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Grünenthal expandiert mit Qutenza® nach Südkorea - Neue Hoffnung bei Nervenschmerzen

5. März 2026 um 12:03
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Eine wegweisende Partnerschaft könnte tausenden Schmerzpatienten in Südkorea neue Behandlungsmöglichkeiten eröffnen: Der deutsche Pharmakonzern Grünenthal hat die exklusiven Vermarktungsrechte für sein innovatives Schmerzpflaster Qutenza® an das südkoreanische Unternehmen BCWorld Pharm lizenziert. Die am heutigen Tag bekannt gegebene Vereinbarung markiert einen wichtigen Schritt in der Expansion nicht-opioidhaltiger Schmerztherapien im asiatisch-pazifischen Raum und könnte auch für österreichische Patienten langfristig von Bedeutung sein.

Qutenza® - Revolution in der Schmerztherapie ohne Opioide

Qutenza® ist ein topisches Pflastersystem, das den Wirkstoff Capsaicin in einer Konzentration von 8% enthält. Capsaicin ist der scharfe Bestandteil von Chilischoten, der in pharmazeutischer Aufbereitung eine bemerkenswerte Wirkung bei neuropathischen Schmerzen entfaltet. Das Pflaster wird direkt auf die schmerzende Hautstelle aufgebracht und wirkt lokal, ohne den gesamten Organismus zu belasten.

Neuropathische Schmerzen entstehen durch Schädigungen oder Erkrankungen des Nervensystems selbst. Anders als bei gewöhnlichen Schmerzen, die durch Verletzungen oder Entzündungen ausgelöst werden, sind neuropathische Schmerzen oft chronisch und schwer behandelbar. Betroffene beschreiben sie häufig als brennend, stechend oder elektrisierend. In Europa ist Qutenza® zur Behandlung peripherer neuropathischer Schmerzen bei Erwachsenen zugelassen, entweder als alleinige Therapie oder in Kombination mit anderen Schmerzmitteln.

Die Besonderheit von Qutenza® liegt in seinem nicht-systemischen Wirkmechanismus. Während herkömmliche Schmerzmittel über den Blutkreislauf im ganzen Körper wirken und entsprechende Nebenwirkungen verursachen können, entfaltet das Capsaicin-Pflaster seine Wirkung ausschließlich an der Applikationsstelle. Dies macht es zu einer wichtigen Alternative in Zeiten der Opioidkrise, die auch Europa und Österreich zunehmend beschäftigt.

Wirkungsweise und Anwendung im Detail

Das Capsaicin in Qutenza® bindet sich an spezielle Schmerzrezeptoren in der Haut, die sogenannten TRPV1-Rezeptoren. Diese Bindung führt zunächst zu einer kontrollierten Überstimulation der Schmerzfasern, die sich in einem vorübergehenden Brennen äußert. Nach dieser initialen Phase tritt jedoch eine langanhaltende Desensibilisierung ein - die Schmerzfasern werden weniger empfindlich und senden weniger Schmerzsignale an das Gehirn.

Die Anwendung erfolgt unter ärztlicher Aufsicht in speziell ausgestatteten Praxen oder Kliniken. Das Pflaster wird für 30 bis 60 Minuten auf die betroffene Hautregion aufgebracht, nachdem diese zuvor örtlich betäubt wurde. Eine einzige Anwendung kann Schmerzlinderung für mehrere Monate bewirken, was für Patienten eine erhebliche Verbesserung der Lebensqualität bedeutet.

Strategische Expansion in den asiatisch-pazifischen Raum

Die Lizenzvereinbarung zwischen Grünenthal und BCWorld Pharm ist Teil einer größeren Strategie des deutschen Unternehmens, seine Präsenz im asiatisch-pazifischen Raum zu stärken. Jan Adams, Chief Commercial Officer bei Grünenthal, betonte die strategische Bedeutung dieser Partnerschaft: "Wir verfolgen eine gezielte Strategie, um Qutenza® in die Asia-Pazifik-Region zu bringen und den Zugang zu nicht-opioidhaltigen Behandlungsoptionen für schmerzgeplagte Menschen zu erleichtern."

Südkorea stellt dabei einen besonders attraktiven Markt dar. Das Land verfügt über ein hochentwickeltes Gesundheitssystem und eine alternde Bevölkerung, die zunehmend von chronischen Schmerzerkrankungen betroffen ist. Gleichzeitig herrscht in Südkorea, ähnlich wie in anderen entwickelten Ländern, eine wachsende Sensibilität gegenüber den Risiken opioidbasierter Schmerztherapien.

BCWorld Pharm, das Partnerunternehmen in Südkorea, ist an der KOSDAQ-Börse gelistet und verfügt über eine starke Marktposition im heimischen Schmerzmarkt. Das Unternehmen erweitert sein Portfolio kontinuierlich durch globale Partnerschaften und arbeitet bereits in anderen Bereichen mit Grünenthal zusammen, etwa bei dem Schmerzmittel Nucynta®.

Finanzielle Aspekte der Vereinbarung

Obwohl die genauen Zahlen nicht veröffentlicht wurden, folgt die Vereinbarung einem in der Pharmabranche üblichen Muster. Grünenthal erhält eine Vorauszahlung sowie weitere Meilensteinzahlungen, die an regulatorische Erfolge und Verkaufsziele gekoppelt sind. BCWorld Pharm übernimmt die Verantwortung für die Zulassung in Südkorea und wird nach erfolgter Genehmigung das Produkt vermarkten und vertreiben.

Für Grünenthal ist diese Partnerschaft besonders wertvoll, da sie ohne eigene Investitionen in lokale Infrastruktur Zugang zu einem wichtigen Markt erhält. Das Unternehmen kann sich auf seine Kernkompetenzen in Forschung und Entwicklung konzentrieren, während der lokale Partner die Markterschließung übernimmt.

Grünenthals Wachstumsstrategie durch Akquisitionen

Die Expansion von Qutenza® ist Teil einer größeren Wachstumsstrategie von Grünenthal, die stark auf Akquisitionen setzt. Das Unternehmen erwarb die globalen Rechte an Qutenza® bereits 2018 als Teil dieser M&A-getriebenen Strategie. Seit 2017 hat Grünenthal Akquisitionen mit einem erwarteten Gesamtwert von mehr als 2,3 Milliarden Euro abgeschlossen.

Diese Akquisitionsstrategie dient mehreren Zielen: der Diversifizierung des Portfolios, der Verbesserung der Profitabilität und der Förderung des Geschäftswachstums. Grünenthal nutzt dabei seine bestehende Infrastruktur in den Bereichen Herstellung, Lieferung, Logistik und Vertrieb, um Synergien zu schaffen und die erworbenen Marken global auszurollen.

Das in Aachen ansässige Unternehmen beschäftigt weltweit rund 4.300 Menschen und erzielte 2024 einen Umsatz von 1,8 Milliarden Euro. Mit Niederlassungen in 28 Ländern und Produkten, die in etwa 100 Ländern verfügbar sind, zählt Grünenthal zu den führenden Unternehmen im Bereich Schmerzmanagement.

Bedeutung für die österreichische Schmerztherapie

Für österreichische Patienten und das heimische Gesundheitssystem könnte die Expansion von Qutenza® in neue Märkte durchaus relevant sein. Zum einen führen internationale Markterweiterungen oft zu Kostensenkungen durch Skaleneffekte, was sich positiv auf die Preisgestaltung auswirken kann. Zum anderen entstehen durch die globale Verbreitung innovativer Therapien oft neue Forschungsansätze und Behandlungsprotokolle, von denen auch europäische Patienten profitieren.

In Österreich leiden schätzungsweise 1,5 Millionen Menschen an chronischen Schmerzen, davon ein erheblicher Anteil an neuropathischen Schmerzen. Typische Ursachen sind Diabetes mellitus, Gürtelrose-Folgeerscheinungen oder Nervenschädigungen nach Operationen. Für diese Patientengruppe stellen nicht-opioidhaltige Alternativen wie Qutenza® eine wichtige Behandlungsoption dar.

Das österreichische Gesundheitssystem steht, ähnlich wie andere europäische Systeme, vor der Herausforderung, effektive Schmerztherapien anzubieten, ohne die Risiken einer Opioidabhängigkeit zu fördern. Topische Therapien wie Qutenza® könnten dabei eine Schlüsselrolle spielen, da sie gezielt wirken und das Abhängigkeitspotenzial minimieren.

Vergleich mit anderen Märkten

Die Schmerztherapie-Landschaft unterscheidet sich erheblich zwischen verschiedenen Ländern und Regionen. Während in den USA Qutenza® bereits für die Behandlung von Nervenschmerzen bei postherpetischer Neuralgie und diabetischer peripherer Neuropathie zugelassen ist, konzentriert sich die europäische Zulassung auf periphere neuropathische Schmerzen im Allgemeinen.

In Deutschland, dem Heimatmarkt von Grünenthal, ist Qutenza® bereits etabliert und wird in spezialisierten Schmerzzentren eingesetzt. Die Schweiz hat ähnliche Zulassungsbestimmungen wie die EU, während die Verfügbarkeit in anderen europäischen Ländern variiert. Die Expansion nach Südkorea zeigt, dass Grünenthal seine Strategie zunehmend auf aufstrebende Märkte in Asien ausrichtet.

Zukunftsperspektiven der nicht-opioidhaltigen Schmerztherapie

Die Partnerschaft zwischen Grünenthal und BCWorld Pharm ist symptomatisch für einen breiteren Trend in der Pharmabranche: die verstärkte Entwicklung und Vermarktung nicht-opioidhaltiger Schmerztherapien. Dieser Trend wird durch mehrere Faktoren angetrieben, darunter die anhaltende Opioidkrise, alternde Bevölkerungen weltweit und ein wachsendes Bewusstsein für die Nebenwirkungen systemischer Schmerzmittel.

Experten prognostizieren, dass der globale Markt für topische Schmerzmittel in den kommenden Jahren erheblich wachsen wird. Neben Capsaicin-basierten Produkten werden auch andere lokale Therapieansätze entwickelt, darunter neue Pflastersysteme, Gele und innovative Applikationsmethoden.

Für Grünenthal eröffnet die erfolgreiche Markteinführung in Südkorea möglicherweise weitere Expansionsmöglichkeiten in der Region. Länder wie Japan, Australien und andere südostasiatische Märkte könnten folgen, wodurch die Verfügbarkeit innovativer Schmerztherapien global verbessert würde.

Die Vision von Grünenthal, zu einer "World Free of Pain" beizutragen, mag ambitioniert erscheinen, aber Partnerschaften wie diese zeigen konkrete Schritte in diese Richtung auf. Jeder neue Markt, in dem nicht-opioidhaltige Alternativen verfügbar werden, bedeutet für tausende Patienten neue Hoffnung auf Schmerzlinderung ohne die Risiken einer Abhängigkeitsentwicklung.

Herausforderungen und Chancen

Trotz der vielversprechenden Aussichten stehen sowohl Grünenthal als auch BCWorld Pharm vor erheblichen Herausforderungen. Die Zulassung von Qutenza® in Südkorea erfordert umfangreiche klinische Studien und regulatorische Verfahren, die mehrere Jahre dauern können. Darüber hinaus müssen beide Unternehmen Ärzte und Patienten über die neue Therapieoption aufklären und entsprechende Behandlungsinfrastrukturen aufbauen.

Steve Hong, CEO von BCWorld Pharm, betonte die Bedeutung dieser Mission: "Die Erweiterung des Zugangs zu innovativen, nicht-opioidhaltigen Behandlungsoptionen für Patienten mit neuropathischen Schmerzen steht im Zentrum unserer Mission \'Commit to a Better Future for Patients\'."

Die Partnerschaft zeigt auch, wie sich die globale Pharmaindustrie wandelt. Anstatt ausschließlich auf interne Entwicklung zu setzen, nutzen Unternehmen zunehmend strategische Partnerschaften, um ihre Reichweite zu erweitern und Risiken zu teilen. Für kleinere, spezialisierte Unternehmen wie BCWorld Pharm bieten solche Kooperationen Zugang zu innovativen Produkten, die sie allein nicht hätten entwickeln können.

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