Baubewilligungen brechen um 73% ein - Freiheitliche Wirtschaft fordert Reformen
Die Zahl der Baubewilligungen sank von 21.400 auf 5.772. Experten warnen vor dramatischen Folgen für den österreichischen Wohnungsmarkt.
Österreich steht vor einer dramatischen Wohnungskrise: Die aktuellen Zahlen des Wohnbaumarktes zeichnen ein alarmierendes Bild. Innerhalb von nur fünf Jahren sind die Baubewilligungen für Wohnungen um über 70 Prozent eingebrochen – ein Rückgang, der das Land in den kommenden Jahren vor massive Herausforderungen stellen wird.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Während 2019 noch 21.400 Baubewilligungen für Wohnungen erteilt wurden, waren es im Vorjahr nur mehr 5.772 – ein Rückgang um 73 Prozent. Diese Entwicklung wird sich unmittelbar auf die Verfügbarkeit von Wohnraum auswirken, da die heutigen Bewilligungen die Fertigstellungen von morgen bestimmen.
Parallel dazu sinken auch die Fertigstellungszahlen dramatisch. Für das laufende Jahr wird mit nur mehr 8.630 fertiggestellten Wohnungen gerechnet, was etwa 60 Prozent der Zahlen von 2023 entspricht. Für das kommende Jahr prognostizieren Experten einen weiteren Rückgang auf lediglich 6.911 Wohnungen.
Die Auswirkungen dieser Entwicklung sind weitreichend: In den nächsten drei Jahren werden nach aktuellen Berechnungen insgesamt 40.000 Wohnungen am österreichischen Markt fehlen. Diese Knappheit wird unweigerlich zu steigenden Mietpreisen und Kaufpreisen führen, was die bereits angespannte Situation am Wohnungsmarkt weiter verschärfen wird.
Besonders problematisch ist diese Entwicklung vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung und des anhaltenden Zuzugs in die urbanen Zentren Österreichs. Die Nachfrage nach Wohnraum bleibt hoch, während das Angebot drastisch schrumpft.
René Schachner, Wohnbausprecher der Freiheitlichen Wirtschaft, übt scharfe Kritik an der Wohnbaupolitik der Bundesregierung. "Die Freiheitliche Wirtschaft warnt seit über zwei Jahren, dass Eingriffe in den Wohnungsmarkt und die schändliche Behandlung der Immobilien- und Bauwirtschaft durch die Bundesregierung massive negative Konsequenzen haben werden", erklärt Schachner.
Der Experte betont die grundlegenden marktwirtschaftlichen Zusammenhänge: "Wohnen ist für die meisten Menschen die größte finanzielle Belastung. Um überdurchschnittliche Preissteigerungen zu verhindern, ist es unverzichtbar, dass das Wohnungsangebot der Nachfrage entspricht."
Als einen der Hauptgründe für die negative Entwicklung sieht Schachner den "Regulierungsdschungel", der die Bauwirtschaft belastet. Die zunehmende Bürokratie und komplexe Genehmigungsverfahren würden Bauherren und Investoren abschrecken und Projekte verzögern oder ganz verhindern.
Zusätzlich zu den bürokratischen Hürden machen der Branche auch gestiegene Baukosten, Fachkräftemangel und Unsicherheiten bei der Finanzierung zu schaffen. Diese Faktoren führen in Kombination zu einem Perfect Storm, der den Wohnbau praktisch zum Erliegen bringt.
Besonders deutlich zeigen sich die Probleme am Wiener Wohnungsmarkt. Der erste Wiener Wohnungsmarktbericht 2026 belegt die negativen Auswirkungen der Markteingriffe. Wien, als größter Wohnungsmarkt Österreichs, fungiert oft als Indikator für die Entwicklung im gesamten Land.
Die Bundeshauptstadt, die traditionell für ihren sozialen Wohnbau bekannt ist, sieht sich mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert wie andere österreichische Städte. Auch hier führt das sinkende Angebot zu steigenden Preisen, was die Leistbarkeit von Wohnraum für breite Bevölkerungsschichten gefährdet.
Schachner fordert eine "radikale Reform des Regulierungsdschungels" und setzt auf marktwirtschaftliche Lösungen: "Es braucht eine echte Entlastung für die Bauwirtschaft, weniger Regulierung, schnellere Verfahren und endlich wieder Anreize für Eigentum und Neubau."
Die Freiheitliche Wirtschaft schlägt konkrete Maßnahmen vor:
Experten warnen vor den langfristigen gesellschaftlichen Auswirkungen der Wohnungskrise. Wenn Wohnen für immer größere Teile der Bevölkerung unleistbar wird, kann dies zu sozialen Spannungen und einer Verdrängung aus den urbanen Zentren führen.
Die aktuelle Entwicklung könnte auch die Wirtschaftsstandort-Qualität Österreichs beeinträchtigen, da qualifizierte Arbeitskräfte aufgrund der hohen Wohnkosten andere Standorte bevorzugen könnten.
Im internationalen Vergleich zeigt sich, dass Länder mit weniger regulierten Wohnungsmärkten oft ein größeres Wohnungsangebot und stabilere Preise aufweisen. Diese Erkenntnisse unterstützen die Forderungen nach einer Liberalisierung des österreichischen Wohnbaumarktes.
Die Zeit drängt: Um die prognostizierte Wohnungsknappheit der nächsten Jahre zu vermeiden, müssen bereits jetzt die Weichen gestellt werden. Schachner betont: "Wenn weniger gebaut wird, steigen die Preise. So einfach ist das."
Nur durch eine Kombination aus weniger Regulierung, schnelleren Verfahren und gezielten Anreizen könne das Wohnungsangebot wieder steigen und Wohnen leistbar bleiben. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Politik bereit ist, die notwendigen Reformen anzugehen, um eine weitere Verschärfung der Wohnungskrise zu verhindern.