Tierschutzorganisationen kritisieren Verkauf verbotener Tellereisenfallen und Jagdreisen auf geschützte Arten
Auf der Salzburger Jagdmesse wurden illegale Tellereisenfallen und Abschüsse geschützter Tiere angeboten. Tierschützer protestierten vor Ort.
Die Jagdmesse "Hohe Jagd" in Salzburg sorgt erneut für Kontroversen. Tierschutzorganisationen werfen den Ausstellern vor, illegale Fallen zum Verkauf anzubieten und Jagdreisen auf geschützte Tierarten zu vermarkten. Der Verein gegen Tierfabriken (VGT) und RespekTiere organisierten deshalb eine Demonstration vor dem Messegelände.
Besonders schockierend für die Tierschützer war der offene Verkauf von Tellereisenfallen, die seit über 30 Jahren in der gesamten Europäischen Union und damit auch in Österreich verboten sind. Diese Fallen wurden einst in der Pelztierjagd eingesetzt und gelten als besonders grausam. Tiere, die in diese Fallen tappen, werden mit ihrem Bein zwischen zwei Bügeln eingeklemmt und müssen oft stunden- oder tagelang in Todesangst ausharren, bis sie gefunden werden.
Die extreme Verzweiflung der gefangenen Tiere führt nicht selten dazu, dass sie sich selbst ein Bein abbeißen, um zu entkommen. Trotz des seit Jahrzehnten bestehenden Verbots wurden diese Fallen auf der Salzburger Messe einzeln bepreist angeboten.
Neben den illegalen Fallen erregte auch das Angebot an Jagdreisen die Aufmerksamkeit der Tierschützer. Für 68.000 Euro können Interessierte eine Elefantenjagd buchen. Aber auch Abschüsse von Bären in Kroatien und sogar streng geschützten Luchsen werden gegen entsprechende Bezahlung angeboten.
Diese Praktiken stehen im direkten Widerspruch zu den Schutzbestimmungen für bedrohte Arten. Große Beutegreifer wie Bären und Luchse sind in Europa streng geschützt und regulieren ihre Populationen normalerweise selbst. Abschüsse sollten nur in absoluten Problemfällen erwogen werden, nicht als kommerzielle Jagdtrophäen.
Interessant waren die unterschiedlichen Reaktionen der Jagdmesse-Besucher auf die Tierschutzdemonstration. Während einige Jäger den Demonstranten mit Verachtung begegneten, gab es durchaus auch zustimmende Stimmen aus der Jägerschaft selbst.
Ein Jäger erklärte gegenüber den Tierschützern, dass "90 bis 95 Prozent aller Jäger zum Vergessen" seien. Andere Messebesucher äußerten, sie würden keine weiblichen Rehe schießen, da diese ihnen leid täten. Sogar bezüglich der umstrittenen Fuchsjagd zeigten sich einige Jäger kompromissbereit und erklärten, sie würden keine Füchse mehr töten wollen.
Der VGT-Obmann DDr. Martin Balluch zeigte sich wenig überrascht von den Zuständen auf der Messe. "Ich war schon oft auf dieser Messe und leider scheint es sich in der Jägerschaft nicht zum Besseren zu entwickeln", erklärte er. Der explizite Verkauf längst verbotener Fallen bezeichnete er als "wirklichen Skandal" und kündigte rechtliche Schritte an.
Der VGT hat Anzeige wegen des Verkaufs der illegalen Tellereisenfallen erstattet. Die Organisation kritisiert, dass nach wie vor Jagdreisen in ferne Länder das Messeangebot dominieren und es keine Anzeichen dafür gibt, dass sich die Jagd zu einer rein ökologisch und tierschutzkonform ausgerichteten Praxis entwickelt.
Balluch sieht in den Jagdangeboten auf große Beutegreifer den Beweis dafür, dass es der Jägerschaft nicht um den Schutz von Menschen oder Nutztieren geht, sondern um "teuren Abschussspaß und Trophäen". Diese Einschätzung wird durch das Messeangebot gestützt, das neben den Jagdreisen auch zahlreiche Trophäen, ausgestopfte Tiere und Schusswaffen präsentiert.
Die Atmosphäre auf der Messe, bei der laut VGT "viel Alkohol konsumiert" wird und "Heldengeschichten über getötete Füchse" erzählt werden, verstärkt den Eindruck einer kommerzialisierten Jagdkultur, die sich weit von ökologischen Notwendigkeiten entfernt hat.
Die Tierschutzorganisationen sehen in der Salzburger Jagdmesse den Beweis dafür, dass noch erhebliche Aufklärungsarbeit nötig ist, um die Jagd in "weniger destruktive Bahnen" zu lenken. Sie fordern eine Rückbesinnung auf ökologische Kriterien und Tierschutzaspekte bei der Jagdausübung.
Die Demonstration vor dem Messegelände war Teil einer breiteren Kampagne, die Öffentlichkeit über problematische Praktiken in der Jagdbranche zu informieren. Die gemischten Reaktionen der Messebesucher zeigen dabei, dass auch innerhalb der Jägerschaft durchaus ein Bewusstsein für problematische Entwicklungen vorhanden ist.
Mit der Anzeige wegen des Verkaufs illegaler Tellereisenfallen könnten auf die Veranstalter und Aussteller rechtliche Konsequenzen zukommen. Das Verbot dieser Fallen besteht nicht ohne Grund - sie gelten als besonders grausame Fangmethode, die erhebliches Tierleid verursacht.
Die Salzburger Jagdmesse "Hohe Jagd" findet regelmäßig statt und zieht Jäger aus ganz Österreich und den Nachbarländern an. Die aktuellen Vorwürfe könnten zu einer intensiveren Überwachung zukünftiger Veranstaltungen führen und die Diskussion über eine Reform der Jagdpraxis anheizen.