Österreichs ältestes gesundheitspolitisches Beratungsgremium konstituiert sich für die Periode 2026-2028 neu
Der Oberste Sanitätsrat hat sich neu konstituiert. Markus Müller wurde erneut zum Präsidenten gewählt und soll das Gesundheitswesen beraten.
Das älteste gesundheitspolitische Beratungsgremium Österreichs hat sich für die neue Funktionsperiode formiert: Der Oberste Sanitätsrat (OSR) konstituierte sich am 17. Februar 2026 neu und wählte dabei den Rektor der Medizinischen Universität Wien, Univ.-Prof. Dr. Markus Müller, erneut zu seinem Präsidenten. Gemeinsam mit den Vizepräsidenten Univ.-Prof. Dr. Michael Grimm und Dr.in Christiane Druml wird er das 46-köpfige Expertengremium bis Ende 2028 leiten.
Der Oberste Sanitätsrat blickt auf eine beeindruckende Geschichte zurück – er existiert bereits seit der Zeit von Maria Theresia und ist damit das älteste gesundheitspolitische Gremium des Landes. Diese lange Tradition unterstreicht die kontinuierliche Bedeutung wissenschaftlicher Beratung in Gesundheitsfragen, die sich über Jahrhunderte bewährt hat.
Heute fungiert das Gremium als zentrales wissenschaftliches Beratungsorgan des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMASGPK). Die Empfehlungen des OSR bilden eine wesentliche fachliche Grundlage für gesundheitspolitische Entscheidungen der Bundesregierung.
Das besondere Merkmal des Obersten Sanitätsrats liegt in seiner breiten interdisziplinären Aufstellung. Im Gremium sind alle medizinischen Fachgesellschaften vertreten, ebenso wie Experten der nichtärztlichen Gesundheitsberufe, der Apothekerkammer und der Ärztekammer. Diese Vielfalt ermöglicht es, gesundheitspolitische Fragen aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und faktenbasierte Entscheidungen zu treffen.
Die 46 Mitglieder des Gremiums arbeiten ehrenamtlich und bringen Expertise aus unterschiedlichsten Bereichen ein – von der klassischen Medizin über Pflege und Wissenschaft bis hin zu verschiedenen Gesundheitsberufen. Diese breite Aufstellung ist besonders wichtig, da die Herausforderungen im Gesundheitswesen zunehmend komplex werden und interdisziplinäre Lösungsansätze erfordern.
In der neuen Funktionsperiode wird sich der Oberste Sanitätsrat in seinen Fachausschüssen mit aktuellen Herausforderungen des österreichischen Gesundheitssystems beschäftigen. Zu den prioritären Themen gehören die Verbesserung der Gehirngesundheit sowie die Entwicklung einer notwendigen Mangelfachregelung.
Diese Schwerpunktsetzung reflektiert die drängenden Probleme des heimischen Gesundheitswesens: Einerseits die demografische Entwicklung mit einer alternden Gesellschaft, die neue Ansätze in der Neurologie und Psychiatrie erfordert, andererseits der anhaltende Ärztemangel in bestimmten Fachbereichen, der innovative Lösungsansätze verlangt.
Gesundheitsministerin Korinna Schumann würdigte bei der Konstituierung die Bedeutung des Gremiums: "Das Gesundheitsministerium schätzt die fachlichen Empfehlungen des Obersten Sanitätsrats, um wichtige Entscheidungen in gesundheitspolitischen Fragen treffen zu können, in allerhöchstem Maße." Sie dankte allen Vertretern für deren wertvolle Arbeit für ein starkes Gesundheitssystem.
Auch Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig, die als Repräsentantin der Bundesregierung im OSR fungiert, betonte die Professionalität des Gremiums: "Der Oberste Sanitätsrat ist ein hochprofessionelles und fachlich breit aufgestelltes Gremium mit hoher Expertise. Ich freue mich, derart kompetente Experten beratend an meiner Seite zu wissen."
Für OSR-Präsident Markus Müller ist es bereits die vierte Funktionsperiode in dieser verantwortungsvollen Position. Der renommierte Mediziner und Rektor der Medizinischen Universität Wien zeigt sich optimistisch für die kommende Arbeitsperiode: "Gemeinsam mit den hervorragenden Gesundheitsexperten dieses Gremiums freue ich mich auf die verantwortungsvolle Arbeit im Team. Unser Ziel ist es, wichtige Beiträge zur Lösung der großen aktuellen Herausforderungen für das österreichische Gesundheitssystem zu leisten."
Müller zählt zu den renommiertesten Medizinern des Landes und bringt sowohl klinische als auch universitäre Führungserfahrung in das Amt ein. Seine Kontinuität in der Führung des OSR gewährleistet Stabilität in einer Zeit, in der das Gesundheitswesen vor großen Transformationsaufgaben steht.
Neben Präsident Müller wurde Univ.-Prof. Dr. Michael Grimm als Vizepräsident gewählt. Grimm ist Internist und Universitätsprofessor mit langjähriger klinischer und wissenschaftlicher Erfahrung, der wichtige Expertise aus der Praxis einbringt.
Als Vizepräsidentin fungiert Dr.in Christiane Druml, eine renommierte Bioethikerin und langjährige Vorsitzende der Bioethikkommission im Bundeskanzleramt. Ihre Expertise in ethischen Fragen der Medizin ist besonders wertvoll, da moderne Gesundheitspolitik zunehmend ethische Dimensionen berücksichtigen muss.
Die Neukonstituierung des Obersten Sanitätsrats erfolgt zu einem kritischen Zeitpunkt für das österreichische Gesundheitswesen. Nach den Erfahrungen der COVID-19-Pandemie, dem demografischen Wandel und den steigenden Kosten im Gesundheitswesen stehen grundlegende Weichenstellungen an.
Das Gremium wird in den kommenden drei Jahren wichtige Impulse für die Weiterentwicklung des Gesundheitssystems geben müssen. Dabei geht es nicht nur um medizinisch-fachliche Fragen, sondern auch um strukturelle Reformen und die Anpassung an gesellschaftliche Veränderungen.
Die ehrenamtliche Tätigkeit der Expertinnen und Experten im OSR unterstreicht deren Engagement für das Gemeinwohl. In Zeiten knapper öffentlicher Ressourcen ist diese Form der unentgeltlichen Beratung besonders wertvoll für die Qualität gesundheitspolitischer Entscheidungen.
Die neue Funktionsperiode bis Ende 2028 wird geprägt sein von großen Herausforderungen: Die Digitalisierung im Gesundheitswesen schreitet voran, neue Therapien und Technologien müssen bewertet werden, und die Finanzierbarkeit des Systems muss langfristig gesichert werden.
Der Oberste Sanitätsrat wird dabei eine wichtige Rolle als unabhängiges wissenschaftliches Beratungsgremium spielen. Seine Empfehlungen können dazu beitragen, dass Österreich auch in Zukunft über ein leistungsfähiges und qualitativ hochwertiges Gesundheitssystem verfügt.
Die breite fachliche Aufstellung des Gremiums und die Kontinuität in der Führung schaffen gute Voraussetzungen dafür, dass der OSR seiner traditionellen Rolle als wichtigster Berater der Gesundheitspolitik auch in den kommenden Jahren gerecht werden kann.