VGT kritisiert Jagdveranstaltung scharf - Über 100 tote Wildtiere dokumentiert
Eine Jagdveranstaltung in Uttendorf bei Braunau am Inn hat heftige Kritik von Tierschützern ausgelöst. Der VGT spricht von einem "sinnlosen Massaker".
Eine Jagdveranstaltung Ende Februar in Uttendorf bei Braunau am Inn hat eine heftige öffentliche Debatte über die Sinnhaftigkeit der Beutegreiferjagd in Österreich ausgelöst. Der Verein gegen Tierfabriken (VGT) dokumentierte gemeinsam mit der Organisation RespekTiere die Veranstaltung und kritisiert diese scharf als "sinnloses Massaker".
Bei der Jagdveranstaltung am 28. Februar wurden nach Angaben des VGT knapp 200 kleine Beutegreifer erlegt, darunter über 100 Füchse, 10 Dachse sowie zahlreiche Marder, Wiesel und Hermeline. Die getöteten Tiere wurden anschließend auf dem Asphalt ausgelegt und präsentiert - eine in der Jägerschaft übliche Praxis der sogenannten "Strecke".
Der VGT übt scharfe Kritik an dieser Darstellung der erlegten Tiere: "Stücke sind für die Jägerschaft diese Individuen", kritisiert die Organisation. Man behandle die Wildtiere nicht als Lebewesen, sondern als Objekte. Besonders problematisch sieht der VGT den Zeitpunkt der Jagd, da zu dieser Jahreszeit bereits trächtige Weibchen betroffen sein könnten.
Die Tierschutzorganisation verweist auf alternative Ansätze im Umgang mit Füchsen und anderen Beutegreifern. So findet auf fast dem gesamten Grundbesitz der Stadt Wien, dem zweitgrößten Grundbesitzer Österreichs, bereits keine Fuchsjagd mehr statt. Auch das Großherzogtum Luxemburg habe die Fuchsjagd eingestellt, ohne dass dadurch nennenswerte Probleme entstanden seien.
"Es gibt keine einzige gute Begründung, Füchse zu töten", argumentiert der VGT. Die Organisation stellt die ökologische Notwendigkeit der Beutegreiferjagd grundsätzlich in Frage und fordert ein generelles Verbot der Jagd auf kleine Beutegreifer.
Aus wissenschaftlicher Sicht spielen Beutegreifer wie Füchse, Dachse und Marder eine wichtige Rolle im Ökosystem. Sie regulieren als natürliche Prädatoren die Populationen ihrer Beutetiere und tragen so zum ökologischen Gleichgewicht bei. Füchse ernähren sich beispielsweise von Nagetieren, Insekten und Aas und können so auch bei der Seuchenprophylaxe hilfreich sein.
Die Diskussion um die Beutegreiferjagd ist nicht neu. Während Jägervereinigungen auf die Notwendigkeit der Bestandsregulierung verweisen und auf mögliche Schäden durch zu hohe Populationsdichten hinweisen, argumentieren Tierschutzorganisationen, dass die Natur ihre Bestände selbst reguliere und menschliche Eingriffe oft kontraproduktiv seien.
DDr. Martin Balluch, Obmann des VGT, äußerte sich emotional zu den dokumentierten Bildern: "Ich habe viele Jahre lang in einem Wildtierspital mitgeholfen, unter anderem auch von der Jagd verletzte Füchse ins Spital gebracht, gepflegt und wieder ausgesetzt." Er beschreibt seine persönliche Verbindung zu diesen Wildtieren und seine Unverständnis gegenüber der Jagdpraxis.
"Ich spüre eine enge innere Verbindung zu Füchsen, sie sind so wunderschön. Ebenso zu den Dachsen, die regelmäßig bei mir vorbeikommen", so Balluch weiter. Er berichtet auch von einer Marderfamilie, die in seinem Dachboden wohnt, und zeigt sich fassungslos über die seiner Ansicht nach respektlose Behandlung dieser Tiere.
In Österreich unterliegt die Jagd den Landesgesetzen, wobei die Regelungen zur Beutegreiferjagd von Bundesland zu Bundesland variieren können. Grundsätzlich sind Füchse, Dachse und Marder dem Jagdrecht unterworfen und dürfen während der festgelegten Jagdzeiten bejagt werden. Die Jagdzeiten sind so festgelegt, dass sie außerhalb der Hauptfortpflanzungszeiten liegen sollen.
Allerdings gibt es immer wieder Diskussionen über die Angemessenheit dieser Regelungen. Tierschutzorganisationen fordern regelmäßig eine Überprüfung der geltenden Bestimmungen und teilweise auch ein komplettes Verbot der Beutegreiferjagd.
International zeigt sich ein gemischtes Bild beim Umgang mit der Beutegreiferjagd. Während in einigen Regionen, wie dem erwähnten Luxemburg, die Fuchsjagd eingestellt wurde, wird sie in anderen Ländern weiterhin praktiziert. In Deutschland beispielsweise ist die Diskussion um die Sinnhaftigkeit der Fuchsjagd ebenfalls im Gange.
Studien zur ökologischen Auswirkung eines Jagdverzichts zeigen unterschiedliche Ergebnisse. Während manche Untersuchungen keine negativen Folgen feststellen, verweisen andere auf regionale Unterschiede und die Notwendigkeit einer differenzierten Betrachtung.
Von Seiten der Jägerschaft wird die Kritik des VGT oft als einseitig zurückgewiesen. Jagdverbände argumentieren, dass die Bejagung von Beutegreifern wichtig für das ökologische Gleichgewicht sei und dass Jäger einen wichtigen Beitrag zum Naturschutz leisten würden.
Die Präsentation der erlegten Tiere, die sogenannte "Strecke", wird als traditioneller Brauch verteidigt, der dem Respekt vor dem Wild diene. Critics sehen darin jedoch eine problematische Zur-Schau-Stellung.
Die Debatte um die Beutegreiferjagd dürfte angesichts des wachsenden Bewusstseins für Tierschutz und Ökologie auch in Zukunft aktuell bleiben. Tierschutzorganisationen wie der VGT werden weiterhin Druck für Veränderungen der geltenden Bestimmungen ausüben.
Gleichzeitig sind weitere wissenschaftliche Untersuchungen zu den ökologischen Auswirkungen verschiedener Managementstrategien für Wildtierpopulationen zu erwarten. Diese könnten eine sachlichere Grundlage für politische Entscheidungen schaffen.
Die Veranstaltung in Uttendorf zeigt exemplarisch, wie kontrovers das Thema Jagd nach wie vor diskutiert wird. Während für die einen die Jagd ein wichtiger Beitrag zum Naturmanagement darstellt, sehen andere darin eine überholte Praxis, die dem modernen Verständnis von Tierschutz und Ökologie widerspricht.