Pernkopf präsentiert Jahresschwerpunkte der Dorf- und Stadterneuerung
Niederösterreich setzt auf Gemeinschaftsleben: Neue Förderschienen unterstützen Gemeinden mit bis zu 20.000 Euro für lebendige Ortszentren.
Niederösterreich verstärkt seine Unterstützung für Gemeinden und setzt dabei auf bewährte Strukturen statt auf Zusammenlegungen. Landeshauptmann-Stellvertreter Stephan Pernkopf präsentierte in Gossam die diesjährigen Schwerpunkte der Dorf- und Stadterneuerung und kündigte umfassende Fördermaßnahmen sowie ein Entlastungspaket für die Gemeinden an.
Im Mittelpunkt der Initiative stehen zwei zentrale Förderlinien, die auf die konkreten Bedürfnisse der Gemeinden eingehen. Die Förderung "Lebendige Orte" unterstützt die Belebung der Ortszentren mit bis zu 20.000 Euro pro Projekt. Diese Mittel sollen den Herzkammern des Gemeinschaftslebens neues Leben einhauchen und die sozialen Strukturen in den Gemeinden stärken.
Ergänzend dazu fördert das Programm "Stolz auf unser Dorf" kleinere, aber nicht minder wichtige Projekte mit maximal 2.500 Euro. Diese Unterstützung richtet sich an Sanierungsarbeiten, die Revitalisierung von Dorfhäusern und ähnliche Maßnahmen zur Verschönerung der Gemeinden. "Auch kleine Förderungen haben große Bedeutung", betonte Pernkopf und verwies auf den Erfolg der vergangenen zwei Jahre, in denen bereits 500 Projekte umgesetzt werden konnten.
Die Entwicklung dieser Förderprogramme basiert auf einer umfassenden Bedarfserhebung. Im Vorjahr wurden in allen Regionen Niederösterreichs Stammtische veranstaltet, um direkt von den Gemeindeverantwortlichen zu erfahren, wo konkrete Probleme liegen und welche Unterstützung benötigt wird. Diese bürgernähe Herangehensweise ermöglichte es, die Förderungen gezielt an den tatsächlichen Bedürfnissen auszurichten.
Die dabei identifizierten Hauptanliegen - spürbare Entlastung der Gemeinden und unbürokratische Unterstützung bei der Dorferneuerung - fließen nun direkt in die konkreten Maßnahmen ein. Johannes Wischenbart, Geschäftsführer der NÖ Dorf- und Stadterneuerung, konkretisierte die Anwendungsbereiche der nächsten Fördertranche.
Vom 27. März bis 30. April können Gemeinden und Vereine Anträge für die Förderung "Stolz auf unser Dorf" einreichen. Unterstützt werden dabei:
Neben den direkten Förderungen setzt Niederösterreich auf moderne Verwaltungsstrukturen und digitale Unterstützung. Eine Umfrage unter den über 800 Dorferneuerungsvereinen des Landes ergab, dass die Erleichterung von Verwaltungsaufgaben und die Unterstützung bei der Mitgliedergewinnung oberste Priorität haben.
Als Antwort darauf bietet das Land kostenlose Webinare zum Thema Digitalisierung sowie ein umfassendes Kommunikationsangebot mit professionellen Logos und Materialien an. Zusätzlich wurden Regionalberater eingeführt, die persönlichen Service vor Ort bieten und die Gemeinden bei ihren Projekten begleiten.
Für das Jahr 2026 kündigte Wischenbart ein umfassendes Maßnahmenpaket mit zusätzlichen Schwerpunkten an. Geplant sind:
Pernkopf nutzte die Gelegenheit auch für ein klares politisches Statement gegen Gemeindezusammenlegungen. "Das Motto dabei lautet: Zusammenarbeiten, nicht zusammenlegen", erklärte der Landeshauptmann-Stellvertreter und erteilte entsprechenden Vorschlägen eine deutliche Absage.
"Gemeinden sind Heimat und Identität. Wer sich mit unseren Gemeinden anlegt, der legt sich mit mir an", betonte Pernkopf. Stattdessen setzt das Land auf Kooperation und gegenseitige Unterstützung. "Wir brauchen mehr Sicherheit statt Verunsicherung, mehr Heimat- und Mutmacher – wie unsere über 800 Dorferneuerungsvereine."
Maria Forstner, Obfrau des Vereins NÖ Dorf- und Stadterneuerung, hob die Bedeutung des Generationendialogs hervor. "Unsere Stärke, um die Gemeinschaft im Ort zu stärken, liegt in einer Mischung der Generationen. Eine gute Dorfgemeinschaft ist das allerwichtigste", erklärte sie.
Um den Austausch zwischen den Gemeinden zu fördern, sind für heuer wieder Dorfgespräche in allen Vierteln Niederösterreichs geplant. Das erste findet am 26. Februar im Industrieviertel statt. Diese Veranstaltungen dienen dem Erfahrungsaustausch und der Präsentation der Angebote der Dorf-Stadterneuerung.
Ein praktisches Beispiel für erfolgreiche Dorferneuerung präsentierte Elisabeth Eßbüchl, Obfrau des Vereins für Dorferneuerung und Kulturinitiativen Gossam – Grimsing – Schallemmersdorf. Ihr vor 39 Jahren gegründeter Verein besteht heute aus 50 Familienmitgliedschaften und weiteren 20 Einzelmitgliedern.
"Das leerstehende und schon schwer renovierungsbedürftige ehemalige Dorfwirtshaus ist in einigen tausend freiwilligen Arbeitsstunden zu einem gut frequentierten Ort für Kulturveranstaltungen, Vereinsfeste, aber auch Vorträge, private Feierlichkeiten etc. geworden", berichtete Eßbüchl über das erfolgreiche Projekt.
Die Initiative zeigt auch, wie wichtig die Unterstützung des Ehrenamts für das Funktionieren der Gemeinden ist. Die über 800 Dorferneuerungsvereine in Niederösterreich bilden das Rückgrat der lokalen Entwicklung und tragen maßgeblich zur Lebensqualität in den Gemeinden bei.
Durch die Kombination aus finanzieller Förderung, digitaler Unterstützung und persönlicher Beratung schafft das Land ein umfassendes Unterstützungssystem, das sowohl kleine als auch große Projekte ermöglicht. Die Erfolgsgeschichte der vergangenen Jahre mit 500 umgesetzten Projekten zeigt, dass dieser Ansatz funktioniert und bei den Gemeinden gut ankommt.
Die Präsentation in Gossam macht deutlich, dass Niederösterreich auf Kontinuität und bewährte Strukturen setzt, gleichzeitig aber moderne Ansätze wie die Digitalisierung nicht vernachlässigt. Die Mischung aus Tradition und Innovation soll den Gemeinden helfen, ihre Herausforderungen zu meistern und gleichzeitig ihre Identität zu bewahren.