Einzigartige Ausstellung im Landesklinikum Mauer bricht Tabus
Von März bis November 2026 findet in Mauer eine außergewöhnliche Landesausstellung statt, die psychische Gesundheit in den Fokus rückt.
Niederösterreich geht 2026 neue Wege: Die 42. Niederösterreichische Landesausstellung findet erstmals in einem aktiven Klinikum statt. Unter dem Titel "Wenn die Welt Kopf steht – Mensch. Psyche. Gesundheit." wird das Landesklinikum Mauer von 28. März bis 8. November 2026 zum Schauplatz einer besonderen kulturellen Veranstaltung, die gesellschaftliche Tabus aufbrechen will.
"Eine Landesausstellung mitten im laufenden Betrieb eines Klinikums, so etwas hat es in dieser Form noch nie gegeben", betonte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner bei der Präsentation des Projekts. Das historische Jugendstil-Ensemble des Landesklinikums Mauer wird damit zu einem "Ort mit Zukunft" weiterentwickelt.
Das Projekt stellt eine besondere Herausforderung dar, da der Klinikbetrieb während der Ausstellung vollständig aufrechterhalten wird. Der ärztliche Direktor Christian Korbel versicherte, dass der Schutz der Privatsphäre von Patienten und Bewohnern oberste Priorität habe. Spezielle bauliche Anpassungen und eigens geschulte Kulturvermittler sollen einen reibungslosen Ablauf gewährleisten.
Das Land Niederösterreich investiert rund 43 Millionen Euro in die Renovierung und Modernisierung des historischen Gebäudeensembles. "Das ist verantwortungsvolle Kulturpolitik der Marke Niederösterreich: Wir bewahren unser Erbe und machen es fit für kommende Generationen", erklärte Mikl-Leitner. Diese Investition unterstreicht die Bedeutung des Projekts als wichtigstes Regionalentwicklungsvorhaben des Landes.
Die Erfolgsgeschichte der niederösterreichischen Landesausstellungen kann auf 65 Jahre zurückblicken. 41 Ausstellungen zogen bisher rund elf Millionen Besucher an und prägten nachhaltig die jeweiligen Regionen.
Das Thema der Ausstellung 2026 könnte aktueller nicht sein. Psychische Erkrankungen waren lange Zeit gesellschaftlich tabuisiert, doch heute gilt es, offen darüber zu sprechen und frühzeitig Unterstützung anzubieten. "Unser Ziel ist klar: Hinschauen statt wegschauen, stärken statt stigmatisieren und Menschen rechtzeitig die Hilfe geben, die sie brauchen", so die Landeshauptfrau.
Der wissenschaftliche Leiter Armin Laussegger erläuterte das Konzept: "Im Zentrum der Ausstellung steht der gesellschaftliche Umgang mit psychischen Erkrankungen im Wandel der vergangenen 250 Jahre." Die Ausstellung erzähle keine simple Fortschrittsgeschichte, sondern zeige die historischen Entwicklungen in ihrer vollen Komplexität – mit Brüchen und Widersprüchen.
Besonderes Augenmerk liegt auf Kindern und Jugendlichen. Interaktive Stationen, Familienführungen und Workshops zu Themen wie Gesundheit, Social Media und Fake News sollen junge Menschen ansprechen und ihnen wichtige Kompetenzen vermitteln. Diese zielgruppenspezifische Herangehensweise macht die komplexe Thematik für alle Altersgruppen zugänglich.
Knapp 370 Objekte aus Geschichte und Gegenwart ermöglichen differenzierte Einblicke in die Entwicklung der Psychiatrie und den Umgang mit psychischen Erkrankungen. Ziel ist es, Wissen zu vermitteln, Ängste abzubauen und Mut zu machen, über psychische Gesundheit zu sprechen.
Ein wichtiger und sensibler Aspekt der Ausstellung ist die Aufarbeitung der NS-Medizinverbrechen am Standort Mauer. Die Landesausstellung blendet diese dunkle Vergangenheit nicht aus, sondern widmet ihr angemessenen Raum. Im Frühherbst 2026 wird ein Gedenkort beim Friedhof des Klinikums eröffnet.
Zusätzlich entsteht im Haus 18 ein dauerhafter Lernort, der auch über die Ausstellung hinaus bestehen bleibt. Diese Maßnahmen zeigen den verantwortungsvollen Umgang mit der Geschichte und tragen zur gesellschaftlichen Aufarbeitung bei.
Die Wirkung der Landesausstellung erstreckt sich weit über das Klinikareal hinaus. Sie stärkt das Mostviertel als Gesundheitsregion, sichert Arbeitsplätze und setzt wichtige wirtschaftliche sowie touristische Impulse. Insgesamt 31 Gemeinden der LEADER-Region Moststraße sind als Partner eingebunden.
Sieben Begleitprojekte verstärken die nachhaltige Entwicklung der Region:
LEADER-Region Moststraße Obfrau Michaela Hinterholzer erklärte: "Wir bereiten die Region so vor, dass aus dem Ausstellungsbesuch ein stimmiges Gesamterlebnis wird und Wertschöpfung in der Region bleibt." Diese ganzheitliche Herangehensweise sorgt dafür, dass die Impulse der Landesausstellung nachhaltig in der Region wirken.
Amstettens Bürgermeister Christian Haberhauer sieht in der Landesausstellung einen "historischen Meilenstein für Amstetten und die gesamte Region." Sie stärke Amstetten als Zentrum für Gesundheit, Bildung und Innovation. Diese Positionierung unterstreicht die strategische Bedeutung des Projekts für die Stadtentwicklung.
Die Kombination aus historischem Bewusstsein, aktueller Gesundheitsthematik und regionaler Entwicklung macht die Landesausstellung 2026 zu einem einzigartigen Projekt. Sie verbindet Kulturvermittlung mit gesellschaftlicher Verantwortung und regionalem Fortschritt.
"Diese Landesausstellung ist mehr als ein Kulturprojekt. Sie ist ein gesellschaftliches Signal, ein wirtschaftlicher Impuls und ein klares Bekenntnis zu unserer Verantwortung", fasste Landeshauptfrau Mikl-Leitner die Bedeutung des Vorhabens zusammen.
Mit der Wahl des Themas psychische Gesundheit greift Niederösterreich eine der zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit auf. Die Ausstellung will Aufklärung leisten, Verständnis fördern und einen Beitrag zur Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen leisten.
Die professionelle Zusammenarbeit mit der Schallaburg Kulturbetriebsges.m.b.H. gewährleistet die hohe Qualität der Ausstellung. Die Erfahrung aus 41 vorangegangenen Landesausstellungen fließt in dieses besondere Projekt ein, das neue Maßstäbe für die Verbindung von Kultur, Gesundheit und regionaler Entwicklung setzt.
Die NÖ Landesausstellung 2026 in Mauer verspricht damit nicht nur ein kulturelles Highlight zu werden, sondern auch wichtige gesellschaftliche Impulse zu setzen und die Region nachhaltig zu stärken.