132 Hospitalisierungen in Österreich - Oberösterreich weiterhin Hotspot
Nach dem starken FSME-Jahr 2024 ging die Zahl der Hospitalisierungen 2025 leicht zurück. Experten warnen: Das Risiko für Ungeimpfte bleibt unverändert hoch.
Nach einem außergewöhnlich starken Jahr 2024 ist die Zahl der FSME-Erkrankungen in Österreich 2025 wieder leicht gesunken. Dennoch bleibt die Frühsommer-Meningoenzephalitis ein ernstes Gesundheitsrisiko, insbesondere für ungeimpfte Personen. 132 Menschen mussten aufgrund einer FSME-Infektion hospitalisiert werden, weitere 26 konnten ambulant behandelt werden.
Die regionalen Unterschiede bei FSME-Erkrankungen bleiben deutlich sichtbar. Oberösterreich verzeichnete mit 53 Fällen erneut die höchste Zahl an Hospitalisierungen, gegenüber 49 im Vorjahr. Weit abgeschlagen folgen Niederösterreich, Steiermark, Tirol und Vorarlberg mit jeweils nur 12 gemeldeten Fällen.
"Die Hotspots verschieben sich immer ein bisschen", erklärt Dozentin Dr. Ursula Hollenstein, Internistin und Infektiologin mit eigener Praxis in Wien. "Das betrifft sowohl die regionale Verbreitung als auch die Höhenlagen. Nicht umsonst wird im Österreichischen Impfplan das ganze Land als Endemiegebiet eingestuft."
Während FSME traditionell als Sommerkrankheit gilt, zeigen die aktuellen Daten eine besorgniserregende Entwicklung: 2025 wurde der erste Erkrankungsfall bereits im April verzeichnet, der letzte erst im Dezember. Diese Ausweitung der Infektionsperiode macht das Problem noch komplexer.
"Je wärmer die Winter werden, desto häufiger werden wir zukünftig FSME-Erkrankungen sogar im Winter sehen", befürchtet Hollenstein. Der Klimawandel verlängert die Aktivitätsperiode der Zecken und damit auch das Infektionsrisiko. "Daher ist es sinnvoll, sich bereits im Winter die Auffrischungsimpfung zu holen und nicht zu warten, bis die Zecken so richtig aktiv sind."
Die Altersverteilung der FSME-Patienten zeigt ein klares Muster: Personen über 50 Jahre sind überproportional häufig betroffen. Die meisten Erkrankten im Jahr 2025 waren zwischen 61 und 70 Jahren alt. Mit zunehmendem Alter steigt nicht nur die Wahrscheinlichkeit einer Infektion, sondern auch das Risiko für schwere Verläufe.
Diese Statistik spiegelt mehrere Faktoren wider: Ältere Menschen verbringen oft mehr Zeit in der Natur, haben möglicherweise einen weniger vollständigen Impfschutz und ihr Immunsystem reagiert schwächer auf Infektionen.
Ein weit verbreiteter Irrglaube ist, dass Kinder und Jugendliche vor FSME sicher sind. Die Zahlen widerlegen dies deutlich: 14,4 Prozent aller Betroffenen im Jahr 2025 waren unter 15 Jahre alt - ein leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr mit 13,3 Prozent. Besonders schockierend: Die jüngste erkrankte Person war ein erst 18 Tage altes Mädchen.
"Die Zahlen zeigen, dass man das Impfen von Kindern nicht vernachlässigen kann", betont Hollenstein. "Auch sie können längerfristig unter den Folgen einer Erkrankung leiden, was durch eine Impfung - sie ist laut Impfplan ab dem ersten Lebensjahr möglich - gut verhindert werden kann."
Besonders alarmierend ist die Schwere der Erkrankungen: Von den 124 Personen, bei denen entsprechende Angaben gemacht wurden, hatte die Hälfte einen schweren Verlauf. Dabei handelt es sich um schwere Entzündungen im Nervensystem, die nicht nur die Hirnhäute, sondern auch Gehirn, Rückenmark und Nervenwurzeln betreffen können.
"Solche Erkrankungen können bei manchen noch lange negativ nachwirken - beispielsweise in Form von Konzentrationsstörungen, geringerer Belastbarkeit oder Sensibilitätsstörungen", warnt die Expertin. Diese Langzeitfolgen können die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen und sind oft schwer behandelbar.
Die FSME-Impfung gilt nach wie vor als die wirksamste Präventionsmaßnahme. Der Österreichische Impfplan empfiehlt drei Teilimpfungen als Grundimmunisierung, wobei zwei davon vor Beginn der Zeckensaison im Jänner oder Februar erfolgen sollen.
Die Auffrischungsintervalle sind altersabhängig gestaffelt: Personen unter 60 Jahren benötigen alle fünf Jahre eine Auffrischung, ab 60 Jahren wird ein Drei-Jahres-Rhythmus empfohlen. "Den Titer zu bestimmen, ist nicht sinnvoll", ergänzt Hollenstein. "Auch dann nicht, wenn das Impfintervall überzogen wurde. Sobald die versäumte Impfung nachgeholt wurde, ist man automatisch wieder im richtigen Intervall."
Neben der Impfung können weitere Maßnahmen das Infektionsrisiko reduzieren. Geschlossene Kleidung beim Wandern durch hohes Gras, regelmäßige Kontrollen nach Aufenthalten in der Natur und das Verwenden von Repellentien sind sinnvolle Ergänzungen zum Impfschutz.
Österreich steht mit seinen FSME-Zahlen nicht allein da. Auch in den Nachbarländern Deutschland und Schweiz werden ähnliche jährliche Schwankungen beobachtet. Diese werden auf sozioökonomische, klimatische und ökologische Ursachen zurückgeführt.
Das Zentrum für Virologie der MedUni Wien führt mit der Virusepidemiologischen Information (VEI) eine kontinuierliche Überwachung der FSME-Fälle durch. Diese Daten sind entscheidend für die Einschätzung der Seuchenlage und die Anpassung von Präventionsstrategien.
Die aktuellen Zahlen zeigen, dass FSME in Österreich ein anhaltendes Gesundheitsproblem darstellt. Obwohl 2025 einen leichten Rückgang der Fallzahlen brachte, bleibt das Risiko für ungeimpfte Personen unverändert hoch. Die Ausweitung der Infektionsperiode durch den Klimawandel verschärft die Situation zusätzlich.
Gesundheitsexperten appellieren daher eindringlich an die Bevölkerung, den Impfschutz ernst zu nehmen. Dies gilt nicht nur für Erwachsene, sondern ausdrücklich auch für Kinder ab dem ersten Lebensjahr. Die Impfung ist sicher, effektiv und kann schwere Langzeitfolgen verhindern.
Angesichts der Tatsache, dass ganz Österreich als FSME-Endemiegebiet gilt, sollte jeder Aufenthalt in der Natur als potenzielle Expositionsquelle betrachtet werden. Die Kombination aus vollständigem Impfschutz und angemessenen Schutzmaßnahmen bietet den besten Schutz vor dieser ernsten Erkrankung.