Demokratiemonitor 2025 zeigt strukturelle Probleme auf
Expertinnen diskutieren morgen über schwindendes Vertrauen von Frauen in die Politik und die Auswirkungen auf die Demokratie.
Das Vertrauen österreichischer Frauen in die Politik befindet sich im freien Fall. Diese alarmierende Entwicklung zeigt der neue Demokratiemonitor 2025 auf und veranlasst führende Frauenorganisationen zu einer gemeinsamen Pressekonferenz am morgigen Tag. Unter dem provokanten Titel "Geht Demokratie ohne Frauen?" warnen Expertinnen vor den weitreichenden Folgen dieser Entwicklung.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Frauen ziehen sich zunehmend aus der demokratischen und gesellschaftlichen Teilhabe zurück. Dies ist jedoch kein spontanes Phänomen, sondern das Ergebnis struktureller Probleme, die seit Jahren ungelöst bleiben. Der kontinuierliche Vertrauensschwund hat konkrete Ursachen, die von den Organisationen arbeit plus - Soziale Unternehmen Österreich, dem Dachverband Frauen- und Mädchenberatung, ABZ*AUSTRIA und sprungbrett gemeinsam mit FORESIGHT Research analysiert wurden.
"Was wir hier beobachten, ist nicht nur ein statistisches Problem, sondern eine Gefahr für unsere demokratische Grundordnung", erklärt eine der Organisatorinnen. Wenn die Hälfte der Bevölkerung das Vertrauen in politische Prozesse verliert, entstehen demokratische Legitimationsdefizite, die das gesamte System gefährden können.
Besonders brisant wird die Situation durch den aktuellen Zeitpunkt der Pressekonferenz. Mit dem Start der Budgetverhandlungen für 2027/28 stehen wichtige Entscheidungen an, die direkten Einfluss auf die Lebenssituation von Frauen haben werden. Geplante Kürzungen in der aktiven Arbeitsmarktpolitik bedrohen Programme, die Frauen wirtschaftliche Unabhängigkeit und gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen.
Diese scheinbaren Budgetentscheidungen entpuppen sich bei genauerer Betrachtung als demokratiepolitische Weichenstellungen. Wenn Frauen durch fehlende Unterstützung in prekäre Situationen gedrängt werden, verstärkt sich ihr Rückzug aus der politischen Partizipation. Ein Teufelskreis entsteht: Weniger weibliche Stimmen führen zu weniger frauenspezifischen Themen in der Politik, was wiederum das Vertrauen weiter schwächt.
Die Pressekonferenz versammelt hochkarätige Expertinnen, die aus unterschiedlichen Blickwinkeln zur Thematik beitragen werden. Martina Fürpass von sprungbrett bringt ihre Expertise im Bereich Berufsorientierung und Karriereentwicklung für Frauen ein. Sophie Hansal vertritt den Dachverband Frauen- und Mädchenberatung und kann auf jahrzehntelange Erfahrung in der Beratungsarbeit zurückgreifen.
Sabine Rehbichler von arbeit plus - Soziale Unternehmen Österreich wird die Perspektive der sozialen Unternehmen einbringen, die täglich mit den Auswirkungen politischer Entscheidungen auf benachteiligte Frauen konfrontiert sind. Manuela Vollmann von ABZ*AUSTRIA ergänzt mit ihrer Expertise in der Weiterbildung und Integration von Frauen in den Arbeitsmarkt.
Martina Zandonella von FORESIGHT Research wird die wissenschaftliche Fundierung liefern und die Ergebnisse des Demokratiemonitors 2025 präsentieren. Ihre Forschungsarbeit bildet die empirische Grundlage für die diskutierten Probleme.
Die Wahl des Termins rund um den Internationalen Frauentag ist bewusst gewählt. Während weltweit Fortschritte bei der Gleichstellung von Frauen gefeiert werden, zeigt die österreichische Realität bedenkliche Rückschritte in der politischen Partizipation. Dies steht im krassen Gegensatz zu den Zielen des Internationalen Frauentags und macht deutlich, dass auch in entwickelten Demokratien die Errungenschaften der Frauenbewegung nicht als selbstverständlich betrachtet werden dürfen.
Die Organisatorinnen betonen, dass es sich nicht um ein spezifisch österreichisches Problem handelt. Ähnliche Entwicklungen sind in vielen westlichen Demokratien zu beobachten, was die Dringlichkeit des Themas unterstreicht.
Der Rückzug von Frauen aus der politischen Teilhabe hat weitreichende gesellschaftliche Konsequenzen. Frauenspezifische Themen wie Kinderbetreuung, Lohngleichheit, Schutz vor Gewalt oder die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verlieren an politischer Priorität. Dies verstärkt bestehende Ungleichheiten und schafft neue Barrieren für die gesellschaftliche Entwicklung.
Besonders problematisch ist die Entwicklung bei jungen Frauen, die bereits früh das Vertrauen in politische Prozesse verlieren. Ohne ihre Stimmen und Perspektiven werden wichtige gesellschaftliche Herausforderungen nur unvollständig angegangen.
Die Expertinnen werden voraussichtlich konkrete Lösungsansätze präsentieren, um das Vertrauen von Frauen in die Politik wieder zu stärken. Dazu gehören strukturelle Reformen, bessere Repräsentation von Frauen in politischen Gremien und die Sicherstellung ausreichender Finanzierung für frauenfördernde Maßnahmen.
Ein zentraler Punkt wird die Forderung nach einer geschlechtersensiblen Budgetpolitik sein. Jede Ausgabenentscheidung sollte auf ihre Auswirkungen auf verschiedene Geschlechter geprüft werden, um unbeabsichtigte Benachteiligungen zu vermeiden.
Die Pressekonferenz wird sowohl vor Ort als auch online übertragen, was eine breite Teilnahme und Diskussion ermöglicht. Über die Chat-Funktion können auch Online-Teilnehmer Fragen stellen und sich an der Diskussion beteiligen. Diese hybride Form der Veranstaltung spiegelt den modernen Ansatz der Organisatorinnen wider, möglichst viele Menschen zu erreichen.
Die Erkenntnisse der Pressekonferenz werden voraussichtlich wichtige Impulse für die politische Debatte liefern und hoffentlich zu konkreten Maßnahmen führen, um das Vertrauen von Frauen in die Demokratie wieder zu stärken. Denn ohne die Hälfte der Bevölkerung kann eine Demokratie nicht funktionieren.