Eine außergewöhnliche Immobilientransaktion sorgt in Vorarlberg für Aufsehen: Die börsennotierte EPH Group AG hat sich am 2. April 2026 mit einem Grundstückseigentümer auf den Erwerb eines Resortpr...
Eine außergewöhnliche Immobilientransaktion sorgt in Vorarlberg für Aufsehen: Die börsennotierte EPH Group AG hat sich am 2. April 2026 mit einem Grundstückseigentümer auf den Erwerb eines Resortprojekts geeinigt – und das völlig ohne Barzahlung. Stattdessen plant das Wiener Unternehmen ein innovatives Tauschgeschäft, bei dem Tiefgaragenstellplätze als Gegenleistung dienen sollen. Das geplante 4-Sterne-Resort mit 499 Betten könnte die Tourismuslandschaft des Bundeslandes nachhaltig prägen.
Die EPH Group AG, ein an der Wiener Börse notiertes Immobilienunternehmen mit Sitz in der Gumpendorfer Straße 26 in Wien, hat eine unkonventionelle Lösung für den Erwerb der Projektliegenschaft gefunden. Anstatt einen herkömmlichen Barkaufpreis zu zahlen, wird das Unternehmen dem Verkäufer eine definierte Anzahl von Stellplätzen in der geplanten Tiefgarage des zukünftigen Hotels kostenlos zur Verfügung stellen. Diese Tiefgarage wird EPH auf eigene Kosten errichten.
Eine Due-Diligence-Prüfung bezeichnet die sorgfältige Analyse und Bewertung eines Unternehmens oder Projekts vor einer Übernahme oder Investition. Dabei werden alle relevanten finanziellen, rechtlichen, steuerlichen und operativen Aspekte des Zielobjekts untersucht. Experten prüfen Verträge, Bilanzen, Genehmigungen und potenzielle Risiken, um eine fundierte Entscheidungsgrundlage für die Transaktion zu schaffen. Diese Prüfung kann mehrere Wochen bis Monate dauern und ist essentiell für eine erfolgreiche Geschäftsabwicklung.
Das geplante Resort profitiert von einer erstklassigen Lage direkt an einer Bergbahn und bietet somit unmittelbaren Zugang zu einem schneesicheren Skigebiet mit hochwertigem alpinem Angebot. Diese Positionierung ist für ein erfolgreiches Hotelgeschäft in den österreichischen Alpen von entscheidender Bedeutung, da Gäste zunehmend Wert auf kurze Wege zu den Pisten legen.
Mit 499 Betten wird das geplante Resort eine beträchtliche Größe erreichen, die es in die Kategorie der größeren Beherbergungsbetriebe in Vorarlberg einreiht. Zum Vergleich: Das durchschnittliche Hotel in Österreich verfügt über etwa 40 Betten, womit das EPH-Projekt mehr als das Zehnfache dieser Kapazität bieten würde.
Obwohl für das Projekt bereits eine Baugenehmigung vorliegt, benötigt EPH für die Umsetzung ihrer spezifischen Pläne eine sogenannte Tekturgenehmigung. Eine Tekturgenehmigung (auch Änderungsbescheid genannt) wird erforderlich, wenn bereits genehmigte Baupläne nachträglich modifiziert werden sollen. Dies kann Änderungen in der Gebäudegröße, -höhe, im Grundriss oder in der Nutzungsart betreffen. Das Verfahren durchläuft dieselben behördlichen Instanzen wie die ursprüngliche Baugenehmigung und kann je nach Komplexität der Änderungen mehrere Monate in Anspruch nehmen. Anrainer und Nachbarn haben dabei erneut die Möglichkeit, Einwendungen zu erheben.
Die EPH Group AG hat sich seit ihrer Gründung zu einem bedeutenden Player im österreichischen Immobilienmarkt entwickelt. Das Unternehmen ist an mehreren Börsen gelistet, darunter im Freiverkehr in Frankfurt und Stuttgart, an der Pariser Börse sowie am Vienna MTF der Wiener Börse. Mit den ISIN-Codes DE000A3L7AM8, DE000A3LJCB4 und AT0000A34DM3 können Anleger verschiedene Wertpapiere des Unternehmens handeln.
Die Insiderinformation nach Artikel 17 der EU-Marktmissbrauchsverordnung verpflichtet börsennotierte Unternehmen zur unverzüglichen Veröffentlichung von Informationen, die den Aktienkurs erheblich beeinflussen könnten. Diese Regelung soll Marktmanipulation verhindern und allen Investoren gleichzeitig Zugang zu relevanten Unternehmensnews gewähren. Verstöße gegen diese Meldepflicht können zu empfindlichen Geldstrafen und rechtlichen Konsequenzen führen.
Vorarlberg verzeichnet seit Jahren einen kontinuierlichen Anstieg der Touristenzahlen. Im Jahr 2023 wurden in dem westlichsten Bundesland Österreichs über 3,2 Millionen Nächtigungen registriert, was einem Plus von 4,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Besonders der Wintertourismus profitiert von den schneesicheren Lagen und modernen Liftanlagen.
Im Vergleich zu anderen österreichischen Tourismusregionen liegt Vorarlberg bei den Nächtigungszahlen im Mittelfeld. Während Tirol mit über 50 Millionen Nächtigungen die unangefochtene Nummer eins darstellt und Salzburg rund 28 Millionen verzeichnet, konnte sich Vorarlberg als attraktive Alternative für Gäste etablieren, die weniger überlaufene Destinationen suchen.
Der Schweizer Alpenraum gilt als direkter Konkurrent für österreichische Skigebiete, wobei die Preisunterschiede erheblich sind. Ein Tageskipass in der Schweiz kostet durchschnittlich 60-70 Euro, während österreichische Gebiete meist zwischen 45-55 Euro liegen. Deutsche Skigebiete wie Garmisch-Partenkirchen oder Oberstdorf können preislich noch günstiger anbieten, erreichen jedoch nicht die Schneesicherheit und Pistenkilometer der österreichischen Alpen.
Ein Resort mit 499 Betten würde erhebliche Auswirkungen auf die lokale Wirtschaft haben. Experten schätzen, dass pro Hotelbett etwa 1,5 Arbeitsplätze in der Region entstehen – direkt im Hotel sowie indirekt in der Zulieferindustrie, Gastronomie und im Einzelhandel. Das EPH-Projekt könnte somit etwa 750 neue Arbeitsplätze schaffen.
Die Bauphase allein würde bereits hunderte Arbeitsplätze für mehrere Jahre sichern. Lokale Handwerksbetriebe, Bauunternehmen und Zulieferer könnten von Aufträgen in Millionenhöhe profitieren. Die genaue Investitionssumme wurde von EPH noch nicht kommuniziert, jedoch deutet die Größenordnung des Projekts auf ein Bauvolumen im zweistelligen Millionenbereich hin.
Gleichzeitig bringt ein Projekt dieser Größenordnung Herausforderungen mit sich. Die lokale Verkehrsinfrastruktur muss den zusätzlichen Gästeverkehr bewältigen können. Bei einer durchschnittlichen Auslastung von 70 Prozent würden täglich etwa 350 Gäste an- und abreisen, was zusätzlichen Verkehr auf den oft bereits stark belasteten Zufahrtsstraßen zu Skigebieten bedeutet.
Auch die Ver- und Entsorgung muss für die zusätzlichen 499 Betten ausgelegt werden. Wasserversorgung, Abwasserentsorgung und Müllmanagement erfordern möglicherweise Erweiterungen der bestehenden Infrastruktur, deren Kosten teilweise von der Gemeinde getragen werden müssen.
Das österreichische Baurecht, insbesondere die Vorarlberger Bauordnung, stellt hohe Anforderungen an Großprojekte im alpinen Raum. Neben der reinen Baugenehmigung müssen Umweltverträglichkeitsprüfungen, Naturschutzauflagen und raumordnungsrechtliche Bestimmungen beachtet werden.
Die aufschiebenden Bedingungen, unter denen der finale Vertragsabschluss steht, sind in Immobilientransaktionen üblich und schützen beide Vertragsparteien. Aufschiebende Bedingungen bedeuten, dass bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden müssen, bevor der Vertrag rechtswirksam wird. Typische Beispiele sind die Erteilung erforderlicher Genehmigungen, die erfolgreiche Finanzierungszusage oder das positive Ergebnis der Due-Diligence-Prüfung. Werden diese Bedingungen nicht erfüllt, kann der Vertrag ohne rechtliche Konsequenzen aufgelöst werden.
Das ungewöhnliche Finanzierungsmodell ohne Barkaufpreis spiegelt aktuelle Trends im Immobilienmarkt wider. In Zeiten hoher Zinsen und knapper Liquidität suchen Unternehmen vermehrt nach kreativen Finanzierungsalternativen. Der Tausch gegen Tiefgaragenstellplätze zeigt, wie beide Parteien von der Transaktion profitieren können: Der Verkäufer erhält wertvollen Parkraum, EPH vermeidet eine Sofortbelastung der Liquidität.
Stellplätze in alpinen Tourismusgebieten sind besonders wertvoll, da Parkraum oft knapp und teuer ist. Ein Tiefgaragenstellplatz in einer erstklassigen Lage kann einen Wert von 25.000 bis 40.000 Euro erreichen, abhängig von der Region und der Nachfrage.
Nach Abschluss der Due-Diligence-Prüfung und Erfüllung aller aufschiebenden Bedingungen plant EPH das Signing der finalen Transaktionsdokumente. Branchenexperten schätzen, dass dieser Prozess drei bis sechs Monate in Anspruch nehmen könnte, abhängig von der Komplexität der erforderlichen Genehmigungsänderungen.
Der Baubeginn könnte frühestens Ende 2026 oder Anfang 2027 erfolgen, wobei die Fertigstellung für die Wintersaison 2028/29 angepeilt werden könnte. Ein Projekt dieser Größenordnung benötigt typischerweise 18 bis 24 Monate Bauzeit.
Das EPH-Resort könnte wegweisend für die weitere Entwicklung des Vorarlberger Tourismus werden. Die geplante 4-Sterne-Kategorisierung zielt auf das wachsende Segment anspruchsvoller Gäste ab, die gehobenen Komfort mit authentischem Alpenerlebnis verbinden möchten.
Klimawandel und veränderte Reisegewohnheiten stellen den Alpentourismus vor neue Herausforderungen. Schneesichere Lagen gewinnen an Bedeutung, während niedrigere Höhenlagen zunehmend mit kürzeren Wintersaisons kämpfen. Die von EPH betonte Schneesicherheit des Skigebiets könnte sich als entscheidender Vorteil erweisen.
Nachhaltigkeit wird für Touristen zunehmend wichtiger. Moderne Resorts müssen energieeffizient gebaut und betrieben werden, regionale Produkte bevorzugen und umweltschonende Mobilität fördern. EPH wird bei der Projektentwicklung diese Trends berücksichtigen müssen, um langfristig erfolgreich zu sein.
Für Investoren der EPH Group AG könnte das Vorarlberg-Projekt ein wichtiger Baustein in der Unternehmensstrategie darstellen. Immobilieninvestments in touristisch attraktiven Lagen gelten als krisenresistent und inflationsgeschützt. Die Veröffentlichung als Insiderinformation unterstreicht die strategische Bedeutung des Deals für das börsennotierte Unternehmen.
Der österreichische Hotelimmobilienmarkt verzeichnete in den vergangenen Jahren trotz Corona-Krise eine stabile Entwicklung. Besonders Objekte in erstklassigen Skigebieten konnten ihre Werte halten oder sogar steigern. Internationale Investoren zeigen verstärktes Interesse an alpinen Immobilien, was die Preise zusätzlich stabilisiert.
Das innovative Finanzierungsmodell könnte Schule machen und anderen Projektentwicklern als Vorbild dienen. In einem Umfeld steigender Baukosten und Zinsen werden kreative Lösungen zur Finanzierung von Großprojekten immer wichtiger. EPH positioniert sich mit diesem Deal als innovativer Player im österreichischen Immobilienmarkt.