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NÖ-Gemeindentour komplett: Oberösterreicher besuchte alle 573 Orte

6. April 2026 um 07:17
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Ein Mann, eine Mission, 573 Ortsschilder: Gerald Stutz aus dem oberösterreichischen Hausruckviertel hat Geschichte geschrieben. Als erster Mensch überhaupt besuchte er jede einzelne Gemeinde Nieder...

Ein Mann, eine Mission, 573 Ortsschilder: Gerald Stutz aus dem oberösterreichischen Hausruckviertel hat Geschichte geschrieben. Als erster Mensch überhaupt besuchte er jede einzelne Gemeinde Niederösterreichs – und dokumentierte jeden Stopp mit einem Foto vor der jeweiligen Ortstafel. Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und Landtagspräsident Karl Wilfing empfingen den außergewöhnlichen Reisenden nun im Landhaus St. Pölten, um seine beeindruckende Tour zu würdigen.

Von der Weltreise zum Heimat-Abenteuer

Gerald Stutz ist kein gewöhnlicher Tourist. Der gebürtige Oberösterreicher hat bereits 129 Länder bereist und dabei die Erde 36-mal umrundet – eine Distanz, die etwa 1,4 Millionen Kilometern entspricht. Doch seine größte Herausforderung fand er nicht in fernen Kontinenten, sondern direkt vor der Haustür: die systematische Erkundung aller österreichischen Gemeinden.

"Damit ich nicht nur die große weite Welt, sondern auch meine schöne Heimat noch besser kennen lerne, habe ich vor Jahren beschlossen, alle Gemeinden in Österreich zu besuchen", erklärt Stutz seine Motivation. Diese Entscheidung führte ihn durch ein ambitioniertes Projekt, das mittlerweile 1.786 von insgesamt 2.092 österreichischen Gemeinden umfasst.

Niederösterreich als fünftes Bundesland abgehakt

Mit der Vollendung seiner Niederösterreich-Tour hat Stutz bereits fünf von neun Bundesländern komplett bereist. Oberösterreich, Salzburg, Burgenland, Kärnten und nun Niederösterreich stehen auf seiner Erfolgsliste. Die verbleibenden vier Bundesländer – Wien, Steiermark, Tirol und Vorarlberg – befinden sich in Bearbeitung.

Niederösterreich stellt mit seinen 573 Gemeinden das flächenmäßig größte Bundesland Österreichs dar und umfasst rund 19.186 Quadratkilometer. Die Gemeindedichte variiert stark: Während die bevölkerungsreichste Gemeinde St. Pölten über 55.000 Einwohner zählt, haben die kleinsten Ortschaften wie Hardegg gerade einmal 80 Bewohner.

Systematische Dokumentation mit besonderer Methode

Stutz' Herangehensweise ist dabei alles andere als oberflächlich. Jeder Gemeindebesuch wird penibel dokumentiert: Ein Foto von sich selbst vor der jeweiligen Ortstafel dient als Beweis für den absolvierten Stopp. Diese Methode gewährleistet nicht nur eine lückenlose Dokumentation, sondern schafft auch eine persönliche Verbindung zu jedem besuchten Ort.

Die Ortstafel-Fotografie als Dokumentationsmethode hat in Österreich eine besondere Bedeutung. Diese standardisierten Schilder, die seit den 1960er Jahren nach einheitlichen Richtlinien gestaltet werden, markieren nicht nur Gemeindegrenzen, sondern repräsentieren auch lokale Identität und Zugehörigkeit. Für Gemeinde-Sammler wie Stutz stellen sie den ultimativen Beweis für einen vollständigen Besuch dar.

Die "verrückteste Homepage Österreichs"

Seine Erlebnisse und Sammlungen präsentiert Stutz auf seiner Website www.stutzgerald.at, die er selbst als "verrückteste Homepage Österreichs" bezeichnet. Die Plattform dokumentiert nicht nur seine Gemeinde-Besuche, sondern auch weitere außergewöhnliche Sammlungen: 547 UNESCO-Welterbestätten, 768 Gewässerproben aus aller Welt und 481 verspeiste Brettljausen zeugen von seiner Leidenschaft für systematisches Sammeln und Dokumentieren.

Offizielle Anerkennung im Landhaus St. Pölten

Die Landesregierung würdigte Stutz' außergewöhnliche Leistung mit einer offiziellen Einladung ins Landhaus St. Pölten. Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner zeigte sich beeindruckt: "Der Vergleich macht sicher: wer alle Gemeinden dieser Republik gesehen hat, weiß, wo es am schönsten ist - natürlich bei uns in Niederösterreich."

Mikl-Leitner betonte besonders die Qualität von Stutz' Reiseerfahrung: "Was mich besonders freut ist, dass Gerald Stutz nicht einfach nur durch 573 Gemeinden Niederösterreichs durchgefahren ist. Er hat unsere Gastfreundschaft erlebt, regionale Schmankerl, gute Weine und auch den einen oder anderen Schnaps."

Zufälliger Begegnung in Schrattenberg

Landtagspräsident Karl Wilfing hatte bereits vor dem offiziellen Treffen Kontakt mit Stutz. In der Weinviertler Gemeinde Schrattenberg traf er den Gemeinde-Sammler zufällig bei dessen Tour und griff sogar selbst zur Kamera. "Wer Niederösterreich bis in den letzten Winkel bereist, spürt die enorme Vielfalt und den Zusammenhalt in unseren Gemeinden", gratuliert Wilfing.

Schrattenberg, mit etwa 900 Einwohnern eine der kleineren Gemeinden Niederösterreichs, liegt im Bezirk Mistelbach direkt an der tschechischen Grenze. Die Gemeinde ist bekannt für ihre Kellergassen und Weinbaubetriebe – typische Charakteristika für viele Weinviertel-Gemeinden, die Stutz während seiner Tour kennengelernt hat.

Niederösterreichs Gemeindelandschaft im Detail

Die 573 Gemeinden Niederösterreichs spiegeln die enorme Vielfalt des Bundeslandes wider. Von den Alpenausläufern im Süden über das Waldviertel im Norden bis hin zur Donau-Region erstreckt sich eine Landschaft mit unterschiedlichsten geografischen, kulturellen und wirtschaftlichen Prägungen.

Die Gemeindegröße variiert erheblich: Während Großstädte wie St. Pölten oder Wiener Neustadt urbane Zentren darstellen, prägen kleine Dörfer mit weniger als 500 Einwohnern das ländliche Niederösterreich. Diese Diversität macht Stutz' Projekt besonders reizvoll, da jede Gemeinde ihre eigene Geschichte und Charakteristika aufweist.

Herausforderungen einer systematischen Gemeindereise

Eine vollständige Gemeinde-Tour durch Niederösterreich erfordert erhebliche Planung und Ausdauer. Bei durchschnittlich 20 Gemeinden pro Tag würde die reine Besuchszeit etwa einen Monat betragen – ohne Berücksichtigung der Fahrzeiten zwischen den oft weit voneinander entfernten Ortschaften.

Stutz' Herangehensweise unterscheidet sich jedoch von einer reinen Abhak-Tour. Seine Betonung auf regionale Kulinarik, Gastfreundschaft und lokale Besonderheiten zeigt, dass er jeden Besuch als kulturelle Bereicherung betrachtet. Diese Philosophie spiegelt sich auch in seiner Sammlung von 481 Brettljausen wider – jede ein kleines kulinarisches Abenteuer.

Auswirkungen auf den regionalen Tourismus

Stutz' Projekt könnte Vorbild für eine neue Form des Inlandstourismus werden. Während viele Österreicher für Urlaubsreisen ins Ausland fahren, demonstriert er die touristische Attraktivität der eigenen Heimat. Seine systematische Herangehensweise könnte andere dazu inspirieren, die Vielfalt Österreichs bewusster zu entdecken.

Für kleine Gemeinden, die oft abseits der touristischen Hauptrouten liegen, könnte diese Art des "Gemeinde-Hopping" neue Besucherströme generieren. Die Dokumentation auf Stutz' Website fungiert dabei als kostenlose Werbung für die besuchten Orte und ihre Sehenswürdigkeiten.

Vergleich mit anderen Bundesländern

Im Vergleich zu anderen Bundesländern stellt Niederösterreich mit 573 Gemeinden eine besondere Herausforderung dar. Oberösterreich folgt mit 438 Gemeinden, während kleinere Bundesländer wie das Burgenland nur 171 Gemeinden aufweisen. Salzburg mit 119 Gemeinden war vermutlich Stutz' schnellstes Projekt.

Die noch ausstehenden Bundesländer bringen unterschiedliche Schwierigkeitsgrade mit sich: Die Steiermark mit 286 Gemeinden, Tirol mit 279, Vorarlberg mit 96 und Wien mit 23 Bezirksteilen. Besonders herausfordernd dürften die Tiroler Berggemeinden werden, wo manche Orte nur über Bergstraßen oder sogar Seilbahnen erreichbar sind.

Die Psychologie des systematischen Sammelns

Stutz' Leidenschaft für das systematische Sammeln – von Gemeinden über UNESCO-Welterbestätten bis hin zu Gewässerproben – spiegelt ein faszinierendes Phänomen wider. Sammler-Persönlichkeiten zeichnen sich oft durch Ausdauer, Systematik und den Drang nach Vollständigkeit aus.

Die 768 Gewässerproben aus aller Welt zeigen beispielsweise, wie sich Sammelleidenschaft auf verschiedene Bereiche erstrecken kann. Jede Probe dokumentiert nicht nur einen geografischen Punkt, sondern auch eine persönliche Erfahrung und Erinnerung. Diese emotionale Komponente macht das Sammeln zu mehr als nur einer statistischen Übung.

Digitale Dokumentation als moderne Reisechronik

Stutz' Website repräsentiert eine moderne Form der Reisedokumentation. Während früher Reisetagebücher oder Fotoalben private Erinnerungsstücke waren, ermöglicht die digitale Präsentation das Teilen von Erfahrungen mit einer globalen Gemeinschaft.

Die Bezeichnung als "verrückteste Homepage Österreichs" deutet auf Stutz' Bewusstsein für die Außergewöhnlichkeit seines Projekts hin. Diese Selbstironie macht seine Leidenschaft sympathisch und zugänglich für andere.

Zukunftsperspektiven und weitere Pläne

Mit 1.786 von 2.092 österreichischen Gemeinden hat Stutz bereits über 85 Prozent seines Ziels erreicht. Die verbleibenden 306 Gemeinden verteilen sich auf vier Bundesländer, wobei Wien mit nur 23 Bezirksteilen vermutlich das schnellste Projekt darstellen wird.

Nach Vollendung seines österreichischen Gemeinde-Projekts könnte Stutz seine Systematik auf andere Länder ausweiten. Deutschland mit über 11.000 Gemeinden oder die Schweiz mit etwa 2.200 Kommunen böten neue Herausforderungen. Alternativ könnte er sich spezifischeren Sammlungen widmen, etwa allen österreichischen Burgen oder Wallfahrtsorten.

Inspiration für andere Entdecker

Stutz' Projekt zeigt, dass außergewöhnliche Abenteuer nicht immer ferne Kontinente erfordern. Seine systematische Herangehensweise an die Erkundung der Heimat könnte andere dazu inspirieren, ähnliche Projekte zu starten – sei es auf regionaler, nationaler oder thematischer Ebene.

Landeshauptfrau Mikl-Leitner zeigte sich optimistisch bezüglich Stutz' Rückkehr: "Deshalb bin ich mir sicher, er kommt auch bald wieder zurück ins Heimatland der Genießerinnen und Genießer." Diese Aussage unterstreicht die Hoffnung, dass Stutz' positive Erfahrungen in Niederösterreich zu weiteren Besuchen führen werden.

Gerald Stutz hat bewiesen, dass systematische Neugier und Ausdauer zu außergewöhnlichen Entdeckungen führen können. Seine Niederösterreich-Tour steht exemplarisch für eine neue Form des bewussten, langsamen Reisens, bei der nicht die Destination, sondern der Weg selbst zum Ziel wird. Mit seiner fortgesetzten Mission, alle österreichischen Gemeinden zu besuchen, schreibt er ein einzigartiges Kapitel der heimischen Entdeckungsgeschichte.

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