25 studierten 22.180 ordentliche Studierende an den 14 Pädagogischen Hochschulen Österreichs.
Besonders beeindruckend sind die Zahlen in der Weiterbildung und Fortbildung: 16.728 Studierende waren in Weiterbildungsprogrammen eingeschrieben, und in der Fortbildung wurden mehr als 390.000 Teilnahmen verzeichnet. Diese Zahlen zeigen, dass die PHs nicht nur in der Grundausbildung, sondern auch in der kontinuierlichen Professionalisierung von Lehrkräften eine Schlüsselrolle spielen.
Trotz der deutlichen Kritik an universitären Ansprüchen zeigen sich die Pädagogischen Hochschulen gesprächsbereit. Beatrix Karl betont: "Es spricht nichts gegen eine Weiterentwicklung der Lehramtsausbildung. Diese sollte jedoch im partnerschaftlichen Miteinander erfolgen – so, wie es Pädagogische Hochschulen und Universitäten bereits erfolgreich zusammenarbeiten."
Diese Aussage deutet darauf hin, dass bereits bestehende Kooperationen zwischen PHs und Universitäten als Modell für künftige Entwicklungen dienen könnten. Anstatt eines Konkurrenzkampfes um die "bessere" Lehramtsausbildung könnte eine verstärkte Zusammenarbeit die Stärken beider Institutionstypen optimal nutzen.
Tatsächlich existieren bereits heute erfolgreiche Kooperationen zwischen Pädagogischen Hochschulen und Universitäten. Diese Partnerschaften zeigen, dass eine Kombination aus universitärer Forschungskompetenz und der Praxisorientierung der PHs durchaus möglich ist.
Solche Modelle könnten als Blaupause für eine zukunftsorientierte Lehramtsausbildung dienen, die sowohl wissenschaftlich fundiert als auch praxisnah ist.
Die aktuelle Debatte um die Zukunft der Lehramtsausbildung in Österreich spiegelt größere Fragen über die Ausrichtung des Bildungssystems wider. Während Universitäten ihre wissenschaftliche Expertise betonen, setzen Pädagogische Hochschulen auf ihre bewährte Praxisorientierung.
Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo dazwischen: Eine optimale Lehramtsausbildung benötigt sowohl solide wissenschaftliche Fundierung als auch starken Praxisbezug. Die Herausforderung besteht darin, diese beiden Aspekte optimal zu verbinden.
Für die österreichischen Schülerinnen und Schüler ist letztendlich entscheidend, dass ihre Lehrkräfte bestmöglich ausgebildet werden. Ob dies in Zukunft verstärkt an Universitäten, an Pädagogischen Hochschulen oder in neuen Kooperationsformen geschieht, wird die bildungspolitische Diskussion der kommenden Jahre prägen.
Die Positionierung der Pädagogischen Hochschulen macht jedenfalls deutlich: Sie sind nicht bereit, ihre traditionsreiche und erfolgreiche Rolle in der Lehramtsausbildung kampflos aufzugeben.