Gemeinsam stark gegen den stillen Knochendieb
Eine halbe Million Österreicher sind betroffen: Die Wiener Selbsthilfegruppe KnochenKraft bietet Unterstützung bei Osteoporose und Osteopenie.
Osteoporose gilt als stiller Knochendieb – eine chronische Erkrankung, die schleichend die Knochenmasse und -stabilität reduziert. In Österreich sind nach aktuellen Schätzungen rund 500.000 Menschen von dieser Volkskrankheit betroffen. Trotz der hohen Betroffenenzahl fehlen vielerorts Unterstützungsangebote für Patienten und deren Angehörige. Die Wiener Selbsthilfegruppe KnochenKraft will diese Lücke schließen.
"Gerade bei chronischen Erkrankungen wie Osteoporose ist das Bedürfnis, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen, oft groß", erklärt Helga Rantasa, Obfrau von KnochenKraft. "Mit unserer Gruppe schaffen wir einen Treffpunkt, der sowohl informiert als auch motiviert. Bei uns ist jede und jeder willkommen – egal ob neu diagnostiziert, indirekt betroffen oder schon lange mit Osteoporose lebend."
Die aktive Selbsthilfegruppe richtet sich speziell an Menschen mit Osteoporose und Osteopenie sowie deren Angehörige. Das Angebot umfasst regelmäßige Gruppentreffen, Expertinnen- und Expertenvorträge zu aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und eine spezialisierte Turngruppe, die gezielt die Knochen- und Muskulatur stärkt.
KnochenKraft hat sich einen starken Partner ins Boot geholt: Die Österreichische Gesellschaft vom Goldenen Kreuze (ÖGGK) stellt der Selbsthilfegruppe nicht nur Räumlichkeiten in der Kärntner Straße 26 zur Verfügung, sondern kooperiert auch bei der inhaltlichen Ausgestaltung des Angebots.
"Als gemeinnütziger Verein, der sich der Gesundheitsförderung widmet, haben wir uns das Ziel gesetzt, durch niederschwellige Angebote und fundierte Informationen die Gesundheitskompetenz der Menschen zu stärken", betont Mag. Erika Sander, Generalsekretärin der ÖGGK. "Genau hier setzt auch die Selbsthilfegruppe KnochenKraft an. Wir freuen uns daher sehr über die Kooperation."
Die ÖGGK blickt auf eine mehr als 130-jährige Geschichte zurück und war lange Zeit vor allem als Trägerin der Privatklinik Goldenes Kreuz bekannt. Heute konzentriert sich die Gesellschaft als gemeinnütziger Verein auf Gesundheitsförderung und -prophylaxe.
Die Zahlen zur Osteoporose in Österreich sind alarmierend: Etwa 5,5 Prozent der Bevölkerung sind betroffen, wobei fast 80 Prozent davon Frauen sind. Pro Jahr werden rund 110.000 neue osteoporotische Frakturen verzeichnet – das entspricht statistisch 300 Knochenbrüchen pro Tag.
Besonders besorgniserregend: Laut der Aktion "Gesunde Knochen" erleidet statistisch jede vierte Frau und jeder sechste Mann einmal im Leben einen osteoporosebedingten Knochenbruch. Trotz dieser hohen Belastung erhält ein großer Teil der Betroffenen nach einem osteoporotischen Bruch keine fortführende spezifische Therapie.
Ein besonders problematischer Aspekt zeigt sich in der Nachbehandlung: Nur ein geringer Prozentsatz der Patienten bleibt nach einem Hüftfrakturereignis längerfristig in medizinischer Behandlung. Diese Behandlungslücke verstärkt das Risiko für weitere Frakturen und verschlechtert die Lebensqualität der Betroffenen erheblich.
Die gesellschaftliche, medizinische und wirtschaftliche Relevanz von Osteoporose ist daher enorm. Umso wichtiger sind niederschwellige Unterstützungsangebote, verlässliche Informationen und die Möglichkeit einer Vernetzung für Betroffene.
KnochenKraft versteht sich als umfassende Anlaufstelle für alle Aspekte des Lebens mit Osteoporose. Neben den regelmäßigen Gruppentreffen, bei denen sich Betroffene über ihre Erfahrungen austauschen können, bietet die Gruppe auch spezialisierte Bewegungsangebote.
Das Osteoporose-Turnen ist dabei besonders hervorzuheben: Diese spezielle Form der Bewegungstherapie zielt darauf ab, die Knochen- und Muskulatur gezielt zu stärken und damit das Frakturrisiko zu reduzieren. Solche präventiven Maßnahmen sind ein wichtiger Baustein im Umgang mit der Erkrankung.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Informationsvermittlung. Durch Vorträge von Expertinnen und Experten erhalten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Zugang zu aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und können sich über neue Therapieoptionen informieren. Diese Wissensvermittlung ist besonders wichtig, da sich das Verständnis und die Behandlungsmöglichkeiten bei Osteoporose kontinuierlich weiterentwickeln.
Chronische Erkrankungen wie Osteoporose bringen oft nicht nur körperliche Einschränkungen mit sich, sondern können auch zu sozialer Isolation führen. Viele Betroffene ziehen sich zurück, aus Angst vor Stürzen oder aus Scham über ihre Einschränkungen.
"Niemand soll mit der Krankheit und den damit verbundenen Ängsten und Sorgen allein sein", betont die Selbsthilfegruppe. Dieser Grundsatz spiegelt sich in allen Aktivitäten wider: Von der offenen Atmosphäre bei den Gruppentreffen bis hin zur gegenseitigen Unterstützung im Alltag.
Die Räumlichkeiten in der Kärntner Straße 26 im ersten Wiener Gemeindebezirk sind optimal erreichbar und bieten eine professionelle Umgebung für die Gruppentreffen. Die zentrale Lage macht es Betroffenen aus ganz Wien und Umgebung möglich, regelmäßig an den Angeboten teilzunehmen.
Interessierte können sich direkt an KnochenKraft wenden oder über die Website www.knochenkraft.at Kontakt aufnehmen. Die Gruppe freut sich über neue Mitglieder und betont, dass sowohl neu Diagnostizierte als auch Menschen, die bereits länger mit Osteoporose leben, herzlich willkommen sind.
Mit der Gründung von KnochenKraft entsteht in Wien ein wichtiger Baustein in der Betreuung von Osteoporose-Patienten. Die Kombination aus Erfahrungsaustausch, Wissensvermittlung und praktischen Bewegungsangeboten könnte als Modell für ähnliche Initiativen in anderen Bundesländern dienen.
Die Kooperation zwischen einer etablierten Gesundheitsorganisation und einer Selbsthilfegruppe zeigt zudem, wie sich Synergien nutzen lassen, um Betroffenen bestmögliche Unterstützung zu bieten. Diese Form der Zusammenarbeit könnte wegweisend für die Zukunft der Patientenbetreuung in Österreich sein.