FPÖ fordert bessere Sicherheitskonzepte an niederösterreichischen Schulen
Nach mehrmaligen Fehlalarmen in St. Pöltner Handelsakademie kritisiert die FPÖ mangelnde Vorbereitung und fordert psychologische Betreuung.
Ein Amok-Alarm in der Handelsakademie (HAK) St. Pölten hat am Mittwochmorgen für Aufregung und Verwirrung gesorgt. Nach Angaben von Zeugen wurde zwei bis drei Mal Alarm ausgelöst, was zu chaotischen Szenen im Schulgebäude führte. FPÖ-Sicherheitslandesrat Martin Antauer übt nun scharfe Kritik an der Handhabung des Vorfalls und fordert bessere Sicherheitskonzepte für Niederösterreichs Schulen.
Die Situation in der St. Pöltner Handelsakademie gestaltete sich am Mittwochmorgen dramatisch. Laut Zeugenberichten und Medienberichten soll mehrfach Alarm ausgelöst worden sein, was zu einem "heillosen Durcheinander" führte. Die Reaktionen der Schülerinnen und Schüler sowie des Lehrpersonals fielen sehr unterschiedlich aus: Während sich einige Schüler in Klassenzimmern verbarrikadierten, liefen andere ins Freie. Besonders beunruhigend waren Berichte über weinende Jugendliche, die sich in Ecken versteckten, und andere, die planlos durch das Schulgebäude rannten.
Diese unterschiedlichen Reaktionen deuten darauf hin, dass kein einheitlicher Notfallplan existierte oder dieser nicht ausreichend kommuniziert wurde. In Zeiten, in denen Schulen mit der realen Bedrohung durch Amokläufe konfrontiert sind, stellt dies ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar.
Martin Antauer, FPÖ-Gemeinderat in St. Pölten und niederösterreichischer Sicherheitslandesrat, zeigt sich empört über die Handhabung des Vorfalls. "Die Sache einfach herunterspielen und einfach zur Tagesordnung übergehen, ist nicht akzeptabel", kritisiert Antauer die Reaktion der Verantwortlichen. Er weist darauf hin, dass sowohl Eltern als auch viele Kinder geschockt seien und daher zumindest eine psychologische Betreuung angeboten werden müsste.
Besonders problematisch sieht Antauer, dass offenbar keine Polizei über den Vorfall informiert wurde. Dies steht in deutlichem Kontrast zu einem ähnlichen Fehlalarm in Pressbaum, bei dem die Behörden ordnungsgemäß verständigt wurden. Diese Unterlassung wirft Fragen über die Kommunikationswege und Protokolle bei Notfällen in niederösterreichischen Schulen auf.
Antauer erinnert in seinem Statement an den tragischen Amoklauf in Graz, der sich vor weniger als einem Jahr ereignete. Dieser Vorfall hatte österreichweit zu Diskussionen über Sicherheitsmaßnahmen an Schulen geführt. "Offenbar gab es keinen strukturierten Plan bzw. Verhaltensregeln, dabei ist der furchtbare Amoklauf von Graz noch kein Jahr her", kritisiert der FPÖ-Politiker.
Der Grazer Amoklauf hatte gezeigt, wie wichtig es ist, dass Schulen über durchdachte Notfallpläne verfügen und diese regelmäßig mit Schülern und Lehrern üben. Die chaotischen Szenen in St. Pölten lassen vermuten, dass diese Lehren noch nicht ausreichend umgesetzt wurden.
Die Ereignisse in der HAK St. Pölten werfen grundsätzliche Fragen zur Sicherheit an österreichischen Schulen auf. Experten betonen seit Jahren die Notwendigkeit einheitlicher Notfallpläne, regelmäßiger Übungen und klarer Kommunikationswege. Dazu gehören:
Besonders wichtig ist Antauers Hinweis auf die psychologischen Auswirkungen solcher Vorfälle. Auch wenn es sich letztendlich um einen Fehlalarm handelte, können die Erfahrungen von Angst und Panik bei Schülern nachhaltige Spuren hinterlassen. Kinder und Jugendliche, die weinend in Ecken standen oder sich verbarrikadierten, haben möglicherweise traumatische Erfahrungen gemacht.
Professionelle psychologische Betreuung sollte daher Standard nach solchen Vorfällen sein. Dies umfasst sowohl Einzelgespräche für besonders betroffene Schüler als auch Klassengespräche, um das Erlebte zu verarbeiten und Ängste abzubauen.
Der Vorfall in St. Pölten zeigt auf, dass die Verantwortung für Schulsicherheit nicht nur bei den einzelnen Schulen liegt, sondern auch die Bildungspolitik gefordert ist. Es braucht landesweite Standards und Richtlinien, die sicherstellen, dass alle Schulen angemessen auf Notfälle vorbereitet sind.
"Der Schutz unserer Kinder muss immer an erster Stelle stehen", betont Antauer abschließend. Diese Aussage sollte Leitprinzip für alle Maßnahmen sein, die im Bildungsbereich getroffen werden. Dazu gehört nicht nur die physische Sicherheit, sondern auch der Schutz vor psychischen Belastungen.
Es bleibt abzuwarten, welche Konsequenzen die Bildungsverantwortlichen aus den Ereignissen in St. Pölten ziehen werden. Die Kritik der FPÖ dürfte nicht ungehört bleiben, zumal das Thema Schulsicherheit in der Öffentlichkeit große Aufmerksamkeit genießt.
Wichtig wäre nun eine sachliche Aufarbeitung des Vorfalls, bei der analysiert wird, was schief gelaufen ist und wie sich ähnliche Situationen in Zukunft vermeiden lassen. Dabei sollten alle Beteiligten - Schulleitung, Lehrer, Schüler, Eltern und Behörden - einbezogen werden, um ein umfassendes Bild der Situation zu erhalten.
Die HAK St. Pölten könnte so zum Anlass werden, die Sicherheitskonzepte an allen niederösterreichischen Schulen zu überprüfen und zu verbessern. Dies wäre im Sinne aller Schülerinnen und Schüler, die ein Recht auf einen sicheren Lernort haben.