Am 5. Februar 2026 hat die österreichische Bundesregierung ein bedeutendes Gesetzespaket verabschiedet, das die Nachhaltigkeitsberichterstattung von großen Unternehmen neu regelt. Mit den Stimmen der Dreierkoalition wurde das Nachhaltigkeitsberichtgesetz im Bundesrat verabschiedet, was eine Anpassun
Am 5. Februar 2026 hat die österreichische Bundesregierung ein bedeutendes Gesetzespaket verabschiedet, das die Nachhaltigkeitsberichterstattung von großen Unternehmen neu regelt. Mit den Stimmen der Dreierkoalition wurde das Nachhaltigkeitsberichtgesetz im Bundesrat verabschiedet, was eine Anpassung an die EU-Vorgaben darstellt, die ursprünglich bereits 2024 hätte umgesetzt werden sollen. Diese Entwicklung ist besonders relevant für Österreich, da bei Nichtumsetzung Vertragsverletzungsverfahren und damit verbundene Strafzahlungen drohen.
Das Nachhaltigkeitsberichtgesetz zielt darauf ab, die Berichterstattung über Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungsaspekte (ESG) in großen Unternehmen zu standardisieren und zu erweitern. Diese Berichterstattung soll künftig denselben Stellenwert wie die Finanzberichterstattung einnehmen. Ein entscheidender Aspekt ist die Einführung einer technologieneutralen Verifizierung, die die traditionelle Unterschrift bei Jahresabschlüssen ersetzen soll. Dies bedeutet, dass Unternehmen ihre Berichte nicht nur detaillierter, sondern auch auf neue Weise authentifizieren müssen.
Die EU hat bereits vor Jahren begonnen, die Nachhaltigkeitsberichterstattung zu standardisieren, um die Transparenz und Vergleichbarkeit zwischen Unternehmen zu verbessern. Die Richtlinie zur nichtfinanziellen Berichterstattung, die 2014 verabschiedet wurde, war ein erster Schritt in diese Richtung. Österreich hat diese Richtlinie jedoch nur teilweise umgesetzt, was zu den aktuellen Anpassungen führte.
Die EU-Vorgaben sehen vor, dass große Unternehmen detaillierte Berichte über ihre Nachhaltigkeitspraktiken erstellen müssen. Diese Berichte sollen nicht nur die Umweltverträglichkeit, sondern auch soziale Aspekte und die Unternehmensführung umfassen. Ziel ist es, die Unternehmen dazu zu bringen, nachhaltiger zu wirtschaften und dies auch nach außen hin zu kommunizieren.
Im Vergleich zu Deutschland und der Schweiz hat Österreich bisher einen weniger strikten Ansatz verfolgt. Während Deutschland bereits seit 2017 eine umfassende Berichterstattung über nichtfinanzielle Informationen verlangt, hat die Schweiz erst kürzlich ähnliche Regelungen eingeführt. Österreichs neue Gesetzgebung bringt das Land nun auf Augenhöhe mit seinen Nachbarn, was die Nachhaltigkeitsberichterstattung betrifft.
Für die Bürger bedeutet dieses Gesetz mehr Transparenz und die Möglichkeit, fundierte Entscheidungen über die Produkte und Dienstleistungen zu treffen, die sie unterstützen. Unternehmen hingegen stehen vor der Herausforderung, ihre internen Prozesse anzupassen, um den neuen Berichtspflichten nachzukommen. Dies könnte insbesondere für kleinere und mittlere Unternehmen einen erheblichen Mehraufwand bedeuten.
Ein Beispiel für die Auswirkungen ist die Verpflichtung zur Erstellung eines zweiten Jahresberichts, der die Nachhaltigkeitsaspekte abdeckt. Dies erfordert zusätzliche Ressourcen und Fachwissen, was für einige Unternehmen eine Belastung darstellen könnte. Gleichzeitig bietet es die Chance, durch nachhaltige Praktiken neue Märkte zu erschließen und das Vertrauen der Verbraucher zu stärken.
Die erste Welle der Umsetzung betrifft 120 Unternehmen in Österreich, die mehr als 1.000 Mitarbeiter beschäftigen und einen Umsatz von über 450 Millionen Euro erzielen. Diese Unternehmen sollen als Vorbilder für die Wirtschaft dienen und zeigen, wie Nachhaltigkeit in der Praxis umgesetzt werden kann.
Die FPÖ und die Grünen haben das Gesetzespaket aus unterschiedlichen Gründen kritisiert. Die FPÖ sieht darin ein Bürokratieungetüm, das Unternehmen schwächt, während die Grünen die Maßnahmen als unzureichend empfinden. Diese unterschiedlichen Ansichten zeigen die Komplexität des Themas und die Herausforderungen bei der Umsetzung solcher weitreichenden Gesetze.
Die Regierung argumentiert jedoch, dass das Gesetz ein notwendiger Schritt ist, um die Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Wirtschaft zu sichern und gleichzeitig den Anforderungen der EU gerecht zu werden. Die Diskussionen um das Gesetz zeigen, wie wichtig es ist, einen ausgewogenen Ansatz zu finden, der sowohl den wirtschaftlichen als auch den ökologischen Interessen gerecht wird.
Die Einführung des Nachhaltigkeitsberichtgesetzes ist nur der erste Schritt. In den kommenden Monaten wird es weitere Arbeitssitzungen geben, um zusätzliche Themen zu klären und das Gesetz weiterzuentwickeln. Experten sind sich einig, dass die Nachhaltigkeitsberichterstattung in Zukunft noch an Bedeutung gewinnen wird, da Verbraucher und Investoren zunehmend Wert auf transparente und nachhaltige Geschäftspraktiken legen.
Österreich hat die Chance, eine Vorreiterrolle in der EU einzunehmen, indem es die Berichterstattung weiter optimiert und Innovationen in diesem Bereich fördert. Dies könnte nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Unternehmen stärken, sondern auch einen Beitrag zu einer nachhaltigeren globalen Wirtschaft leisten.
Das Nachhaltigkeitsberichtgesetz stellt einen wichtigen Meilenstein für Österreichs Wirtschaft dar. Es bietet die Möglichkeit, die Transparenz zu erhöhen und Unternehmen zu nachhaltigem Handeln zu motivieren. Gleichzeitig zeigt die Kontroverse um das Gesetz, dass noch viel Arbeit nötig ist, um alle Interessen zu berücksichtigen. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Umsetzung in der Praxis entwickelt und welche weiteren Schritte die Regierung in den kommenden Monaten unternehmen wird.
Interessierte können die Entwicklungen weiterhin über Livestreams der Parlamentsdebatten verfolgen oder sich in der Mediathek des Parlaments informieren. Wie sehen Sie die zukünftige Rolle Österreichs in der Nachhaltigkeitsberichterstattung? Teilen Sie Ihre Meinung in den Kommentaren!