Trotz Warnweste erschossen - Petition erreicht breite Unterstützung
In Österreich dürfen Haustiere auf 98% der Landesfläche legal erschossen werden. Eine Petition fordert nun ein bundesweites Verbot.
Während am 20. Februar weltweit der "Liebe-Dein-Haustier-Tag" gefeiert wird, macht eine erschreckende Realität in Österreich Schlagzeilen: Auf nahezu 98 Prozent der Landesfläche dürfen Hunde und Katzen legal erschossen werden. Eine Petition von Tierschutz Austria, die bereits über 21.000 Unterschriften gesammelt hat, fordert nun ein Ende dieser Praxis.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: In rund 1,39 Millionen österreichischen Haushalten leben Haustiere. Insgesamt sind es 1.537.850 Katzen und 629.120 Hunde, die als vollwertige Familienmitglieder gelten. Allein in Wien hat jeder vierte Haushalt einen tierischen Mitbewohner.
Diese hohe Anzahl an Haustieren zeigt, welchen Stellenwert die Tiere in der österreichischen Gesellschaft haben. Umso schockierender ist es für viele Tierbesitzer zu erfahren, dass ihre geliebten Familienmitglieder in Jagdgebieten nicht sicher sind.
Die jüngsten Vorfälle haben für bundesweite Empörung gesorgt. Der Fall von Border Collie Cooper schockierte kurz vor Weihnachten besonders: Der Hund wurde bei Tageslicht in Oberösterreich erschossen - nur wenige Meter neben seinem Besitzer und trotz neonfarbenem Brustgeschirr, das ihn deutlich als Haustier kennzeichnete.
Kurz darauf ereignete sich ein ähnlicher Vorfall in der Steiermark: Bailey, ein Australian-Shepherd-Husky-Mix, wurde ebenfalls erschossen, obwohl er eine Warnweste trug und sich nur 17 Meter vom Hochstand entfernt befand. In beiden Fällen gaben die Jäger an, die Hunde für Füchse gehalten zu haben.
Diese Begründung wirft Fragen zur Ausbildung und Eignung von Jägern auf. Wie kann es sein, dass erfahrene Jäger nicht zwischen einem Haustier mit Warnweste und einem Wildtier unterscheiden können?
Besonders alarmierend ist die Häufung der Vorfälle: Allein im letzten Monat wurden Tierschutz Austria 15 weitere Fälle von erschossenen Haustieren gemeldet. Dies deutet darauf hin, dass das Problem größer ist als bisher angenommen und dringender Handlungsbedarf besteht.
Die aktuelle Rechtslage in Österreich ermöglicht es Jägern, streunende Hunde und Katzen in Jagdgebieten zu erschießen, wenn diese als "wildernde" Tiere eingestuft werden. Diese Regelung stammt aus einer Zeit, als Haustiere deutlich seltener waren und die Unterscheidung zwischen Wild- und Haustieren einfacher schien.
Heute, wo Millionen von Österreichern mit Haustieren leben und diese regelmäßig in der Natur bewegen, erscheint diese Regelung jedoch völlig überholt und problematisch. Die hohe Anzahl an Haustieren und deren Integration in das Familienleben erfordern einen moderneren rechtlichen Rahmen.
Tierschutz Austria hat konkrete Reformvorschläge entwickelt, die weit über ein einfaches Abschussverbot hinausgehen. Die Organisation fordert ein bundesweites Verbot des Haustierabschusses als ersten und wichtigsten Schritt.
Darüber hinaus sollen psychologische Eignungstests für angehende Jäger eingeführt werden. Diese sollen sicherstellen, dass nur Personen mit der nötigen mentalen Stabilität und dem erforderlichen Verantwortungsbewusstsein eine Jagdlizenz erhalten.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist das geforderte Alkoholverbot bei der Jagd. Alkoholkonsum kann die Reaktionsfähigkeit und das Urteilsvermögen erheblich beeinträchtigen - zwei Faktoren, die bei der Jagd von entscheidender Bedeutung sind.
Zusätzlich fordert Tierschutz Austria den sofortigen Entzug von Jagd- und Waffenkarte bei Verstößen. Diese Maßnahme würde sicherstellen, dass Jäger, die sich nicht an die Regeln halten, keine weitere Gefahr für Mensch und Tier darstellen können.
Die Petition "Haustierabschuss stoppen" hat bereits über 21.000 Unterschriften gesammelt - ein klares Zeichen dafür, dass die österreichische Bevölkerung eine Änderung der aktuellen Situation wünscht. Diese hohe Teilnahme zeigt, wie sehr das Thema die Menschen bewegt und beschäftigt.
Die Unterstützung kommt dabei nicht nur von Tierbesitzern, sondern auch von Menschen, die grundsätzlich für einen besseren Tierschutz eintreten. Dies verdeutlicht, dass das Thema eine gesellschaftliche Dimension hat, die über die reine Interessensvertretung von Haustierbesitzern hinausgeht.
Viele der Unterzeichner berichten von eigenen Ängsten beim Spazierengehen mit ihren Hunden oder von der Sorge um freilaufende Katzen. Diese emotionale Komponente verstärkt den Druck auf die Politik, tätig zu werden.
Ein Blick ins Ausland zeigt, dass andere europäische Länder bereits strengere Regelungen zum Schutz von Haustieren haben. In vielen Nachbarländern ist der Abschuss von Haustieren deutlich stärker reglementiert oder gänzlich verboten.
Diese internationalen Beispiele zeigen, dass ein Verbot des Haustierabschusses durchaus umsetzbar ist, ohne die Jagd grundsätzlich zu gefährden oder die Wildtierpopulation negativ zu beeinflussen.
Die aktuelle Situation stellt Haustierbesitzer vor erhebliche Herausforderungen. Viele trauen sich nicht mehr, ihre Hunde frei laufen zu lassen oder sind permanent in Sorge um ihre Tiere. Diese Einschränkung der Lebensqualität sowohl für Tiere als auch für ihre Besitzer ist ein wichtiger Aspekt der Debatte.
Besonders problematisch ist, dass selbst Schutzmaßnahmen wie Warnwesten oder reflektierende Halsbänder offenbar keinen ausreichenden Schutz bieten, wie die aktuellen Fälle zeigen.
Mit über 21.000 Unterschriften hat die Petition eine Größe erreicht, die politische Aufmerksamkeit erzwingen sollte. Tierschutz Austria und die Unterzeichner erwarten nun konkrete Schritte von der österreichischen Politik.
Die Organisation stellt am "Liebe-Dein-Haustier-Tag" eine zentrale Frage: Wie sicher ist ein Familienhund wirklich, wenn selbst Warnwesten nicht vor dem Abschuss schützen? Diese Frage dürfte in den kommenden Wochen und Monaten die politische Debatte bestimmen.
Die Petition läuft weiter und sammelt täglich neue Unterschriften. Tierschutz Austria plant, die gesammelten Unterschriften an die zuständigen politischen Entscheidungsträger zu übergeben und konkrete Gespräche über die geforderten Reformen zu führen.
Für Haustierbesitzer bleibt bis zu einer gesetzlichen Änderung nur, besonders vorsichtig zu sein und ihre Tiere in Jagdgebieten nicht unbeaufsichtigt laufen zu lassen. Die Fälle von Cooper und Bailey zeigen jedoch, dass selbst größte Vorsicht keinen hundertprozentigen Schutz bietet.
Der "Liebe-Dein-Haustier-Tag" wird in diesem Jahr für viele österreichische Tierbesitzer einen bitteren Beigeschmack haben - solange ihre geliebten Familienmitglieder nicht sicher vor dem Abschuss geschützt sind.